Wohnhaus
Melchiorstraße 17 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7685 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Melchiorstraße 17, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1890 bis 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.11.1995 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1890 - 95, auf annähernd rechteckiger Grundfläche mit seitlichem Anbau, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (verändert), (ein nachträglich aufgebautes Vollgeschoß), Satteldach, 4 Achsen, Stuckfassade in Anlehnung an Formen des Klassizismus und der Renaissance (Trauf- bzw. Dachansatzzone verändert). Hauseingang links mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff). Rückseite: verputzt, Vorderhaus dreiachsig, Hofzugang im Rücksprung, Hoftür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff). Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzobodenbelag, segmentbogiger Durchgang zum Treppenhaus, Erdgeschoß Terrazzobodenbelag, Terrazzotreppe, Geländer und Handlauf in Holz/Metall erneuert. In den Wohnungen: Holzdielenböden.
Der rückwärtige Anbau erscheint nach Kriegsschaden nur noch eingeschossig mit erneuerten Fenstern und Eingangstür und ist aufgrund der weitgehenden Veränderungen nicht Bestandteil des Denkmals.
Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohnansprüchen entstehen. Die Melchiorstraße ist westlich der Neusser Straße zwischen Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich von Schilling-/Balthasar- und Ewaldi-/Weissenburgstraße gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Charakteristisch sind einfach gestaltete Hausfassaden und im rückwärtigen Bereich Anbauten, lange Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das Haus Melchiorstr. 17 ist integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Melchiorstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist es mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Balthasar-/Ewaldistraße und angrenzender Seitenstraßen um Sudermanstraße und -platz Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich viergeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem bescheidenen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit einfacher, gestalterisch zurückhaltender Fassadenarchitektur ohne Vorbauten in Gestalt von Ziergiebel oder Erker (Schmuckformen: im Erdgeschoß Bossenquaderimitation, Stockwerkgesimse, Fugenschnitt in den Obergeschossen, Belétage: Fensterbetonung durch achsweise Betonung der Brüstungen, aufwendige Fensterverdachungen: von Triglyphen gerahmte Rechteckfelder tragen einen mit Klötzchenfries gezierten, reich profilierten Dreieckgiebel, in den Obergeschossen flache, waagrechte Fensterverdachungen, Trauf-/Dachansatzzone verändert). Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor und Teilen des Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Melchiorstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Zeile und der gegenüberliegenden Front im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten erstanden, ist das Gebäude Nr. 17 weitgehend erhalten. Es ist Teil der kurz vor der Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäßen modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zu Ende des 19. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0