Wohnhaus

Nordstraße 50 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7753
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Nordstraße 50, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut 1905/10, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel und Hinterhaus (nach Kriegszerstörung nurmehr eingeschossig) im Bauverband.

Vorderfront: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, in der linken Achse Balkone, Eingang links, mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür mit Oberlicht original erhalten, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster (zweiflügelig mit Oberlicht) original erhalten.

Rückseite: Backstein, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel dreiachsig, Hinterhaus zweiachsig, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, rückseitige Fenster des Vorderhauses im Erd- und 2. Obergeschoß original erhalten (sprossengeteilt, Unter- und Oberlichte), im 1. Obergeschoß erneuert (Kunststoff, zweiflügelig mit Oberlicht, ohne segmentförmigen Bogen), Treppenhausfenster dreiteilig mit Oberlicht, im 1. und 2. Obergeschoß z.T. mit bleigefaßtem Buntglas, Fenster des eingeschossigen Hinterhauses erneuert (Kunststoff, zweiflügelig mit Oberlicht).

Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzoboden im Eingangsbereich, vierstufige Treppe in Terrazzo, zweifarbige Jugendstilwandfliesen mit Bordure bis halbe Höhe, Wand- und Deckenstuck an gewölbter Decke.

Treppenhaus: im Erdgeschoß zweifarbiger Terrazzoboden mit Bordure, Terrazzotreppe, gerade, zweiläufig mit gezogenen Stufen, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit zweifarbigem Terrazzo und zweifarbigen Mosaikdekorationen in den Ecken, Wohnungseingangstüren mit Jugendstildekor der Vorderhauswohnungen erhalten.

In den Wohnungen: Holzdielenboden, Türen und Gewände zum großen Teil erhalten, im 2. Obergeschoß sparsame Stuckdecken.

Der rückwärtige Hof mit Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt ist Bestandteil des Denkmals.

Der nach Süden im Anschluß an das Hinterhaus angrenzende Hof/Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Nordstraße ist nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit um die Jahrhundertwende und bis 1910 wurde die Nordstraße wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloo-, Scharnhorststraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung der Nordstraße als auch des Platzes sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Nordstraße schuf neben der Blücherstraße eine Verbindung der Neusser- mit der Niehler Straße. Die Südseite der Straße weist geschlossene Zeilenbebauung im Anschluß an die Yorckstraße auf, während die Nordseite im weiteren Verlauf zahlreiche unbebaute bzw. der ländlichen Architektur verhaftete zweigeschossige Bauten auf breiten straßenseitigen Parzellen zeigt. Trotz zahlreicher Verluste an historischer Substanz und späterer Neubauten zeigt die Straße erhaltene Zeilen von dreigeschossigen und drei bis vier Achsen breiten Miethäusern mit dem für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristischen Erscheinungsbild historistisch-variantenreich dekorierter Fassaden. Das aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stammende Gebäude Nr. 50 zeigt, - wie die benachbart gelegenen Wohnhäuser - hochgelegene Kellergeschosse und in den gesamten Erdgeschoßbereichen ungewöhnlich hohe Räume in Treppenhaus und Wohnungen. Eine Treppe erschließt von der Straße das Haus, eine weitere mehrstufige Treppe fährt vom Vestibül zum Treppenhaus. Die Senke in diesem Bereich der Nippeser Nordstraße und benachbarter Straßen ist hier Ursache für die städtebaulich-gestaltbildende Erscheinung der großzügig dimensionierten Entrées und Wohnungen. In der Proportionierung, Axialität und Fassadengestaltung schließt das Gebäude an die in der benachbart gelegenen Yorckstraße bis hin zum Leipziger Platz anstehende gehobene Mietwohnarchitektur an und ist Teil des Ensembles vorwiegend historistischer Architektur in diesem Wohnbereich. Aufwendige Schmuckformen der Jugendstilfassade und im Eingangsbereich zeugen von Wohlstand und Repräsentationsabsichten der Bauherren (Schmuckformen: Erdgeschoß Rustikamauerwerkimitation, Eingang mit Karniesbogenwölbung, das Erdgeschoß abschließendes Stockwerkgesims, Fassade der Obergeschosse in Putz mit Horizontalscharrur, in der linken Achse: konsolgetragene Balkone, im 1. Obergeschoß Balkonbrüstung mit Jugendstildekor, im 2. Obergeschoß mit Pilasterbrüstung, konsolgetragene und profilierte Sohlbänke, Traufgesims). Das Gebäude Nordstraße 50 ist mit weiteren Gebäuden der Straße Teil der Ensemblebebauung im nördlichen Nippes. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit originalen Fenstern und des aufwendig gestalteten Eingangsbereichs und Treppenhauses ist das Gebäude ein unverzichtbares Dokument und als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0