Wohnhaus
Am Heidstamm 1 · Lövenich
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8164 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Heidstamm 1, 50859 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.10.1997 |
| Stadtteil | Lövenich |
Um 1900 erbaut; zweigeschossiges Eckhaus zur Braugasse mit angebautem Tanzsaal; ausgebautes Dachgeschoß; 2:1:4 Achsen, abgeschrägte Ecke mit Blendgiebel; segmentbogige Fenster- und Türöffnungen (alle Fenster und Türen erneuert), Walmdach mit drei Gauben zur Braugasse.
Straßenfront: Einfarbige Backsteinfassade (Erdgeschoß verputzt) mit Gliederungen, Eingangstür zur Gaststätte in der Eckachse, je zwei breite Fenster in flachen Stichbogenöffnungen zu beiden Seiten des Eingangs, zwei weitere Erdgeschoß-Fenster seitlich an der Braugasse (Stuckgesims nachträglich); ein Blendfenster im Obergeschoß zu Am Heidstamm; Gurtgesims (Zahnschnitt) über dem Obergeschoß und reich ausgestaltetes Dachgesims; Eckachse ohne Gesimse, plastisch vorspringender Stufengiebel mit Zuganker; drei später erstellte Gauben zur Braugasse, neuer Kamin und zwei neue liegende Dachfenster zu Am Heidstamm.
Rückfront: Einfarbige Backsteinfassade (Erdgeschoß verändert: verputzt und teilweise durch eingeschossigen Anbau im Innenhof verdeckt), drei Achsen, Gurtgesims (Zahnschnitt) über Erdgeschoß, obere Gesimse wie Straßenfront, im Obergeschoß drei große Fenster (links: ein Blendfenster), dazwischen versetzt kleine Treppenhaus- und Toilettenfenster (davon zwei zugemauert), deren Öffnungen die Gurtgesimse unterbrechen; Dachfläche verändert: drei liegende Dachfenster.
Im Inneren original erhalten: Keller mit Backsteinboden (teilweise zementiert), Backsteinkappendecke und Holztreppe; Erdgeschoß-Flur mit Terrazzoboden, Holztreppe (Stufen verkleidet) mit profiliertem Antrittspfosten, Stabgeländer und hölzernem Handlauf, Treppenpodeste mit hängendem Pfosten (Gaststätte mit moderner Ausstattung).
Tanzsaal: Eingeschossiger traufständiger Anbau an der Braugasse (nachträglich verputzt) mit Satteldach, hofseitig mit backsteinsichtigem Fassadenrücksprung in Bauflucht des Hauses, gekuppelte hohe Rundbogenfensteröffnungen zur Straße (Fenster erneuert), straßen- und hofseitige Türen jeweils in der an das Haus grenzenden Achse (erneuert), hofseitige Türöffnung verkleinert, zwei hofseitige Fenster zugemauert; innen großer Saal mit Parkettboden (aufgedoppelt) und zwei Ständerreihen (verkleidet).
Nicht Bestandteil des Denkmals sind der eingeschossige hofwärtige Anbau an das Haupthaus und der veränderte Hofbereich.
Das o. g. Objekt liegt als Eckhaus zu den historischen Straßen Am Heidstamm und Braugasse, die vor dem Gebäude in den ehemaligen Dorfplatz münden. Als eines von insgesamt sieben zu Beginn des Jahrhunderts entstandenen Eckhäusern entlang der ehemaligen Dorfstraße dokumentiert es als Wohn- und Gaststättengebäude den Übergang vom zweckmäßigen dörflichen Haus zu einer nun auch repräsentativen Vorortarchitektur.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts löste das Backsteinhaus den seit Jahrhunderten üblichen Fachwerkstil des Wohnhauses der einfachen Dorfbevölkerung ab. Innerhalb des Dorfes Lövenich entstanden vereinzelt in der Regel giebelständige Wohnhäuser, deren traufständige Ställe und Scheunen den landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerb dokumentieren. Als gegen Ende des Jahrhunderts in Köln beschäftigte Arbeiter und Handwerker die umliegenden, an die Eisenbahn angeschlossenen Dörfer als Wohnort entdeckten, setzte auch in Lövenich eine rege Bebauung ein.
Unter dem Einfluß der allgemeinen Einführung einer Baufluchtlinie um 1875 entwickelte sich zunächst das traufständige Wohnhaus, später führte die Verteuerung der Grundstückspreise und die Übernahme städtischer Wohnhausarchitektur ab etwa 1900 zu einer Reduzierung der Parzellenbreite zur Hausbreite und zu den Vorgängern der späteren Reihenbebauung. Bis etwa 1900 waren die Wohnhäuser immer eingeschossig und backsteinsichtig mit geringen, immer einfarbigen Gliederungen; Fenster- und Türöffnungen besitzen Stichbögen und das Dachgeschoß wurde nicht ausgebaut. Ein Stall sowie ein Abort mit Pultdächern im Anschluß an das Haus sowie ein Garten zum eigenen Anbau waren üblich. Die vorhandene traufständige Ausrichtung der Häuser erlaubte nun auch die Baufluchtlinie sowie die Ausnutzung der bisher unbebauten Eckgrundstücke entlang der Dorfstraße durch die Errichtung meist zweigeschossiger Eckhäuser mit abgeschrägter Ecke und Backstein- oder Putzfassaden, die nun keinen Garten mehr besaßen.
Die Braugasse war von alters her ein Verbindungsweg zwischen den großen Höfen (Keuschhof, Mertenshof) sowie der Kirche im Süden von Lövenich und der Dorfstraße, an der die Tagelöhner und Kleinbauern wohnten. Sie ist, wie auch in ihrem Namen überliefert, als historische Straße der Wirte und Brauer nachweisbar.
Das o. g. Objekt ist als Gaststätte auf den ehemaligen Dorfplatz ausgerichtet, der breite Eingang in der abgeschrägten Eckachse gewinnt in dem bekrönendem Stufengiebel seine besondere Aufwertung. Das Haus behält, wie auch das gegenüberliegende Baudenkmal Braugasse 1, mit seiner aus der dörflichen Bautradition des 19. Jahrhunderts übernommenen einfarbigen Fassade den Bezug zur Backsteinarchitektur seiner Umgebung. Das erste im alten Lövenicher Dorfkern errichtete zweigeschossige Eckhaus erhält allerdings durch die reiche Fassadengestaltung und seine bevorzugte Lage ein ausgeprochen repräsentatives Aussehen.
Dank dieses weitgehend erhaltenen Erscheinungsbildes seiner Übergangsform von dörflicher Bautradition zur vorstädtisch geprägten Architektur trägt das Objekt zur Veranschaulichung der baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende bei und ist im Zusammenhang mit seinen denkmalwerten Nachbarbauten (Braugasse 5, 29, 14, 16; Am Heidstamm 1, 9; Nagelschmiedshütte 8 und Karl-Kaulen-Str. 44 - 46) unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0