Geschäftshaus

Konrad-Adenauer-Ufer 67 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7653
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungGeschäftshaus
Adresse Konrad-Adenauer-Ufer 67, 50668 Köln
Baujahr1906
Architekt / PlanungHeinrich Band
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.10.1995
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut 1906, Architekt: Heinrich Band, auf rechteckiger Grundfläche, Souterraingeschoß, 3 Geschosse, Dachgeschoßausbau (zweigeschossig) mit Gaupen ohne Achsbezug erneuert, Mansardgiebeldach (altdeutsche Naturschieferdeckung), 3 Achsen, Sandsteinfassade (Erdgeschoßbereich scharriert) in klassizistisch-neobarocken Formen, in der linken Achse Risalit auf halbrundem Grundriß mit abschließendem Balkon. Eingang rechte Achse, originale zweiteilige Haustür in Holz, verglast, mit verglastem Oberlicht (verändert), flankierende Laternen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Risalitfenster erscheinen dreiteilig von Pilastern gefaßt, alle straßenseitigen Fenster erneuert. Reich gestaltete schmiedeeiserne Vergitterungen in den Brüstungsbereichen.

Rückseite: verputzt, dreiachsig, in der rechten Achse risalitartiger Ausbau mit abschließendem Balkon, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, bzw. geradem oberen Abschluß, schmiedeeiserne Vergitterung an den Erdgeschoßfenstern.

Im Innern original erhalten: Vestibul: Natursteinbodenplatten, Marmortreppe, beidseitige Handläufe in Holz an der Wand, reicher Wand- und Deckenstuck, stuckierte Supraporte erschließt den Bereich des Hochparterre, Durchgang zum Treppenhaus als Pilasterstellung mit Kapitell. Treppenhaus: Marmortreppe, gerade, zwei- und dreiläufig mit gleichsinnigem Richtungswechsel, gußeiserne Treppengeländer mit Handlauf in Holz, reicher Wand- und Deckenstuck: Stuckkonsolen, Stuckfries, Belichtung des Treppenhausschachtes von oben durch sprossengeteiltes Glasdach.

In den Räumen: Holzböden, teilweise Deckenstuck: Stuckkassettendecken, Stuckdeckenvoute (1. Obergeschoß rückwärtig), (im 1. und 2. Obergeschoß wurden die Stuckdekorationen in den straßenseitigen Räumen z. T. entfernt), z. T. originale Türgewände.

Der straßenseitige Ziergarten (ohne die ursprüngliche Einfriedung) ist Bestandteil des Denkmals.

Die im gepflasterten Hinterhofbereich anstehenden Garagen sind nicht Teil des Denkmals.

Das Gebäude Konrad-Adenauer-Ufer 67 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte 'Gerichtsviertel' um den Palast des Oberlandesgerichtes, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt des Konrad-Adenauer-Ufers (ehemals Kaiser-Friedrich-Ufer) im Bereich Thürmchenswall/Niederich-/Dagobertstraße weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die mit freiem Blick zum und über den Rhein hier verlaufende Uferstraße wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 bis 1912 bebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Kunibertsturm, einem Gebäuderest des mittelalterlichen - 1891 von Joseph Stübben wiederhergestellten - Turms der Stadtbefestigungsmauer (seit dem 18. Jahrhundert als Weckschnapp bezeichnet), an der breiten, von einer Grünanlage begleiteten und z. T. baumbestandenen Uferstraße, entstanden aufgrund der bevorzugten Rheinlage sehr aufwendige, drei- bis viergeschossige herrschaftliche Villen- und Verwaltungsgebäude an breiten Parzellen mit Erkern, Risaliten und Ziergiebeln, deren Schauseiten z. T. mit Werkstein verkleidet und dekoriert, der Bebauung ihr charakteristisches Gepräge geben. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds - ursprünglich waren die z. T. auch freistehenden Gebäude als Wohnhäuser errichtet worden - entspricht das Gebäude Konrad-Adenauer-Ufer 67 mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen antikisch geprägten Fassadenarchitektur (Schmuckformen: hoher Sockel als Podest für die dorischen 3/4-Pilaster der Risalitfensterstellung im Hochparterre sowie der Einfassung des Eingang durch kannelierte ionische Pilaster, Fugenschnitt, im Erdgeschoß kräftig und scharriert, in den Obergeschossen flach, flache Wandpilaster in Großordnung an den Gebäudekanten gliedern die Obergeschoßfassade, Übergang zum Traufgesims bildet ein Fries in Form des laufenden Hundes, gebrochen durch volutenartige Keilsteine der Fenster, Kranzgesims, im 1. Obergeschoß am Risalit ionische 3/4-Pilaster, schmiedeeiserne Vergitterung an allen Öffnungen, Balkongitter mit Mäandermotiv). Aufgrund der Erhaltung großer Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekorationen und seiner äußerst aufwendigen Innengestaltung mit repräsentativem, schloßähnlichen Treppenhaus sowie Räumen mit reichen Stuckdekorationen ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Das Innere ist die Widerspiegelung der äußeren Fassade. Die vielfältigen Schmuckformen offenbaren bisweilen eine über die reine Dekoration hinausgehende symbolische Bedeutung: die Haustür mit aufwendiger, sehr plastisch gearbeiteter Ornamentik zeigt mit überquellenden Füllhörnern, ein der griechischen Mythologie entlehntes Symbol für Reichtum und Fruchtbarkeit, das im vorliegenden Zusammenhang dem ikonographischen Programm des Versicherungswesens (Bauherr war die Concordia-Versicherung) zuzuordnen ist. Im Straßenbereich befindet sich - ebenso bei den Nachbargebäuden - ein Ziergarten, ehemals verfügten die Gebäude über große rückwärtige oder umgebende Gärten, die heute nur noch z. T. vorhanden sind. Die Gebäudezeile des Konrad-Adenauer-Ufers setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten villenartigen Gebäuden ein Ensemble historistischer und zeitgemäß moderne Formen zeigender Architektur mit Anklängen an die vielfältigen Erscheinungsformen des Schloß- und Landhausbaus des 18. und 19. Jahrhunderts (Nrn. 65, 71 und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Rheinbraun Nr. 55 - 61). Gebäude aus dieser Zeit sind in der stark kriegszerstörten Kölner Innenstadt eine äußerste Seltenheit. Die ursprünglich auch Wohnzwecken dienenden Großvillen beherbergen heute zum großen Teil wohlhabende Firmen und Gesellschaften des tertiären Gewerbes. Darüber hinaus entstanden entlang des Ufers seit der Nachkriegs- und bis in die jüngste Zeit hinein moderne Büro- und Verwaltungsgebäude des Geldverkehrs und der Versicherungswirtschaft, die die Maßstäblichkeit (Parzellenstruktur, Geschoßzahl und -höhe) der historischen Uferbebauung empfindlich beeinträchtigen (z. B. das sechsgeschossige, die Nrn. 67 und 71 sowie den historischen Turm hinterfangende Bürogebäude).

Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Uferstraße, als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur und Stadtkultur im frühen 20. Jahrhundert und als Restbestand der ehemaligen Ensemblebebauung am Konrad-Adenauer-Ufer ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0