Villa

Rautenstrauchstraße 81 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7917
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Rautenstrauchstraße 81, 50931 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.07.1996
Stadtteil Lindenthal

"Haus M.Michel"; erbaut um 1925; Architekt: Hans Walter Reitz; Bildhauer: Fritz Berlin; zweigeschossige Villa mit abgeschlepptem Walmdach und Werksteinfassaden an der Rautenstrauchstraße/Ecke Stadtwaldgürtel.

Eingangsfront (Rautenstrauchstraße): 5 Achsen; Eingang links (mit flachem Vordach auf 2 Säulen) von zwei Rundfenstern (originale Vergitterungen) flankiert; Eingangstür und Belag der Zugangstreppe erneuert; seitlich links ehemals eingeschossiger Anbau (mitlerweile aufgestockt) mit Dienstboteneingang mit separatem Dach; Fassadenrhythmisierung durch Eckrisalt (rechts) mit Dreiecksgiebel (Gesims mit Werksteinplastik) und Balkon im OG (mit originalem Metallgeländer); originale Kastenfenster im EG und OG (außer OG 2. Fenster von links) und Fenstertür im OG; Kellerfenster des Anbaus erneuert (Vergitterungen original); Gaube (seitlich verschiefert) und Dachflächenfenster erneuert.

Seitenfront (Stadtwaldgürtel): 2 Fenstertüren im EG (in einer stark profilierten, mit mittigem Ornament akzentuierter Werksteinrahmung zusammengefaßt) mit originalen Metallgeländern; 3 hochrechteckige Fenster im OG; Dachgaube (seitlich verschiefert) erneuert; Kastenfenster/Fenstertüren original (außer linkes Fenster im OG, in Kunststoff erneuert).

Gartenfront: 4 Achsen; links tiefer, zum Garten rund ausschwingender eingeschossiger Vorbau mit Dachterrasse; an der konvex geschwungenen Gartenfront seitlich Bauplastik (halbplastische Figuren); im EG originale Fenstertür zur Terrasse; Gartenfenster erneuert; im OG eine erneuerte Fenstertür, eine Fensteröffnung zu einer neuen Fenstertür erweitert; mittig breite Terrassentür im EG (original mit 3 x 2 Flügeln); OG-Fenster original; im EG rechts 2 originale und 2 erneuerte Fenster (im bereich des neu angelegten Treppenhauses); rechts Anbau (späterer Ausbau des OG); Kellerfenster erneuert (Vergitterungen original); Kellertür original (innen aufgedoppelt); DG mit breitgelagerter erneuerter Gaube (seitlich verschiefert); Dachrinnen erneuert; ein originaler Schornsteinkopf mit Abdeckplatte (ein zweiter Schornsteinkopf abgebrochen).

Innen original: Treppenhaus: Treppe mit Belag (Geländer in den 50er Jahren erneuert); Treppenhausinnenfenster im OG mit Bleiverglasung; Keller: Bodenbelag im heutigen Archivraum (rote Fliesen); unterhalb des Gartenpavillons halbrunder Weinkeller mit gemauerten Regalen mit Rundungen für die Flaschen; EG: Zimmer zum Stadtwaldgürtel mit Parkett; Eckraum Stadtwaldgürtel/Rautenstrauchstraße mit teilweise originalen Einbauschränken; im rund ausschwingenden Gartensaal großflächige Deckenvertiefung und Stuckleiste; OG: im Gartenraum Stukkaturen unter abgehängter Decke.

Veränderungen: Grundrisse umnutzungsbedingt verändert (Werbeagentur im EG ab 1969); Keller: Einbau zusätzlicher WCs; unterhalb der Terrasse neuangelegter Besprechungsraum (Belichtung von oben über Glasbausteine), dadurch Terrasse verändert; Einbau einer zusätzlichen Kellertreppe; EG: abgehängte Decken, darunter originale Stukkaturen (beschädigt) erhalten; Dachgeschoß: Dacheindeckung erneuert (ursprünglich verschiefert); nachträglicher Dachausbau; nach Osten ausgerichtete Gaube vergrößert (jetzt mit Fenstertüren als Dachaustritt auf den aufgestockten Anbau); Dachgaubenfenster zum Gürtel in Kunststoff erneuert; Dachgaubenfenster zum Garten in Holz erneuert (wohl späte 50er/frühe 60er Jahre; Anbau: im OG nachträglich erweitert (ursprünglich Dachterrasse), dadurch Einbau einer neuen Treppe.

