Hofanlage Wickerather Hof
Gertrudisstraße 18 · Weiden
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8553 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Hofanlage Wickerather Hof |
| Adresse | Gertrudisstraße 18, 50859 Köln |
| Baujahr | 1893 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.08.2001 |
| Stadtteil | Weiden |
Geschlossene ehemalige Hofanlage aus geschlämmten Backsteingebäuden des 19. und 20. Jahrhunderts, Hoffläche mit moderner Pflasterung.
Bauteil I (ehemaliges Stallgebäude):
Erbaut 1893; eineinhalbgeschossiger, zur Gertrudisstraße traufständiger Backsteinbau mit Satteldach; Giebelwand mit Mauerankern, ehemalige Fensteröffnungen mit Stichbogenabschlüssen und Sohlbankgesimsen nachträglich zugesetzt; Straßenseite mit acht hochrechteckigen Fensteröffnungen (nachträglich mit Glasbausteinen zugesetzt); Hofseite mit baulichen Veränderungen (breite Dachgaube und Dachflächenfenster); im Inneren original erhalten: Kappendecken über den ehemaligen Ställen, Dachkonstruktion (bei Umnutzung und Neugestaltung des Innenraums freigelegt), nicht unterkellert.
Bauteil II (ehemaliger Kuhstall):
Fachwerkgebäude aus dem 18. Jahrhundert, um 1893 teilweise massiv erneuert, zur Gertrudisstraße giebelständiger Anbau an Bauteil I; straßenseitiger Backsteingiebel mit drei hochrechteckigen Fensteröffnungen (nachträglich mit Glasbausteinen zugesetzt); hofseitige Fassade mit Fachwerkgiebel, Gefache in jüngerer Zeit teilweise durch Glas ersetzt, älteres Schiebetor; im Inneren Neugestaltung des Innenraums, neue Betondecke, originale Dachkonstruktion freigelegt, nicht unterkellert.
Bauteil III (an Stelle eines abgebrochenen Wirtschaftsgebäudes), nicht Bestandteil des Denkmals:
Erbaut 1954, eingeschossige flachgedeckte Garagen und Wirtschaftsräume.
Bauteil IV (Wohnhaus, an Stelle des ehemaligen Pferdestalls von 1893), nicht Bestandteil des Denkmals:
Erbaut 1954, zweigeschossiges traufständiges Mehrfamilienhaus mit Satteldach, schmaler Vorgarten im Innenhof.
Bauteil V (Wohnhaus):
Erbaut um 1810; eingeschossiger traufständiger Backsteinbau mit z.T. älteren Innenwänden aus Fachwerk; Backsteinfassaden mit Mauerankern und Fensteröffnungen mit Stichbogenabschlüssen und Sohlbankgesimsen, ehemals Klappläden, auf der Rückseite in dem zum Frechener Weg hin gelegenen und durch eine Fuge im Mauerwerk abgesetzten Gebäudebereich ein hochrechteckiges Fenster; ausgebautes Dachgeschoß (neue Dachflächenfenster), auf der Hofseite Zwerchhaus mit Satteldach und zwei hochrechteckigen Fensteröffnungen über dem Eingang, Blendgiebel mit dreieckigem Abschluß zwischen horizontalen Schulterstücken und Backsteingesims, Maueranker beiderseits eines ehemaligen Wappens; straßenseitiger Giebel (zum Frechener Weg) in Fachwerk; Hauseingang über erneuerten Treppenstufen verändert, Tür und Fenster erneuert; schmaler Vorgarten im Innenhof. Im Inneren: gestaltetes Gewände aus Werkstein als Rest einer ehemaligen Tür in der zum Frechener Weg hin gelegenen Innenwand, Kellerraum mit Tonnengewölbe.
Bauteil VI (ehemalige Waschküche und Turm):
Erbaut 1893; zum Frechener Weg traufständiger eingeschossiger Anbau an das Wohnhaus; Backsteinfassaden mit Mauerankern; ausgebautes Dachgeschoß (neue Dachflächenfenster), auf der Hofseite mittiges Zwerchhaus mit Satteldach und vergrößerter rechteckiger Fenstertüröffnung über ehemaligem zentralem Eingang, Blendgiebel mit dreieckigem Abschluß zwischen horizontalen Schulterstücken und Backsteingesims; Erdgeschoß verändert mit zwei neuen hochrechteckigen Fensteröffnungen und neuer Eingangssituation im Winkel zum Wohnhaus (Bauteil V); Fenster erneuert; Betonung der südlichen Giebelseite durch Treppengiebel und runden Eckturm mit Kegeldach zum Frechener Weg hin, im Turm kleine hochrechteckige Fensteröffnungen mit Sohlbankgesimsen, ehemalige halbkreisförmige Fensteröffnung in der Fassade zum Frechener Weg hin zugesetzt; im Inneren: im Turm Treppenhaus mit Wendeltreppe aus Zementstufen.
Einfriedung:
Erbaut 1954; niedrige, an der Ecke gerundete Backsteinmauer mit offener Einfahrt am Frechener Weg, flankiert von niedrigen Pfeilern mit Bekrönungen durch Zierkugeln der ehemaligen Toreinfahrt (ehemals hohe Einfriedungsmauer aus Backstein mit pfeilerflankierter Einfahrt an der Gertrudisstraße und Eingangstür an Stelle der jetzigen Einfahrt).
