Wohn- u. Geschäftshaus
Nordstraße 68 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7845 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Nordstraße 68, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.04.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (nachträgliche Errichtung der Schleppgaupe über die gesamte Dachbreite), Satteldach, Putzfassade mit Gliederungen in Formen des Historismus, Fassadendetails in Formen des Jugendstils und der Neogotik, 3 Achsen, Eingang rechte Achse, originale Haustür in Holz, Oberlicht, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (horizontal zweigeteilt) .
Rückseite: Backstein, zweiachsig, Fenster im Erdgeschoß mit segmentbogigem oberen Abschluß, Obergeschoßöffnungen verändert (Querrechteckfenster), alle rückwärtigen Fenster erneuert.
Im Inneren original erhalten: Holztreppe, Stäbe und Handlauf, Podeste mit Holzdielenboden. In den Wohnräumen: Holzdielenboden.
Der eingeschossige Anbau im Hof ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutzerkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Nordstraße, nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen wurde in der Zeit um die Jahrhundertwende und bis 1910, wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloo-, Scharnhorststraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung der Nordstraße als auch des Platzes sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Dieser entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetztenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Nordstraße schuf neben der Blücherstraße eine Ost-West-Verbindung der Neusser- mit der Niehler Straße. Die Südseite der Straße weist geschlossene Zeilenbebauung im Anschluß an die Yorckstraße auf, während die Nordseite im weiteren Verlauf zahlreiche unbebaute Grundstücke bzw. der ländlichen Architektur verhaftete zweigeschossige Bauten auf breiten straßenseitigen Parzellen zeigt. Trotz zahlreicher Verluste an historischer Substanz und späterer Neubauten zeigt die Straße erhaltene Zeilen von zwei- bis dreigeschossigen und drei bis vier Achsen breiten Miethäusern mit dem für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristischen Erscheinungsbild historistisch-variantenreich dekorierter Fassaden. Das aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammende traufständige Haus Nr. 68 erscheint in zeittypischer Weise als einfach gestaltetes zweigeschossiges und dreiachsiges Wohngebäude ohne rückwärtige Anbauten. Das im Kreuzungsbereich zur Bülowstraße gelegene Gebäude und weitere annähernd im Originalzustand erhalten gebliebene Gebäude der Zeile sind Zeugnisse der ursprünglich auf den unteren Mittelstand zugeschnittenen Erstbebauung. Charakteristisch für die frühe Erschließung und Bebauung des unmittelbar an der Straße errichteten Gebäudes ist die geringe Parzellenbreite - das Gebäude zeigt die typische dreiachsige Fassade rheinischer Prägung - sowie die Zweigeschossigkeit mit ausgebautem Dachgeschoß und die geringe Höhe der Geschosse (Schmuckformen: Fugenschnitt, Stockwerkgesims und Wanddekoration im Erdgeschoß in Jugendstilformen, 1. Obergeschoß: spitzbogige, profilierte Fensterverdachungen mit abschließender Kreuzblume, Dreipaßmaßwerkfries leitet über zum profilierten Traufgesims). Die unmittelbar benachbart gelegenen Gebäude Nr. 19 und 21 zeigen eine annähernd gleiche Dimensionierung, während die Nachbargebäude Nrn. 58, 60 und 23 als drei- und viergeschossige z.T. breitgelagerte Mietwohngebäude aus neuester Zeit die Ensemblewirkung der frühen Bebauung beeinträchtigen. Aufgrund der teilweisen Erhaltung der Originalsubstanz, insbesondere der aufwendig gestalteten Stuckfassade und des Treppenhauses ist das Gebäude ein charakteristisches Beispiel für den frühen Wohnbau in Nippes und als Baudenkmal erhaltenswert. Es dokumentiert mit wenigen noch erhaltenen Bauwerken die frühe Erschließungsphase und markiert den Anfang der gleichzeitig einsetzenden massenhaften Bebauung des Gebietes Flora-, Bülow-, Yorck- und Nordstraße mit einfachen Ansprüchen genügenden Mietobjekten. Das Gebäude Nordstraße 68 ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich des Stadtteils und somit als Baudenkmal zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0