Wohnhaus

Erzbergerplatz 7 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7652
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Erzbergerplatz 7, 50733 Köln
Baujahrum 1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.10.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905/10, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Stuckfassade in Formen des Jugendstils (Erdgeschoß verändert, Fassadendekoration der Obergeschosse z. T. entfernt), 3 Achsen, Mittelbetonung durch Balkone, Ziergiebel in der Mittelachse, Hauseingang links, Toreinfahrt rechts, Eingang und Fenster mit geradem oberen Abschluß, Haustür und zweiflügeliges Tor erneuert, Fenster im Erdgeschoß (einschließlich der Rolladenkästen) und im 1. Obergeschoß mit sprossengeteilten Oberlichtern original erhalten, Fenster im 2. Obergeschoß und im Dachgeschoß erneuert. Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel vierachsig, Balkone im Rücksprung, originale Balkongitter, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür original, Fenster im 1. Obergeschoß z. T. original (Holz), übrige Fenster erneuert (Kunststoff), Treppenhausfenster erneuert (Kunststoff). Im Innern original erhalten: Vestibül: Terrazzobodenbelag mit Bordüre und Mittelbetonung, bis zu halber Höhe Marmorwandplatten, reicher Wand- und Deckenstuck, Wandkompartimente mit Stuckkanneluren, festongeschmückt, leiten über zur bogengewölbten Decke, Durchgang zum Treppenhaus als Bogenwölbung, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden mit Bordüre, Terrazzotreppe, Antrittspfosten mit Kompositkapitell, gedrechselte Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo und Bordüre, z. T. originale Wohnungseingangstüren mit sprossengeteiltem Oberlicht. In den Wohnungen original erhalten: Parkett im 1. und 2. Obergeschoß straßenseitig, Holzdielenböden, teilweise erhaltene Stuckdecken auch in rückwärtigen Wohnräumen und im Seitenflügel, Türen und Gewände zum großen Teil original erhalten.

Einfriedung des rückwärtigen Hofbereichs durch geschlämmte Backsteinmauer mit Pfeilern in regelmäßigen Abständen, Deckplatten.

Das Garagengebäude (ehemals Werkstatt) im Hof ist nicht Bestandteil des Denkmals.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industriestandort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora- und Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein Netz gänzlich neuer Straßen um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung des Erzberger Platzes (ab 1904, urspr. Königin-Luisen-Platz), wie auch der angrenzenden Schill-, Nettelbeck- und Freiherr-vom Stein-Straße sowie der platzartigen Erweiterung der Mauenheimer Straße im Bereich der ältesten Nippeser Pfarrkirche (heute St. Heinrich und Kunigund) sind in diesem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Im wesentlichen prägen um die Jahrhunderwende errichtete zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Bebauung des ab 1904 angelegten Erzbergerplatzes vollzog sich zwischen 1906 und 1910, die Häuserzeilen an der südlichen Schmalseite der Grünanlage wurden erst 1914 vollendet. Der heute mit einer Grünanlage gestaltete Platz zeigt ringsum anstehende Bebauung von annähernd gleichen, großzügigen Parzellengrößen. Die Eckparzellen des Platzes weisen eine größere Breitenausstreckung auf, wodurch eine optische Einfassung der geschlossenen Längsseiten erreicht wird. Die langgestreckte westliche Platzfront korrespondiert mit der vis-à-vis gelegenen Platzseite mit ebenso reich gestalteten und zum Teil breitgelagerten Schauseiten, während die Schmalseiten des Platzes mit insgesamt zurückhaltend gestalteten Fassaden und späterer Wohnblockbebauung (im Norden) ein Pendant zu den aufwendig dekorierten Längsseiten bilden. Mit den Häusern Nr. 2 - 22, wie auch der weiteren die Platzanlage rahmenden Zeilenbebauung, ist ein in geschlossener Form erhalten gebliebenes Ensemble überkommen. Paarweise gruppierte zwei- und dreiachsige Wohnhäuser mit rhythmisch aufeinander abgestimmten hohen Ziergiebeln schließen den Platz nach Süden hin ab. Die Häuser Nr. 3 - 13 dokumentieren eine geschlossene Platzfront. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt sich ein für die Zeit nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 7 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des drei Fenster breiten Wohngebäudes und verweist anhand seiner breiten, unmittelbar am Platz gelegenen Fassade auf den Sozialstatus seiner Erbauer/Bewohner. Aufgrund der Erhaltung großer Teile des Originalzustandes, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekorationen, wie auch des Entrée, des Treppenhauses und der Wohnräume, ist das Gebäude für die Architektur am Erzberger Platz und als Dokument sowohl der Repräsentationsbestrebungen als auch der Geschmacksgeschichte um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung (Schmuckformen: breitgelagerte Schauseite mit Mittelbetonung, flache Rahmung der Öffnungen, konsolgetragener Balkon im 1. Obergeschoß mit Pilasterstellung, profilierte Brüstung, originale schmiedeeiserne Gitter, reich profiliertes Traufgesims von Balkon gebrochen, Ziergiebel mit profiliertem Bogenabschluß). Eine Aufwertung erfuhr das Platzensemble in jüngster Zeit durch das wiederhergestellte zentrale Rosenbeet innerhalb der auf eine Mittelbetonung bezogenen geometrisch gestalteten Grünanlage. Die Häuserzeile des Erzbergerplatzes setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer und zeitgemäß moderne Formen zeigender Architektur. Das Gebäude Nr. 7 ist für das Erscheinungsbild des Platzes und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0