Wohnhaus
Siemensstraße 47 · Neuehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7741 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Siemensstraße 47, 50825 Köln |
| Baujahr | 1910 bis 1911 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.01.1996 |
| Stadtteil | Neuehrenfeld |
Erbaut 1910/11; Architekt: Rudolf Brovot; 2 Geschosse, ausgebautes Mansarddach mit breitem Zwerchhaus; 2 Achsen (Eingang Mitte links); Putzfassade mit Stuckgliederung in Anlehnung an den Neoklassizismus; Fassadenrhythmisierung durch zweigeschossigen Standerker rechts (aufgeputzte Lagerfugen; sparsam ornamentierte Fensterbrüstungen im OG); Kellersockel und untere Wandzone der linken Haushälfte mit aufgeputzter Quaderstruktur; profilierte Fenster- und Türrahmung und floral ornamentiertes Wandfeld (durch gemeinsame Bekrönung zusammengefaßt); obere Wandfläche EG und OG glatt verputzt; Konsole mit Löwenkopf in der linken oberen Fassadenecke; Zwerchhaus mit 4 Fenstern; profiliert gefaßtes Giebelfeld mit ovalem Fenster; Eingangstür und Fenster original; Rückfront: backsteinsichtig (Kellersockel verputzt); 2 Achsen (links verputzter Wintergarten und Balkon mit originalem Geländer im OG); stichbogenförmige Fensteröffnungen; 1 Gaube (Substanz original); links Dachaufbau (backsteinsichtig); Fenster/Türen original. Innen original: Marmorstufen im Entrée; Bodenbelag EG Treppenhaus (Bodenfliesen) mit geometrischem Muster; Antrittspfosten, Geländer und Handlauf, Stufen in Holz; Zimmer- und Zwischentüren; Stuckleisten in den Wohnräumen im EG/OG (2 Räume); Bleiverglasung Entrée (50er Jahre?); Heizkörper (z. T. mit Abdeckungen). Bestandteil des Denkmals ist auch der Vorgarten mit Einfriedung (Sockel mit Metallgeländer) und der rückwärtige Garten.
Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns beginnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Venloer Straße aus in nördlicher Richtung der Philipp- und Leostraße. Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1888 gewann Ehrenfeld infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen rasch an Bedeutung. Im Verlauf der daraus resultierenden zügigen Erschließung weiterer Bereiche Ehrenfelds wurden verstärkt Anstrengungen zur Erschließung weiterer Wohnbereiche nördlich der Köln-Aachener Bahnlinie unternommen. Erste Ansätze datieren in die frühen 1870er Jahre (Ottostraße). Doch erst mit der Anlage des Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie (Eröffnung 1895) kommt es zu einer endgültigen Wohngebietserweiterung von Alt-Ehrenfeld nach Norden.
Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna und der Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde St. Peter errichtet) entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, unter anderem entlang der Siemensstraße, die eine Querverbindung zwischen Subbelrather- und Nußbaumerstraße herstellt.
Zilkens war hier um die Schaffung einer attraktiven Wohngegend bemüht, wobei zwei städtische Planungen sein Anliegen unterstützten. Zum einen war dies die 1910 geplante Blücherparkanlage (1913 fertiggestellt) und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels (in seinem Verlauf um die Jahrhundertwende von der Stadt Köln festgelegt), der um 1910 hier angelegt und schnell bebaut wurde.
Auffällig sind der reduzierte Schmuckaufwand, der nicht etwa Zeichen für eine finanzschwache Erstbewohnerschaft ist, sondern vielmehr die um diese Zeit bei gutsituierten Bauherren aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen und die Betonung der Kubatur (Erker, glatte Wandflächen, hochaufragende Dächer und Giebelfronten) widerspiegelt. Die Provenienz dieser Stilmittel aus dem Klassizismus lassen sich am o. g. Objekt besonders durch das breitgelagerte Zwerchhaus mit klassisch proportioniertem Giebelfeld und die Horizontalgliederung des Erkers durch Lagerfugen belegen. Das o. g. Objekt ist integraler Bestandteil einer individuell gestalteten, geschlossenen Bebauung mit Einfamilienhäusern. Symmetrische Hausgruppen von meist zwei einander ähnlichen Gebäuden säumen die Siemensstraße in ihrem stadtauswärtigen Bereich zwischen Eichendorff- und Nußbaumerstraße.
Innerhalb dieser großzügige angelegten Vorortbebauung gehören Vorgarten und rückwärtiger Garten zum Typus dieses Hauses, das als ein für die Neuehrenfelder Bebauung und ihre stadtteilspezifische Ausprägung typisches Beispiel ein unverzichtbares Dokument darstellt, das unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0