Das o. g. Objekt Gertrudisstr. 18 erfüllt die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW).
Es ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen. Seine Erhaltung und Nutzung ist aus wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse.
Der Wickrather Hof ist ein bedeutendes bau- und ortsgeschichtliches Zeugnis des ehemaligen Weilers Uesdorf, aus dem der heutige Ort Weiden hervorging.
Der heutige Hof steht an der Stelle des ältesten bekannten, bereits 1270 erstmals erwähnten Gutshofs im damaligen Uesdorf, dem Großen Hof oder Zollhof des Kölner Apostelnstifts. Der Name nach einem Pächter Wickrath wurde im Jahr 1749 erstmals aktenkundig.
Der kleine, an der heutigen Gertrudisstraße, der ehemaligen Dorfstraße, gelegene Weiler Uesdorf veränderte sein Aussehen nach der Säkularisation während des 19. Jahrhunderts nur langsam. Historisch war das Dorf deutlich nach Funktion und Reichtum geteilt: In der östlichen Ortshälfte standen wenige große und mittelgroße Gutshöfe; die Tagelöhner lebten in ihren kleinen Häusern auf sehr schmalen Parzellen westlich des Wickrather Hofs, der an zentraler Stelle im Dorf lag. Die Privatisierung des ehemals geistlichen Hofbesitzes führte im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Aufgabe der meisten Höfe.
Um 1850 wurde das Anwesen des Wickrather Hofs aufgeteilt; die Gebäude gelangten 1869 in den Besitz der Landwirtsfamilie Dünn aus Großbernsau. Deren Sohn, der spätere Landwirt und Heimatforscher Johann Dünn, war für den Abbruch der meisten alten Gebäude und den Neubau der weitaus verkleinerten Hofanlage im Jahr 1893 verantwortlich.
Die alte, 1807 verzeichnete Hofanlage zeigte erheblich größere Ausmaße. Der Frechener Weg war nördlich der Dorfstraße (heute Gertrudisstraße) noch nicht vorhanden. Die einzelnen Gebäude des Gehöfts waren nur teilweise miteinander verbunden; die Anlage war nicht geschlossen.
Das alte Wohnhaus ist heute als Teil des vorhandenen Wohnhauses erhalten. Es reichte allerdings ursprünglich weiter in den heutigen Straßenraum am Frechener Weg hinein und wurde vermutlich 1893 gekürzt. Der neuen Außenwand wurde eine Fachwerkwand aus alten Hölzern vorgeblendet. Die Konstruktion der Innenwände aus Holzfachwerk läßt auch die Möglichkeit eines sehr alten, um 1810 mit massiven Außenwänden erneuerten Fachwerkgebäudes glaubwürdig erscheinen. An der Innenseite der Fachwerkwand befindet sich bis heute im Obergeschoß ein steinernes Gewände einer zugesetzten Türöffnung. Der Kellerraum hat ein Backsteintonnengewölbe. An der Westfront des veränderten Wohnhauses errichtete Dünn eine neue Scheune, die zuletzt als Pferdestall genutzt wurde, und entlang der Dorfstraße (Gertrudisstraße) einen neuen Stall. Ein kleinerer Fachwerkstall von vor 1807 blieb dabei im Anschluß auf der Westseite erhalten und erhielt den straßenseitigen Backsteingiebel. An dem verkürzten Wohnhaus entstand der Anbau mit dem markanten runden Turm, der als Treppenhaus für die Wendeltreppe dient. Einem mittelalterlichen "Thorm" nachempfunden, soll er auf dem alten Hof als Gefängnis gedient haben. Zur Gertrudisstraße hin – hier befand sich eine Toreinfahrt – und im Bereich des noch nicht angelegten Frechener Wegs wurde das Gehöft durch eine hohe Mauer eingefriedet.
Trotz der erwähnten neueren Umbauten ist das Gehöft in seiner äußeren Gestalt von 1893 weitgehend erhalten und prägt seitdem mit seinem markanten Fachwerkgiebel, dem Turm und dem Treppengiebel sowie den Wirtschaftsgebäuden entlang der ehemaligen schmalen Dorfstraße (Gertrudisstraße) das Ortsbild des alten Uesdorf. Die heutige Einfriedung nimmt nicht nur den Verlauf der ehemaligen Hofmauer auf, sondern bewahrt in Teilen auch die alte Substanz. In städtebaulicher Hinsicht kommt dem Wickrather Hof daher besondere Bedeutung zu.
Seit das Dorf in den 1950er und 60er Jahren von Neubaugebieten umgeben wurde und in dem Ort Weiden aufgegangen ist, blieb der Wickrather Hof als ein letztes Zeugnis des einstigen, vom landwirtschaftlichen Leben geprägten Dorfes bestehen und kennzeichnet damit bis heute den Ursprung des als Keimzelle Weidens bedeutsamen Weilers Uesdorf. Auch im Zusammenhang mit den denkmalwerten Nachbarbauten aus dem frühen 20. Jahrhundert, Gertrudisstr. 7 und 10 – 12, ist die Hofanlage daher als ausgesprochen wichtiges ortsbildprägendes Dokument unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0