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit zweiseitiger Metalleinfriedung und der rückwärtige Garten mit Gartenmauer (verputzt, mit Vorlagen und Pfeilern). Nicht Bestandteil des Denkmals ist die Aufstockung des seitlichen Anbaus.

Der schon 1888 eingemeindete Kölner Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem Ursprung jedoch bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in den 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen. So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Villenbebauung ein, die ihren ersten Höhepunkt kurz nach der Jahrhundertwende hatte. Eine weitere wichtige Bebauungsphase folgte dann in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts und steht in direktem Zusammenhang mit umfangreichen städteplanerischen und -baulichen Aktivitäten.

Der Stadtwald - heute Inbegriff der Grünen Lunge Kölns - wurde 1895 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek als erster Kölner Großpark angelegt. Der älteste Teil des Stadtwalds war der Park der alten Kitschburg, am Beginn des Stadtwaldgürtels/Ecke Dürener Straße gelegen. Bis 1898 wurde der Stadtwald angelegt und bis 1910 sukzessive erweitert und umgestaltet.

Unter Konrad Adenauer (1917-1933 Kölner Oberbürgermeister) schuf dann der berühmte Bremer Architekt und Stadtplaner Kurt Schumacher ein umfassendes System von Grünanlagen als Teil eines Generalbebauungsplanes, das weite Teile des Kölner Stadtraumes mit einem Inneren und Äußeren Grüngürtel umgibt. Möglich geworden war diese großflächige Durchgrünung aufgrund der Umnutzung der weiten Freiflächen der ehemaligen Rayons. Adenauer setzte für das keilförmige Gebiet zwischen Aachener und Dürener Straße, Innerer Kanalstraße und Stadtwaldgürtel die Villenklasse als Bauvorschrift durch. Diese grüne Schneise war für die Bebauung mit repräsentativen Villen geradezu prädestiniert. Das o.g. Objekt kann als eines der typischen Beispiel dieser großzügig angelegten Bauten gelten.

Der Architekt des Hauses, Hans Walter Reitz (1888-1955 Köln), war nach seiner Ausbildung an der Baugewerkschule Köln und der TH Hannover von etwa 1917-21 Chefarchitekt an der Marinewerft in Kiel bevor er um 1921 im Architekturbüro Löwenstein & Reitz und anschließend als selbständiger Architekt in Köln tätig war. Das o.g. Objekt gehört zu seinen frühen Bauten in Köln, wo er in der ersten Hälfte der 20er Jahre vor allem in Marienburg tätig war. Während Reitz gegen Ende der 20er Jahre Wohnbauten entwarf, die durch klar gegliederte kubische Formen bei vergleichsweise geschlossenen Baukörpern charakterisiert waren und einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des sogenannten "Neuen Bauen" lieferten, werden die früheren Entwürfe, zu denen auch die Villa an der Rautenstrauchstraße zählt, durch Baugefüge gekennzeichnet, die in lockerer Komposition vom Wechsel- und Zusammenwirken der geometrischen Einzelformen leben. Vortretende Bauteile, wie der straßenseitige Risalit mit profiliert gefaßtem Giebelfeld und der vorspringende Gartenpavillon, so wie am Expressionismus orientierte Bauplastik sind besondere Merkmale des Gebäudes.

In Bezug auf die Bauplastik ist die Zusammenarbeit zwischen Reitz und dem Bildhauer Fritz Berlin zu erwähnen, der die ausgesprochen ausdrucksstarke Bauplastik des Gebäudes schuf. Ihre Qualität ist im Wesentlichen darin zu sehen, daß sie sich nicht der Architektur unterordnet, sondern sich den konstruktiven Elementen des Baukörpers angliedert. Die Einheitlichkeit der Oberfläche wird durch die zurückgenommen stilisierten figürlichen Motive in keinster Weise beeinträchtigt, im Gegenteil: die Bauplastik wirkt wie aus dem Baukörper herausmodelliert.

Diese, den Bau in seiner gestalterischen Grundhaltung charakterisierenden Merkmale sind trotz der nicht unerheblichen Veränderungen im Inneren des Hauses im Wesentlichen erhalten und am Gebäude ablesbar geblieben, weshalb das o.g. Objekt als integraler Bestandteil der Villenbebauung in Lindenthal ein unverzichtbares bauliches Dokument darstellt und unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0