Wohnhaus

Stammheimer Straße 14 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7658
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Stammheimer Straße 14, 50735 Köln
Baujahr1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.10.1995
Stadtteil Riehl

Erbaut 1906 (inschr. dat.), Hälfte einer Doppelvilla, auf annähernd rechteckiger Grundfläche mit Ausbauten, 2 Geschosse auf hohem Sockel, ausgebautes Dachgeschoß, hohes, durch Ausbauten gestaltetes Mansardgiebeldach, Stuckfassade in Formen des Heimat- und Jugendstils und der Neogotik, 3:1:3 Achsen, an der Gebäudeecke halbrunder Risalit, Belvedere mit Austritt, rechte Achse als Treppenhausbau zurückgesetzt und übergiebelt, Außentreppe mit Kunststeinbelag, schmiedeeisernes Geländer, Balkone an den Hauptgeschossen (im Hochparterre Balustrade) und im Dachgeschoß. Hochparterre: originale Holzfenster bzw. Balkontüren, sprossengeteilt, in den Oberlichten Buntglas, Fenster im 1. Obergeschoß erneuert. Südfassade (Seitenfront): profilierte Stuckrahmungen im Sockelbereich, volutenartiger Ansatz zum Giebel, z. T. Rauhputz, aus der Fassade in Art einer Strebevorlage herauswachsende Konsole für den Kamin, spitz zulaufende Fensterformen in Anlehnung an gotische Steinfenster mit Kreuzstock. Nebeneingang, originale Tür, originale Holzfenster, Oberlichte mit Buntglas.

Rückseite: dreiachsig, verputzt, Traufgesims, Hochparterre: Erker auf segmentbogiger Grundfläche mit abschließendem Balkon; nachträglich angefügte Terrasse mit Treppe zum Garten als Metallkonstruktion auf einer Stütze ruhend. Dachgeschoß: links Thermenfenster mit Einschluß eines Pilasters, rechts Balkon.

Im Innern original erhalten: im Vestibül Terrazzoboden mit mehrfarbiger Bordüre, im Hochparterre verglaster zweiflügeliger Wohnungseingang mit Seitenfenstern. Treppenhaus: Holztreppe mit aufwendig gestaltetem Geländer in Holz, Handlauf, Podeste mit Holzdielenböden. Eingang zum 1. Obergeschoß zweiflügelig, sprossengeteilt, verglaste Ober- und Seitenlichte. In den Wohnungen: z. T. Holzdielenböden, originale kassettierte Gewände und Türen, Stuckdecken.

Straßenseitiger Ziergarten mit originaler Einfriedung: gemauerte und verputzte Pfeiler mit pyramidenförmiger Abdekkung und Einschluß von Kugeln, schmiedeeiserne Vergitterung in zeitgemäß modernen Formen, zweiteiliges Tor. Seitliche Einfriedung: Backstein geschlämmt, Abdeckung in Blei.

Die eingeschossigen Werkstatt-/Garagengebäude im Garten sind nicht Bestandteil des Denkmals.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 sein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand in den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl: seit 1874 setzte die Bebauung ein (Nrn. 120 - 130), ab 1890 wurden neben diesen schlichten Mehrfamilienhäusern am südlichen Ende der Straße aufwendig stuckierte Bauten im Stil der Neurenaissance realisiert. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün aufgelockerten Wohnbauten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 14 und 16 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Einheiten bilden. Das Gebäude Stammheimer Straße 14 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur der repräsentativen Villa zu Anfang unseres Jahrhunderts. Die bürgerliche Villa hat ihre vielfältigen Wurzeln vor allem im Schloß- und Landhausbau des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wird sie durch Erweiterung des Begriffs "Villa" mit dem freistehenden Einfamilienhaus gleichgesetzt. Die Doppelvilla Nr. 14/16, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist in der Fassadengestaltung mit individuellen Details zeittypische Merkmale auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Die hohe Dachlandschaft faßt die unterschiedlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. An beiden Seitenfronten der Doppelvilla prangen, für den sich nähernden Besucher und Betrachter deutlich sichtbar, in Stuck gearbeitete Spruchbänder, die im Inhaltlichen ein der heimatbewegten Trivialkultur entliehenes Gedankengut vermitteln und vermutlich auf die Initiative der Bauherren bzw. der Bewohner zurückgehen. Die symmetrisch gestaltete Anlage Stammheimer Straße 14 und 16 fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Fassaden mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden Formen und verschiedenen Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben (vgl. in direkter Umgebung die Nrn. 11 - 29 und 18 - 38). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustandes, insbesondere des aufwendig gestalteten Entrées, des Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende und zeitgemäß moderne Stilformen zeigen und der Heimatstilbewegung entliehene, malerisch bewegte Architekturformen mit Anklängen an vermeintlich mittelalterliche Steinarchitektur offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Stammheimer Straße und als Dokument sowohl des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft als auch der Geschmacksgeschichte zu Anfang unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Die Villa Stammheimer Straße 14 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0