Wohnhaus

Krefelder Wall 50 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7795
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Krefelder Wall 50, 50670 Köln
Baujahrum 1905 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.03.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1905/06, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigen Seitenflügeln und Hinterhaus auf unregelmäßigem Grundriß.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Mansardgiebeldach, 4 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, Ziergiebel in Fortführung der Erkerachse, Erdgeschoß verändert (Rückbau der ehemaligen Ladenlokale zu Wohnraum, links und rechts des Eingangs paarweise zusammengefaßte Fenster), Eingang in der Mitte mit geradem oberen Abschluß, originale Haustür mit Oberlicht, Tordurchfahrt rechts, zweiflügeliges Tor mit Oberlicht erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Oberlichte mit Sprossenteilung, Profilierung), Tordurchfahrt mit Terrazzoboden, Bordure, ein ehemaliger Zugang von der Durchfahrt zum Ladenlokal geschlossen, Dekkenstuck.

Rückseite: Backstein, gelb, Traufgesims, Vorderhaus dreiachsig, Seitenflügel an den Längsseiten geschlossen, Stirnseiten einachsig, Hofzugang in der Mitte und Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert, Metall, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Hinterhaus: Backstein, gelb, Traufgesims, Eingang im Rücksprung und Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Eingangstür erneuert (Metall), alle Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzoboden, Bordure, bis zu halber Höhe Jugendstilwandfliesen mit oberem Abschluß in Formfliesen, reicher Wand- und Deckenstuck, bogenförmiger und stuckierter Durchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden, Wandfliesen bis halbe Höhe erneuert, im Sockelbereich original, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo belegt, alle Treppenhausfenster erneuert (Kunststoff), alle Wohnungseingangstüren erneuert, Oberlichte geschlossen.

Treppenhaus des Hinterhauses: einheitlich gestaltet mit dem Treppenhaus des Vorderhauses, Terrazzoboden, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo belegt, alle Treppenhausfenster erneuert (Kunststoff), alle Wohnungseingangstüren erneuert, Oberlichte geschlossen. In den Wohnungen: in fünf Wohnungen Holzdielenböden unter Spanplatten, Gewände und Türen zum großen Teil erhalten, in den straßenseitigen Räumen z.T. Stuckdecken. In den Wohnungen, Hinterhaus: keine Originalsubstanz.

Reste der rückwärtigen Einfriedungsmauer in Backstein, rot, mit Backsteinpfeilern, gelb, sind Bestandteil des Denkmals.

Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohansprüchen entstehen.

Der Krefelder Wall liegt in direktem Anschluß an das Dreikönigsviertel, er bildet am zentralen Rechteckplatz (Otto-Müller-Platz) gelegen eine Querverbindung zur Neusser Straße und zum Neusser Platz mit der Agneskirche. Der baumbestandene Wall wird geprägt durch viergeschossige und drei- bis vierachsige Mietwohngebäude, die ehemals mittlere Wohnansprüche befriedigten. Die Straße wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunders mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Charakteristisch sind hier reich gestaltete Hausfassaden mit Mittelbetonung und Ziergiebeln und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das im Kreuzungsbereich zur Neusser Straße gelegene Gebäude Krefelder Wall 50 ist integraler Bestandteil der z.T. geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild des Walls und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt, während an der gegenüberliegenden Seite des Walls viergeschossige Siedlungsbauten der Zwischenkriegszeit anstehen (Nrn. 29-41). Dem mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner bescheiden gestalteten Jugendstilfassade (Schmuckformen: Erdgeschoß Horizontalfugenschnitt, Obergeschosse mit Rauhputzfassade, Mittelerker durch glatte Stuckflächen gegliedert, in den Brüstungsbereichen geometrische Muster, im 1. Obergeschoß flache Fensterbekrönungen, Ziergiebel mit Bogenabschluß). Das Gebäude Krefelder Wall 50 veranschaulicht mit dem gleich gestalteten Nachbargebäude Nr. 48 und weiteren Nachbargebäuden (Nrn. 38-56) das ursprüngliche Erscheinungsbild des Großmietwohnhauses mit weiteren zehn Wohnungen im backsteinsichtigen, nur sparsam dekorierten Hinterhaus, während andere Gebäude des Walls als Nachkriegsneubauten und mit purifizierten Fassaden erscheinen. Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz der straßenseitigen und rückwärtigen Fassaden, des Eingangsbereichs und Treppenhauses, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit mit benachbarten Häusern setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Gebäude ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.

Das Objekt ist für das Erscheinungsbild des Walls und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zur Zeit der Jahrhundertwende ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0