Wohn- u. Geschäftshaus
Ehrenstraße 44 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7678 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Ehrenstraße 44, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.11.1995 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1895, auf rechteckiger Grundfläche mit abgewinkeltem Seitenflügel, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (breitgelagerte Gaupe nachträglich aufgebaut), Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Anlehnung an Formen des Barock, Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, originales schmiedeeisernes Balkongitter, Erdgeschoß völlig verändert (Ladenlokal, Erdgeschoß zum Straßenraum geöffnet, Einbau von Pfeilern), Haustür links (im Eingangsbereich des Ladenlokals) erneuert (Metall), Fenster im 1. und 2. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, im 3. Obergeschoß Rundbogenfenster, straßenseitige Fenster zum großen Teil erneuert. Rückseite: Backstein, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel viergeschossig, Fenster mit geradem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster des Vorderhauses z. T. original, mehrere Fenster erneuert (Kunststoff), Fenster des Seitenflügels erneuert (Kunststoff), Hofbereich nachträglich (1982) eingeschossig überbaut (in Einheit mit dem Nachbarhaus 40 - 42). Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: Erdgeschoß: z. T. Terrazzobodenbelag, Rundbogendurchgang zur Treppe, Terrazzotreppe, Handlauf erneuert, Podeste mit Terrazzo belegt, Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen: Holzdielenböden, Terrazzoboden im Badezimmer.
Der eingeschossige Anbau im Hof ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung. Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Friesenwall und Apostelnstraße und im Winkel zum Hohenzollern/Habsburgerring liegt die Ehrenstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausubstanz sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Der städtisch verdichtete Abschnitt der Ehrenstraße im Kreuzungsbereich zwischen Kleine Brinkgasse und Apostelnstraße bzw. Alte Wallgasse und Albertusstraße gelegen, weist im Gegensatz zu dem stark kriegszerstörten Straßenabschnitt im Bereich um den Friesenwall/Ring mit zahlreichen Gebäudeverlusten eine noch weitgehend intakte Zeilenbebauung des späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich des 19. Jahrhunderts kommt dem Gebäude Ehrenstr. 44 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit um die Jahrhundertwende besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete dreiachsige, schmale und hohe Gebäude mit rückwärtigem Grundstück und Seitenflügel weist eine sehr aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende Neubarockfassade auf. Die in Stuck mit sehr plastischem Schmuck gearbeitete Schaufassade der Obergeschosse ist bei der Nr. 44, wie auch bei weiteren ebenfalls reich dekorierten Nachbargebäuden in unverändertem Zustand (ausgenommen das Erdgeschoß) überliefert (Schmuckformen: symmetrischer Fassadenaufbau, Mittelerker, plastisches Dekorationsprogramm: gekröpfte Fensterverdachungen im 1. und 2. Obergeschoß, in den Bogenfeldern Einschluß von grotesken Häuptern, Brüstungsbereiche mit Volutenkonsolen an den Erkerecken, im 2. Obergeschoß tragen ionische Pilaster das gekröpfte Stockwerkgesims, konsolgetragene Rundbogenverdachungen im 3. Obergeschoß, reich ausgebildetes Balkongitter). Die kostspielige, im historistischen Stil durchkomponierte Fassadengestaltung, die bei der Massenbauweise des Historismus nur an herausragenden Gebäuden Anwendung fand, ist Indiz für die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren und Mieter. Das Gebäude Ehrenstr. 44 dokumentiert trotz weitgehender Verluste der Innengestaltung überkommene großbürgerliche Repräsentations- und architektonische Hoheitsformen der historischen Altstadt Kölns und ist als gebautes Denkmal des späten 19. Jahrhunderts ein unverzichtbarer Bestandteil der überlieferten städtischen Baukultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0