Wohn- u. Geschäftshaus

Merheimer Straße 392 · Mauenheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8321
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Merheimer Straße 392, 50735 Köln
BaujahrEnde 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.05.1998
Stadtteil Mauenheim

Erbaut 1891, rechteckiger Grundriß, rückwärtige Anbauten.

Fassade: 3 Geschosse, später ausgebautes Dachgeschoß, 3 Achsen, Satteldach (3 Gauben), traufständig, Putzfassade mit schlichten Stuckgliederungen im Stil der Neorenaissance, im Erdgeschoß ursprüngliche Rustikagliederung in Resten erhalten, links Hofeinfahrt (Tor erneuert, Metall), rechts Schaufenster verändert. Im 1. und 2. OG Segmentbogenfenster (Fenster verändert), in der mittleren Achse 2 Fenster eng zusammengefaßt, alle Fenster mit Stuckrahmung und die des 1. OG mit Konsolenverdachung. Rückfront: backsteinsichtig, 2 Achsen, Segmentbogenfenster teilweise in schlechtem Zustand erhalten, 2 Gauben im Satteldach, rechts Hofdurchfahrt, links anschließendes Hinterhaus. Hinterhaus: 2 Geschosse, 3 Achsen, flaches Pultdach, backsteinsichtig, EG modern verputzt, in linker Achse Eingang, Fenster teilweise erneuert (Kunststoff).

Innen original: Hauseingang von der Durchfahrt aus, Steinstufen (Haustür erneuert), Fliesen mit geometrischen Mustern im Eingangsbereich, Holztreppe mit Antrittspfosten und gedrechseltem Geländer, alle Wohnungstüren erneuert, Zimmertüren teilweise erhalten, Dielenboden, Decken teilweise abgehängt.

Bestandteil des Denkmals ist auch die rückwärtige, hohe Einfriedungsmauer aus Backstein (modern verputzt). Nicht zum Denkmal gehörig ist der spätere, etwas niedrigere zweigeschossige Anbau des Hinterhauses.

Das mittelalterliche Dorf Riehl, das 972 erstmals bezeugt ist, wurde 1474 im burgundischen Krieg vernichtet. Die danach neu entstandene lockere Hofbebauung fiel Ende des 18. Jh. mehrmals den Eisfluten des Rheins zum Opfer, wodurch Riehl bis über die Mitte des 19. Jh. nur aus wenigen einzelnen, weit verstreuten Häusern bestand. Seit etwa 1850 war Riehl preußischer Militärstandort und wurde durch Anlage des Zoos (1860), der Flora (1864) und mehrerer Sommerwirtschaften zum beliebten Kölner Ausflugsziel. Seit 1874 erschloß der Bauunternehmer Steinbüchel weiter vom Rhein entfernt liegende Gebiete durch hochwasserfreie Straßen, an denen im Zuge der Eingemeindung Riehls zu Köln im Jahr 1888 im Bereich der nördlichen Stammheimer Straße die erste zusammenhängende Wohnbebauung entstand. Zunächst entstanden um 1890 die Häuser Stammheimer Straße 102-130, gegen Ende der 90er Jahre folgte die Bebauung der südlichen Stammheimer Straße (Nr. 11-15) und die Häuser der nördlich gelegenen Hittorfstr. (Nr. 2-8).

Das Haus Stammheimer Straße Nr. 124 entstammt der ersten gründerzeitlichen Wohnbebauung in Riehl, die im nördlichen Bereich der Straße das neue Ortszentrum begründete. Die frühe dreigeschossige Bebauung ist hier in einem selten einheitlichen und umfangreichen Ensemble im Bereich der Häuser Nr. 116 bis 130 erhalten geblieben. Die meisten Bauten zeigen die für Köln in dieser Zeit typische Dreifensterfassade, nur das o.g. Objekt und die Nr. 118 sind auf breiteren Parzellen mit mehr als drei Fensterachsen errichtet, wobei das hier bewertetet Objekt die beiden mittleren der vier Fenster sehr eng zu einer Achse zusammenfaßt und daher wieder stark dem Dreifenstertypus angepaßt ist. Die Abweichung der Hausbreite hatte u.U. funktionale Gründe, indem man den Innenhof für eine gewerbliche Nutzung durch die Hofdurchfahrt erschließen wollte. (Im Jahre 1898 waren im Erdgeschoß des Hauses, das damals noch dem Bauunternehmer Steinbüchel gehörte, ein Arzt und eine Flaschenbierhandlung untergebracht.)

Die Fenster im 1. OG sind im Gegensatz zu den schlicht gerahmten Segmentbogenfenstern der Nachbarn durch stark plastische, der Renaissance entlehnte Fensterverdachungen betont.

Das Objekt ist somit unverzichtbarer Bestandteil eines Ensembles der ältesten noch existierenden Riehler Wohnbauten, es ist Zeugnis für die Geschichte der Menschen dieses Stadtteils und es ist ebenso Zeugnis für die frühe Kölner Gründerzeitarchitektur mit sehr schlichten neoklassizistischen bzw. dezenten neorenaissancehaften Fassadengestaltungen. Es hat darüberhinaus auch noch eine wichtige städtebauliche Bedeutung, da es besonders für den kleinen Platz an der Kreuzung Riehler Tal wichtiger Blickfang ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0