Wohnhaus

Braugasse 1 · Lövenich

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7669
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Braugasse 1, 50859 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.11.1995
Stadtteil Lövenich

Um 1900 erbaut; Eckhaus zur Carl-Kaulen-Straße; ein Geschoß und ausgebautes Dachgeschoß; 2:2 Achsen, abgeschrägte Ecke mit Blendgiebel; eine Gaube zur Carl-Kaulen-Straße und zwei Gauben zum Innenhof (erneuert); einfarbige Backsteinfassade mit schlichter Gliederung: gering vorkragendes Gurtgesims sowie im Giebel unterbrochenes Dachgesims mit dorftypischem (Zinnen-) Fries, beide durchgehend zu Nr. 3; Sockel verändert (verblendet); Hauseingang in rechter Achse zur Braugasse in Stichbogenöffnung, Haustür erneuert, Zementstufen; hochrechteckige Fenster in Stichbogenöffnungen mit erneuerten Sohlbänken, Fenster erneuert, Rolläden; Giebelfenster in Rundbogenöffnung, erneuert; Giebel mit Dreipaßbogenabschluß und Zierschornstein; Rückseite: einfarbige Backsteinfassade, 3 Achsen, Stichbogenöffnungen. Nicht Bestandteil des Denkmals sind der über die gesamte Hausbreite anschließender Wintergarten und der originale Stall und Abort. Im Innern original erhalten: Holztreppe und Geländer mit doppeltem Antrittspfosten, um das Treppenloch herumgeführt; Wohnzimmerdecke mit zentraler, runder Stukkatur mit Blattornament; im OG Zimmertüren mit Kassettengliederungen und Rahmen.

Das Haus Braugasse 1 grenzt als Eckhaus zur Carl-KaulenStraße, der ehemaligen Lövenicher Dorfstraße, an den alten Dorfplatz im Zentrum des Dorfes. Als eines von insgesamt sieben zu Beginn des Jahrhunderts entstandenen Eckhäusern entlang der Carl-Kaulen-Straße dokumentiert dieses, als einziges eingeschossig gebaute Exemplar, den Übergang von zweckmäßigem dörflichen Wohnen zur nun auch repräsentativen Vorortarchitektur.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts löste das Backsteinhaus den seit Jahrhunderten üblichen Fachwerkstil des Hauses der einfachen Dorfbevölkerung ab. Innerhalb des Dorfes Lövenich entstanden vereinzelt in der Regel giebelständige Wohnhäuser, deren traufständige Ställe und Scheunen den landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerb dokumentieren. Als gegen Ende des Jahrhunderts in Köln beschäftigte Arbeiter und Handwerker die umliegenden, an die Eisenbahn angeschlossenen Dörfer als Wohnort entdeckten, setzte auch in Lövenich eine rege Bebauung ein.

Unter dem Einfluß der allgemeinen Einführung einer Baufluchtlinie um 1875 entwickelte sich zunächst das traufständige Wohnhaus, später führte die Verteuerung der Grundstückspreise und die Übernahme städtischer Wohnhausarchitektur ab etwa 1900 zu einer Reduzierung der Parzellenbreite zur Hausbreite und zu den Vorgängern der späteren Reihenbebauung. Bis etwa 1900 waren die Wohnhäuser immer eingeschossig und backsteinsichtig mit geringen, immer einfarbigen Gliederungen; Fenster- und Türöffnungen besitzen Stichbögen und das Dachgeschoß wurde nicht ausgebaut. Ein Stall sowie ein Abort mit Pultdächern im Anschluß an das Haus sowie ein Garten zum eigenen Anbau waren üblich. Die vorhandene Baufluchtlinie sowie die traufständige Ausrichtung der Häuser erlaubte nun auch die Ausnutzung der bisher unbebauten Eckgrundstücke entlang der Dorfstraße durch die Errichtung meist zweigeschossiger Eckhäuser mit abgeschrägter Ecke und Backstein- oder Putzfassaden, die nun keinen Garten mehr besaßen.

Die Braugasse war von alters her ein Verbindungsweg zwischen den großen Höfen (Keuschhof, Mertenshof) sowie der Kirche im Süden von Lövenich, und der Dorfstraße, an der die Tagelöhner und Kleinbauern wohnten. Sie war bis 1900 locker mit kleinen giebelständigen Häusern und Kleinstgehöften bebaut, ab 1900 wurden alte Häuser erneuert und die Lücken geschlossen.

Die Braugasse 1 ist als einziges Eckhaus der ehemaligen Lövenicher Dorfstraße noch am eingeschossigen Typ orientiert und damit in seiner einmaligen Gestalt eine denkmalwürdige Einzelerscheinung. Die wichtigen Räume umschließen die auf den Dorfplatz ausgerichtete Ecke: der Keller, das mit kleiner Stukkatur aufgewertete Wohnzimmer mit Fenstern zu beiden Straßen wie auch das ausgebaute Dachzimmer. Das Haus weist, wie nur noch das gegenüberliegende Eckhaus Am Heidstamm 1, die seit Jahrzehnten übliche einfarbige und schlichte Fassadengestaltung auf und wirkt, durch den Rundbogengiebel betont, als Pionierbau prägend für die späteren repräsentativen Eckbauten entlang der Carl-Kaulen-Straße.

Dank des weitgehend unveränderten Erscheinungsbildes seiner Übergangsform von dörflicher Bautradition zu städtisch geprägter Architektur trägt das Objekt zur Veranschaulichung der baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende bei und ist im Zusammenhang mit seinen denkmalwerten Nachbarbauten (Braugasse 5, 29, 14, 16; Am Heidstamm 1, 9; Nagelschmiedshütte 8) unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0