Verwaltungsgebäude (Handwerkskammer)

Heumarkt 12 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7830
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVerwaltungsgebäude (Handwerkskammer)
Adresse Heumarkt 12, 50667 Köln
Baujahr1957 bis 1960
Architekt / PlanungHans Schilling
Eigentumstädtisches / öffentliches Eigentum
Eingetragen seit 28.03.1996
Stadtteil Altstadt/Nord

1957 - 60 erbaut, Architekt: Hans Schilling; am Heumarkt gelegener, im 1. Bauabschnitt des Gesamtkomplexes errichteter Teil auf langgestrecktem rechteckigem Grundriß einschließlich 1 Achse des rückseitig auf der Südseite anschließenden Traktes; Stahlbetonskelettbau; 5 Geschosse, Flachdächer im Wechsel mit 3 giebelständigen Satteldächern; 10 Achsen, dreifache rhythmische Betonung jeweils zweier unter einem Dreiecksgiebel zusammengefaßter Achsen, die zwischen zurückliegenden Einzelachsen vor die Fassadenflucht treten; gegenüber den beiden östlichen Doppelachseinheiten mit Überhang ab dem 1. OG besondere Betonung der beiden westlichen Eingangsachsen, die stärker und bereits vom EG an gestützt vortreten; Fassade mit Waschputzfeldern, an den vortretenden Achsen mit Verkleidung durch Schieferplatten zwischen hell gestrichenen verputzten Betonpfeilern, Sockel aus roten Natursteinplatten; Fensteröffnungen im EG je Achse schaufensterartig bis zum Boden mit stumpfwinkligem oberen Abschluß (in westlicher rechter Achse ehemals flach rautenförmiges Fenster zu großer Vitrine verändert), Fensteröffnungen in OG's geschoßbetonend mit bänderartiger Wirkung; Fenster in OG's erneuert, im EG aus Stahl mit kräftigen Stegprofilen und rautenförmigen Oberlichtern original; Haupteingang im westlichen rechten der 3 übergiebelten vortretenden Teile: vorhallenartig weit zurückgesetzt, Boden mit 2 Stufen aus rotem Naturstein, schräg nach oben vorkragende Decke mit eingelassenen Beleuchtungskörpern über freistehendem Pfeiler, originales Gitter in ganzer Breite, rückwärtige Wandverkleidung aus Schieferplatten, Eingangs- und Windfangtüren erneuert; Nebeneingang in östlicher linker Achse mit erneuerter Leichtmetalltür und Profalglasfenster.

Seitenfassade zum Börsengäßchen: Fassade mit Waschputzfeldern, Fenster erneuert, ein originales Stahlfenster im EG formal den straßenseitigen entsprechend mit originaler ornamental geschliffener Verglasung.

Rückseite: 7 Achsen, 6 rechte Achsen betont durch Überhang ab dem 1. OG, Zusammenfassung jeweils zweier Achsen unter einem Giebel entsprechend straßenseitiger Gestaltung im Wechsel 1:2; Sockel aus rotem Naturstein, Fassade mit Waschputzfeldern, in vorkragenden OG's neuere Verblendung durch Metallplatten zwischen verputzten, hellgestrichenen Betonpfeilern, Giebelfelder mit originaler Schieferverkleidung; Fenster in OG's erneuert, im EG formal den straßenseitigen entsprechend original (außer östlichem rechten Fenster); Eingangstür verändert.

Im Inneren original erhalten: Im Haupttreppenhaus: im EG roter Natursteinboden, in OG's in Kombination mit hellem Naturstein; gegenläufige Treppe mit rotem Naturstein, Metallstabgeländer mit erneuerten Glasscheiben an den Absätzen und Holzhandläufen mit figürlichen Bronzeköpfen an den Enden; Aufzugstüren aus Metall mit kreisförmigen Fenstern und kreisförmigen Türgriffen; weitgehend Türen (teilweise aus Holz - eine mit Intarsien und Bronzetürgriff im 2. OG,teilweise aus Metall mit Verglasungen); im 2. OG mosaikartiger Wandschmuck (mit Handwerksmotiven bemalte Schiefertafeln). In der Ausstellungshalle im EG: freistehende Stützpfeiler, Parkettboden, Fenstersohlbänke aus rotem Naturstein, Deckengestaltung mit Gipsprofilen im Fischgrätmuster jeweils zwischen den Unterzügen, Deckenlampen aus Glas, Wandschränke aus Holz. Im östlichen Nebentreppenhaus: Boden und gegenläufige Treppe aus Kunststein mit Metallstabgeländer und Holzhandlauf, Aufzug mit Metalltüren in verglastem Metallgehäuse.

