Wohn- u. Geschäftshaus

Merheimer Straße 324 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7806
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Merheimer Straße 324, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.03.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Mansardgiebeldach, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, 3 Achsen, Hauseingang in der linken Achse mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Eingang zur Gaststätte rechts, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Rückseite: Vorderhaus verputzt, Seitenflügel Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel vierachsig, Seitenflügel mit eigenem Mansarddach, Hofzugang und Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster z.T. original erhalten, Treppenhausfenster original, Hoftür erneuert.

Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich mit Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, im Erdgeschoß zweifarbiger Terrazzoboden mit Mittelbetonung, Steintreppe, Geländer mit Zwischenpfosten, Stäben (z.T. beschädigt) und Handlauf in Holz, Podeste mit zweifarbigem Terrazzo belegt, Wohnungseingangstüren und Gewände zum großen Teil original. In den Wohnungen: Holzdielenboden.

Ein des des rückwärtigen Gartens ist Bestandteil des Denkmals.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist das eingeschossige Kegelbahngebäude im Bauverband sowie das im Garten anstehende eingeschossige Gebäude mit Schießstand.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzbergerplatz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstanden zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Merheimer Straße, die Hauptverkehrsachse des Ortsteils Sechzig, liegt im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Das freistehende Gebäude Nr. 324 gehört zu den Dokumenten der Erstbebauung, die sich in diesem Bereich der Straße in größerer Anzahl erhalten haben und charakterisiert gemeinsam mit weiteren älteren anderthalbgeschossigen und giebelständigen Gebäuden der Nachbarschaft das historische Straßenbild. Das Gebäude Nr. 324 zeigt demgegenüber eine dreiachsig gegliederte, zeitgemäß moderne Jugendstilfassade ohne Mittelbetonung bzw. Vorbauten. Die dekorative Gestaltung der Schauseite mit zurückhaltend angewandten, einem historisierenden Jugendstil verpflichteten Formen ist Ausdruck für die Anpassung in Anwendung, Abwandlung und Kombination des Formenkanons an die Bauaufgabe des Mietwohnhauses sowohl, wie für die Ausstrahlung städtischer Baukultur auf den Vorort. Neben den gestaltbildenden Charakteristika des Baukörpers zeigt die Schauseite wertvolle Stuckdekorationsformen (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, Auflösung der Wandfläche im Erdgeschoß durch große Fensteröffnungen der Gaststätte, die Wandflächen erscheinen als kapitellbekrönte Pfeiler, profiliertes Stockwerkgesims, gerade Fensterverdachungen, Horizontalgurte in den Obergeschossen, konsolgerahmter Traufgesimsfries, Dekoration: Löwenhäupter, Spitzbogen in Einheit mit volutengefaßtem floralem Schmuck). Das Gebäude Merheimer Str. 324 ist im größeren Zusammenhang der Straße Teil eines Ensembles von dreiachsigen und zwei- bis dreigeschossigen Wohnhäusern auf schmalen und weit in den Blockinnenbereich ragenden Parzellen mit rückwärtigen Anbauten bzw. Seitenflügeln. In diesem Zusammenhang ist das Gebäude Merheimer Str. 324 von hoher Bedeutung innerhalb des Ensemblebereichs. Es dokumentiert noch heute aufgrund der weitgehenden Erhaltung originaler Substanz die bescheidenen Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse einer mittelständischen Bewohnerschaft zur Zeit der Jahrhundertwende. Als Zeugnis für den städtisch geprägten Mietwohnbau in Köln-Nippes ist das Gebäude von hohem Wert und als unverzichtbarer Teil der gebauten Stadtkultur ein Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0