Wohnhaus
Gertrudisstraße 12 · Weiden
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8607 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gertrudisstraße 12, 50859 Köln |
| Baujahr | 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.02.2003 |
| Stadtteil | Weiden |
1906 erbaut von Bauunternehmer Anton Maxrath; eingeschossiger, teilweise unterkellerter traufständiger, mehrfarbiger Backsteinbau auf längsrechteckigem Grundriss mit ausgebautem Dachgeschoss; Satteldach (erneuert); stichbogenförmig geschlossene hochrechteckige Tür- und Fensteröffnungen (Fenster und Haustür erneuert); Vorgarten mit schmiedeeiserner Einfriedung; hofseitig ein- bis eineinhalbgeschossiger Stallanbau mit Pultdach.
Vorderfassade: drei Achsen; seitlicher Eingang mit Stufen; Sockel (verändert) mit Kellerluken; Dachflächenfenster in der rechten Achse (nachträglich vergrößerte Fensterluke); horizontale gelbe Zierklinkerbänder auf Höhe des unteren und oberen Fensterabschlusses und als Stockwerkgesims zwischen EG und Dachgeschoss; abgestuftes Traufgesims aus gelbem Klinker; gelbe und rote Klinker betonen Fenster- und Türstürze.
Giebelseite: zwei quadratische Fensteröffnungen im Giebelgeschoss (ursprünglich rundbogig wie bei Nr. 10).
Rückfassade: 3 Achsen, Dach verändert mit Gaube; an die linke Achse schließt eingeschossiger Durchgang zum 1 1/2-geschossigen Stall an, verputzt, teilweise verändert.
Innen: Grundriss weitgehend erhalten, das Innere komplett saniert.
Bestandteile des Denkmals sind auch die straßen- und hofseitigen Freiflächen, die Einfriedung des Vorgartens sowie der in Verlängerung der rechten Hausachse befindliche Stall. Nicht Bestandteil des Denkmals sind die Garage und die hinteren, freistehenden Ställe.
Das ehemalige Straßendorf Uesdorf, das seit den 1960er Jahren nicht mehr als eigenständiges Dorf erwähnt wird, ist mittlerweile ganz in dem 1975 nach Köln eingemeindeten Stadtteil Weiden aufgegangen. Noch vor dem Ersten Weltkrieg war die Gertrudisstraße, die erst 1935 ihren heutigen Namen erhielt, die einzige Straße in Uesdorf. Bis zur Jahrhundertwende gab es nur elf Häuser in Uesdorf, alle standen entlang der Dorfstraße, der jetzigen Gertrudisstraße. Der Dorfbrunnen (Pütz) lag auf der Höhe des heutigen Hauses Gertrudisstr. 10.
Die neuzeitliche Erschließung der Straße mit neuen Wohnhäusern begann wie in den Nachbardörfern kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert, wenn auch nur langsam. Kleine traufständige, backsteinsichtige Wohnhäuser, eingeschossig und meist ohne ausgebautes Dachgeschoss erweiterten das Dorf ab etwa 1905 in beide Richtungen auf alten Ackerparzellen, so die Häuser Gertrudisstraße Nr. 10-12, 44-54, Schulstr. 47-51. Zugezogene Arbeiter waren die Bauherren auf den neu erschlossenen Parzellen.
Die Bebauung dieser Parzellen spiegelt die damaligen Notwendigkeiten des einfachen dörflichen Lebens wider. Die Häuser hatten meist seitliche Einfahrten in den Hof, der noch als Wirtschaftshof genutzt wurde. Ein Stall für Kleintiere (Ziegen, Schweine, Hühner) als Zusatzversorgung war genauso selbstverständlich wie eine landwirtschaftlich zu nutzende Freifläche für den Anbau von Gemüse zum Eigenverbrauch. Diese Struktur aus Wohnhaus mit Stallgebäude und landwirtschaftlich genutzter Fläche ist an dem o.g. Objekt noch gut ablesbar. Als Zeugnis der Lebens- und Wohnverhältnisse im ehemaligen Weiler Uesdorf um die vorvergangene Jahrhundertwende ist o.g. Objekt bedeutend für die Geschichte der Menschen in Uesdorf. Im Zusammenhang mit dem nahe gelegenen Baudenkmal Wickrather Hof, das auf den mittelalterlichen Siedlungskern von Uesdorf hinweist, dokumentiert die Doppelwohnhaushälfte in der Gertrudisstr. 12 in Verbindung mit der Nr. 10 die dörflichen Ursprünge des ehedem vom landwirtschaftlichen Leben geprägten Weilers Uesdorf und ist aus ortsteilgeschichtlichen Gründen erhaltenswert.
