Wohnhaus
Chamissostraße 9 · Neuehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7785 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Chamissostraße 9, 50825 Köln |
| Baujahr | 1903 bis 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1996 |
| Stadtteil | Neuehrenfeld |
Erbaut 1903/04; Architekt: Rudolf Brovot; Bauherr: "Ehrenfelder Arbeiterwohnungsgenossenschaft" (die heutige "Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Ehrenfeld").
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Satteldach (durchfensterte Drempelzone); 2 Achsen (Eingang rechts); Putzfassade mit sparsamer Gliederung in Anlehnung an den Jugendstil; Betonung der linken Gebäudeachse durch Zwerchhaus mit rahmender Quaderstruktur (Putzritzungen); Keller-/EG-Sockel mit aufgeputzter Fugenstruktur (Bruchsteinimitat); Fensterbrüstungen 1.OG mit linearer Putzstruktur; Fensterrahmung 1.OG mit geritzter Quaderstruktur; Eingangstür/Fenster original; neues Dachflächenfenster.
Innen original: hölzerne Treppenanlage.
Bestandteil des Denkmals ist auch der rückwärtige Garten.
Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts südlich der Köln-Aachener Bahnlinie, mußte jedoch schon in der ersten Hälfte der 1870er Jahre des letzten Jahrhunderts infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen und daraus resultierender zügiger baulicher Erschließung um Gebiete nördlich der Bahntrasse erweitert werden. Erste Erschließungsansätze lagen an der Otto- und Overbeckstraße, die von der Subbelrather Straße her entwickelt wurden und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis an die Nußbaumerstraße geführt waren.
Die Anlage des großen Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie an der Liebigstraße erwies sich dann als siedlungsförderndes Element. Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna (1896 erbaut) und der fast gleichzeitigen Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde wenig später St. Peter errichtet) entwickelte sich kurz nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, u.a. entlang der Chamissostraße, die die Verbindung zwischen der fast gleichzeitig bebauten Eichendorffstraße und der Nußbaumerstraße herstellt.
Von besonderer Bedeutung für die einheitliche Wirkung der Bebauung der Chamissostraße ist deren systematische Ordnung, die der Architekt Rudolf Brovot aus drei verschiedenen Haustypen symmetrisch komponierte. Gleichzeitig entstand an der Landmannstraße eine von der systematischen Gliederung her identische Bebauung, ebenfalls von Brovot geplant, die dem Straßengeviert Eichendorff-, Landmann-, Nußbaumer- und Chamissostraße seine einheitliche Prägung geben.
Brovot, der zu den meistbeschäftigsten Architekten in Alt- und Neuehrenfeld gehörte - er baute u.a. eine auch heute noch vollständig erhaltene Häuserzeile in der Leostraße - war von der 1899 gegründeten "Ehrenfelder Arbeiterwohnungsgenossenschaft" mit der Planung beauftragt worden.
Zilkens hatte es verstanden, eine schnelle Bauentwicklung in Subbelrath einzuleiten. Er erzielte 1901 durch preisgünstige Grundstücksübereignungen an die "Ehrenfelder Arbeiterwohnungsgenossenschaft" auf damaligem randlichen Subbelrather Bauland, einem ehemaligen Ziegeleigelände der "AG für Baubedarf", eine rasche Bebauung des o.g. Gevierts. Diese Bebauung war nach Projekten an der Vitalisstraße und der Felten- und Emilstraße das dritte Bauvorhaben der neuen Genossenschaft, die so einen wichtigen Siedlungsansatz schuf.
Ein wesentliches Merkmal des o.g. Objektes ist dessen Fassade, die eine Synthese aus den um die Jahrhundertwende gewandelten Wohnvorstellungen von Arbeiterhäusen darstellt: die strenge Vertikalgliederung des Dreifensterhauses ist zugunsten einer freieren Fensteranordnung aufgegeben worden; Giebelform, flächig angelegte Fassadenstruktur und die verschiedenen Fensterformen sind dabei ebenso wie ein relativ hoher Wohnkomfort eine Anpassung an die Gestaltung der Wohnbauten gesellschaftlich höher gestellter Schichten.
Als wichtiger Bestandteil der weitgehend geschlossen erhaltenen und heute in Privathand befindlichen Häuserzeile an der Chamissostraße, die sich als abwechslungsreich gestaltete Hauskomposition des sogenannten "Heimatstil" präsentiert, ist das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument für den frühen genossenschaftlichen Wohnungsbau in Neuehrenfeld, der hier im Lauf der Jahrzehnte das städtebauliche und architektonische Bild des gesamten Vorortes prägt und daher unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0