Wohnhaus

Gertrudisstraße 7 · Weiden

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7748
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gertrudisstraße 7, 50859 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Weiden

Um 1900 erbaut; freistehendes Wohnhaus; 1 Geschoß und ausgebautes Drempelgeschoß mit spitzem Giebel; Krüppelwalmdach; 5 Achsen, Betonung der mittleren Achse durch Risalit mit Eingang und spitzem Giebel. EG: Backsteinfassade mit Stuckgliederungen: profilgerahmte Stichbogenöffnungen von Fenster und Haustür, Quaderung der Eckpartien; Betonung des Risalites durch Eckquaderung; gesimsartig vorkragende Deckenbalkenköpfe. Kölner Stadtwappen im Türbogen; originale Haustür im Stil der Neurenaissance mit Oberlicht; originale Kreuzstockfenster. Drempelgeschoß verputzt, originales Zierfachwerk weitgehend entfernt und nach originalem Vorbild gemalt; spitzer Giebel mit Satteldach, hochrechteckigem, holzgerahmten Fenster (original), Figurennische und orignalem Zierfachwerk.

Originale zweiläufige Freitreppe (Terrazzostufen) mit geschmiedeten Geländer.

Seitenfront: Backsteinfassaden, je 2 Achsen in EG und Giebelgeschoß; Stichbogenöffnungen, im EG straßenwärts jeweils geschlossen. Fenster z. T. original.

Rückfront: Backsteinfassade, 3 Achsen, Fenster und Tür (alle erneuert) in Stichbogenöffnungen. Originale Fenster im Drempelgeschoß zur Treppenhausbelichtung; Terrazzoaußentreppe. Zwei Kellereingänge, erneuert.

Im Innern original erhalten: zweiläufige Holztreppe mit Antrittspfosten und Geländer; Zimmertüren (verkleidet) und Rahmen. EG: Deckenstuck unter abgehangenen Decken (nach Aussage des Eigentümers in allen Wohnräumen und im Flur); Faltläden in den straßenwärtigen Räumen; Kachelofen, Wandpartie dahinter partiell gefließt; schwarze Wandfliesen an der Ofenseite im Flur.

Ganz unterkellert, Kellergrundriß und -decken (Betonflachdecke) erneuert.

Vorgarten mit Einfriedung, originales Backsteinmauerwerk heute verputzt.

Nicht zum Denkmal gehörig ist der Vogelpark im Bereich des ehemaligen Gartens.

Das Haus Gertrudisstr. 7 wurde um die Jahrhundertwende auf dem Gelände eines in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Bauernhofes errichtet.

Der kleine, an der heutigen Gertrudisstraße (ehemalige Dorfstraße) gelegene Weiler Uesdorf veränderte sein Aussehen während des 19. Jahrhunderts nur langsam.

Historisch war das Dorf deutlich nach Funktion und Reichtum geteilt: befanden sich in der östlichen Ortshälfte große und mittelgroße Gutshöfe, so wohnten die Tagelöhner in ihren kleinen Häusern auf sehr schmalen Parzellen westlich des Wickrather Hofes und des heutigen Frechener Weges.

Die Privatisierung des ehemaligen geistlichen Hofbesitzes führte im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Aufgabe der meisten Höfe. Um 1850 wurde der Wickrather Hof (ehemals "Großer Hof") aufgeteilt und in einer verkleinerten Anlage erneuert. Zwei mittelgroße Gehöfte zwischen Wickrather Hof und Engelshof wurden in den Jahren 1860 und um 1890 niedergelegt. Bebaut wurden die Flächen lange nicht, die Bevölkerung von Uesdorf nahm bis Ende des 19. Jahrhunderts sogar ab.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden vereinzelt kleine Backsteinhäuser zwischen den alten Fachwerkhäusern, erst nach 1910 entstanden auf einer ehemaligen Gehöftfläche neben dem Engelshof drei zweigeschossige Wohnhäuser (Gertrudisstr. 1 - 5).

Das o. g. Objekt war in seiner Erbauungszeit durch weithin unbebaute Nachbarparzellen ein herausragender Blickfang.

Seine an städtische Palaisbauten erinnernde Fassadengestaltung mit ungerader Achsenzahl, Mitteleingang im Risalit und Freitreppe, verknüpft mit einheimischen Fachwerkzier und eingefriedetem Vorgarten verlieh der augenfällig freistehenden Villa einen für das kleine Dorf ungewöhnlich repräsentativen Charakter. Die einfache, an das 5-achsige dörfliche Wohnhaus zurückgehende Innenaufteilung greift zwar die ländliche Tradition auf.

Die Ausstattung jedoch mit Faltläden, reichlichem Deckenstuck und Kachelofen bezeugt noch heute die gehobenen Wohnansprüche des Bauherrn.

Das Haus Gertrudisstr. 7 ist in seiner äußeren und inneren Gestaltung wie in seinem individuellen, straßenbildprägenden Landhauscharakter sowohl zur Zeit seiner Erbauung als auch heute eine aus seiner Umgebung architektonisch und sozialgeschichtlich herausragende Einzelerscheinung. Die Nachbarschaft zum denkmalwerten Wickrather Hof weist auf die bäuerliche Vergangenheit des Ortes hin. In seinem unveränderten, weitgehend originalen Erscheinungsbild und dem sehr gepflegten Zustand trägt das Objekt zur Veranschaulichung einer individuellen Wohnhauslösung am Beginn einer Entwicklung zum Vorort bei und ist unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0