Baugeschichtlich fällt dieser dörfliche Haustyp in die letzte Phase des ab Mitte des 19. Jahrhunderts den Fachwerkbau ablösenden Backsteinbaus, bevor dieser durch die ersten mit Stuckornamenten geschmückten Putzfassaden abgelöst wird. Spätestens 1910 war die traditionelle Backsteinfassade an dörflichen Neubauten (vorerst) verschwunden. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts begann man gelben Backstein für Zierelemente zu verwenden. Die Muster der zweifarbigen Backsteinfassaden wurden individuell von den Maurern entwickelt. In den Dörfern gab es keine Architekten, die Entwürfe der Häuser stammten zumeist von den ausführenden Maurermeistern, die sich seit der Jahrhundertwende auch als Bauunternehmer bezeichneten. Sie bauten immer wiederkehrende, statisch problemlose Typen, die auch in Musterbüchern veröffentlicht wurden.
Der vorliegende eingeschossige Doppelhaustyp aus zwei traufständigen, dreiachsigen Häusern mit dem Eingang in der jeweils inneren Achse und seitlichen Hofeinfahrten wurde ab 1890 über den kurzen Zeitraum von etwa 15 Jahren gebaut. Das o.g. Objekt markiert zeitlich den Endpunkt der Errichtung dieses Haustyps. Bauherr der linken Hälfte des 1905 von Bauunternehmer Anton Maxrath errichteten Doppelwohnhauses Gertrudisstr. 10-12 war Franz-Josef Eller, die rechte Haushälfte entstand im Auftrag des Tagelöhners Heinrich Breuer. Die Grundstücksbreite ist noch relativ groß, sie entspricht der Hausbreite zuzüglich 4,75 m für die Einfahrt, die minimal vorgeschriebene Breite betrug 2,50 m.
Die backsteinsichtige Fassade weist die um die Jahrhundertwende üblich werdenden Verzierungen mit gelbem Klinker auf: horizontale Bänder und Gesimse, Stichbogenverdachungen und vor allem individuelle Traufgesimslösungen sind typische Gestaltungsmerkmale. Eine gemeinsame Brandmauer, die seit 1900 um 30 cm über den Dachfirst hochgezogen werden musste, sparte Baumaterial, die Haushälften waren somit preiswerter als ein freistehendes Haus zu errichten. Seitliche Giebelfenster erlaubten die Nutzung des Dachgeschosses als Schlafkammer. Das Satteldach besaß eine Dachluke über der Haustür (verändert). Das Treppenhaus wurde meistens nach vorne verlegt, um dadurch einen zusätzlichen rückwärtigen Raum zu gewinnen. Zwei Fenster belichten einen vorderen Raum, meistens das Wohnzimmer. Der Flur mit Treppenhaus reicht bis zur Mitte des Hauses und entspricht der Länge des daneben gelegenen etwa quadratischen Wohnzimmers. Die hintere Haushälfte ist in zwei gleich große Räume geteilt; die Küche hinter dem Flur dient gleichzeitig als Durchgang in den Hof. Nur die vordere Haushälfte ist unterkellert und hat Luken zur Straße hin in den Fensterachsen. In der Eingangsachse stehen im Abstand von 2-5 m (hier 2, 75 m) hinter der Küche Anbauten mit Pultdach für Schuppen und Stall mit anschließendem Abort an der gemeinsamen Hofmauer.
Für den Erhalt des o.g. Objektes als Teil des Doppelhauses Gertrudisstraße 10-12 liegen wissenschaftliche – hier architekturgeschichtliche – Gründe vor, da es sich um eines der letzten weitgehend intakten Beispiele dieses im dörflichen Bereich Kölns entwickelten und nur über 15 Jahre gebauten Wohnhaustyps handelt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0