Die Kölner Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu 90% zerstört. Sie wurde in den 50er Jahren, der ersten Wiederaufbauphase, neu geprägt. Diese inzwischen abgeschlossene Bauepoche gerät zunehmend in das Interesse der Allgemeinheit. Köln verfügt aus den 50er Jahren über eine Anzahl von Bauten hoher baukünstlerischer Qualität, die von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerks" durchgestaltet und mit Bezug auf ein städtebauliches Gesamtkonzept entworfen wurden. Das o. g. Gebäude Heumarkt 12 wurde 1957 - 60 im ersten Bauabschnitt des Neubaus der Kölner Handwerkskammer errichtet. Die Pläne entwarf der namhafte 1921 geborene Kölner Architekt Hans Schilling, der nach Ausbildung und Mitarbeit im Büro Karl Band seit 1955 freischaffend tätig war. Schilling entwarf ein repräsentatives Verwaltungsgebäude, das jedoch nicht mächtig und monumental wirkt, sondern an die Maßstäbigkeit der Vorkriegsbebauung am Heumarkt erinnert.

Die Fassade des breiten Baukörpers ist in einzelne Bauteile mit eigenen Dachformen aufgegliedert, indem die übergiebelten Doppelachsen zwischen den flachgedeckten Einzelachsen wie einzelne Häuser innerhalb einer Zeilenbebauung hervortreten. Der dominanten horizontalen, durch die nahezu durchgehenden Fensterbänder geschoßbetonten Erscheinung der Fassade wirkt die vertikal ausgerichtete Gestaltung der durch die aufstrebenden Betonpfeiler gerahmten und aus der Fassadenflucht vortretenden Giebelachsen entgegen, unterstützt durch den Hell-Dunkel-Kontrast der weißen, grauen und schwarzen Materialfarbigkeit (helle verputzte Betonpfeiler, graue Waschputzfelder, schwarze Schieferplatten). Interessante Detailform ist die stumpfwinklig abschließende Form der Giebel, die von einem Mittelpfosten, der sich unterhalb der Spitze gabelt, getragen wird. Dadurch wird ein rautenfömiges Giebelfeld ausgebildet, das sich als Oberlicht an den Erdgeschoßfenstern wiederholt. Diese Fenster greifen in ihrer Teilung das charakteristische Motiv der Fassadengiebel insgesamt auf und setzen es in eine eigenwillige Form um. Zugleich bewirkt die großflächige Verglasung des Erdgeschosses auf Vorder- und Rückseite zwischen den prägnant schräg angelegten Pfeilern eine schwebende Leichtigkeit des Gebäudes, die für die Architektur der 50er Jahre bezeichnend ist.

Die Funktion des Gebäudes als Sitz der Handwerkskammer in Repräsentation des Berufsstandes und einem damit verbundenen Anspruch auf handwerkliche Qualität kommt besonders im Inneren zum Ausdruck. Den hochwertigen Materialien wie Edelholz, Bronze, Naturstein entspricht die Gediegenheit in der Ausführung. Darüber hinaus bringt die Wahl der Materialien bzw. deren Kombination sowohl traditionsverbundene wie zukunftsorientierte Aspekte des Handwerks zur Geltung. Am Außenbau steht Schiefer neben Beton, in der Innenausstattung kontrastieren Elemente herkömmlicher Techniken beispielsweise der dekorativen Holz- und Bronzebearbeitung mit fortschrittlichen wie den technisch und funktional anmutenden Aufzugstüren aus Stahlblech. Das o. g. Gebäude Heumarkt 12, das sein ursprüngliches Erscheinungsbild und wesentliche Teile der originalen Substanz außen wie innen teilweise bewahrt hat, ist einerseits innerhalb des frühen Oeuvres Hans Schillings als wichtiges Werk, andererseits als qualitätvolles Beispiel der Nachkriegsbebauung der Kölner Altstadt sowohl städtebaulich als auch orts- und architekturhistorisch unverzichtbar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0