Geschäftshaus
Konrad-Adenauer-Ufer 71 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7654 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Geschäftshaus |
| Adresse | Konrad-Adenauer-Ufer 71, 50668 Köln |
| Baujahr | um 1900 bis 1910, 1950 |
| Architekt / Planung | Jakob Braun |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.10.1995 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1905 (Entwürfe zum Wiederaufbau des Bürohauses 1950 von Jakob Braun), auf rechteckiger Grundfläche mit Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach mit 4 Gaupen in den Achsen, nach dem Krieg erneuert (Naturschieferdeckung), 4 Achsen, Natursteinfassade in Anlehnung an neobarocke Formen, in der linken Achse Risalit auf trapezförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon. Eingang in der rechten Achse rundbogig mit Pilastereinfassung, zweiflügelige Holztür mit verglastem Oberlicht, nach dem Krieg erneuert. Fenster im EG oben gerade abschließend mit schmiedeeiserner Vergitterung, Risalitfenster gekuppelt, die übrigen Fenster mit segmentbogigem oberem Abschluß, am Risalt im 1. OG fassadenseitig zwei zusammengefaßte Rundbogenfenster, im 2. OG großes Fenster oben mit abgerundeten Ecken in gerader Umrahmung, straßenseitige Fenstergliederung teilweise original.
Rückseite: verputzt, dreiachsig mit Anbau, Treppenhaus in der linken Achse mit langem vom Dachgeschoß durch die beiden OG gehendes Fensterband in Metall, sprossengeteilt. Fenster und Türen oben gerade abschließend.
Südseite: 3 Achsen, vergitterte Fenster im EG oben mit geradem Abschluß, Fenster in den OG oben mit Segmentbogen abschließend, dreigeteilt durch steinerne Stützen, die oben in einen spitzen, pfeilförmigen Keilstein münden.
Im Innern aus den 50er Jahren original erhalten: Vestibül mit Solnhofer Bodenplatten, Wände in halber Höhe mit polierten Natursteinplatten, Treppe und Treppengeländer erneuert.
EG: Wohnräume teilweise mit farbigen Bodenfliesen.
Der straßenseitige Ziergarten (ohne die ursprüngliche Einfriedung) ist Teil des Denkmals.
Das Gebäude Konrad-Adenauer-Ufer 71 Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte 'Gerichtsviertel' um den Palast des Oberlandesgerichtes, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt des Konrad-Adenauer-Ufers (ehemals Kaiser-Friedrich-Ufer) im Bereich Thürmchenswall/Niederich-/Dagobertstraße weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischen Garten und zum Citybereich auf. Die mit freiem Blick zum und über den Rhein hier verlaufende Uferstraße wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 bis 1912 bebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Kunibertsturm, einem Gebäuderest des mittelalterlichen - 1891 von Joseph Stübben wiederhergestellten - Turms der Stadtbefestigungsmauer (seit dem 18. Jahrhundert als Weckschnapp bezeichnet), an der breiten, von einer Grünanlage begleiteten und z. T. baumbestandenen Uferstraße, entstanden aufgrund der bevorzugten Rheinlage sehr aufwendige, drei- bis viergeschossige herrschaftliche Villen- und Verwaltungsgebäude an breiten Parzellen mit Erkern, Risaliten und Ziergiebeln, deren Schauseiten z. T. mit Werkstein verkleidet und dekoriert, der Bebauung ihr charakteristisches Gepräge geben. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds - ursprünglich waren die z. T. auch freistehenden Gebäude als Wohnhauser errichtet worden - entspricht das Gebäude Konrad-Adenauer-Ufer 71 mit seiner repräsentativen, antikisch geprägten Fassadenarchitektur (Schmuckformen: Im EG Rustica, in den OG feiner Fugenschnitt, Eingang rundbogig mit Pilastereinfassung, Stockwerkgesims über dem Eingang geschwungen, am Risalit Belétage durch rundbogige Fensterstellung betont, stärker profilierte Einfassung der Fenster in den OG und Eingang mit Rundstab, Südseite: Fensterteilung in Anlehnung an gotische Bauornamentik). Aufgrund der Erhaltung von Teilen der Originalsubstanz, der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekorationen und seiner Innengestaltung ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Das Innere ist die Widerspiegelung der äußeren Fassade. Im Straßenbereich befindet sich - ebenso bei den Nachbargebäuden - ein Ziergarten, ehemals verfügten die Gebäude über große rückwärtige oder umgebende Gärten, die heute nur noch z. T. vorhanden sind. Die Gebäudezeile des Konrad-Adenauer-Ufers setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten villenartigen Gebäuden ein Ensemble historistischer und zeitgemäß moderne Formen zeigender Architektur mit Anklängen an die vielfältigen Erscheinungsformen des Schloß- und Landhausbaus des 18. und 19. Jahrhunderts (Nrn. 65, 71 und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Rheinbraun Nr. 55 - 61). Gebäude aus dieser Zeit sind in der stark kriegszerstörten Kölner Innenstadt eine äußerste Seltenheit. Die ursprünglich auch Wohnzwecken dienenden Großvillen beherbergen heute zum großen Teil wohlhabende Firmen und Gesellschaften des tertiären Gewerbes. Darüber hinaus entstanden entlang des Ufers seit der Nachkriegs- und bis in die jüngste Zeit hinein moderne Büro- und Verwaltungsgebäude des Geldverkehrs und der Versicherungswirtschaft, die Maßstäblichkeit (Parzellenstruktur, Geschoßzahl und -höhe) der historischen Uferbebauung empfindlich beeinträchtigen (z. B. das sechsgeschossige, die Nrn. 67 und 71 sowie den historischen Turm hinterfangende Bürogebäude).
Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Uferstraße, als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur und Stadtkultur im frühen 20. Jahrhundert und als Restbestand der ehemaligen Ensemblebebauung am Konrad-Adenauer-Ufer ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0