Wohnhaus

Am Botanischen Garten 65 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7865
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Am Botanischen Garten 65, 50735 Köln
Baujahr1921
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.05.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut 1921, südliches Reihenhaus einer vierteiligen Gebäudegruppe, auf annähernd quadratischer Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau (nachträglicher Anbau bis in das Dachgeschoß; nachträglicher Anbau einer Terrasse über die Breite der gesamten Rückfront), 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Walmdach (rückwärtig verändert), (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 3 Achsen, Rauhputzfassade, Sockelbereich glatt verputzt, scharriert, Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des gesamten Gruppenbaus, erkerartiger Vorbau rechts (in Einheit mit dem Nachbargebäude Nr. 67), dreieckig abschließender Ziergiebel mit eigenem Satteldach rechts, konsolgetragenes Traufgesims in Holz, vorkragende Dachkante, Dachgaupe links mit konsolgetragener Verdachung. Fenster mit geradem oberen Abschluß, zwei quergelagerte Fenster im Erdgeschoß links mit geschmiedeten Stahlgittern, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Wiener Sprossen). Südfassade (Seitenfront): verputzt, konsolgetragenes Traufgesims in Holz, risalitartiger Treppenhausvorbau mit versetzten Fenstern, im Obergeschoß mit Biberschwanz verkleidet, abschließender Ziergiebel. Hauseingang mit Wetterplatte rechts, dreistufige Treppe in Basalt, Haustür in Holz, Glas mit geschmiedetem Stahlgitter original, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster der Südfassade erneuert.

Rückseite: verputzt, 3 Achsen, rechts risalitartiger nachträglicher Anbau bis in das Dachgeschoß, links nachträglich angefügte Terrassenanlage, im Dachgeschoß links nachträglich angefügter Balkon, im Erdgeschoß Rundbogenfenster sowie 2 Rundbogenterrassentüren, Fenster und Tür links original erhalten, Holz, Sprossenteilung, Oberlicht, Fenstertür (Küche) erneuert, Kunststoff, Fenster im Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß erneuert, im Anbau, Obergeschoß dreiteiliges Fenster in Kunststoff, Wiederverwendung des originalen geschmiedeten Stahlgeländers.

Im Inneren: Vestibul: originaler Fliesenboden schwarz/weiß, Gewölbedecke, z.T. Rundbogendurchgänge bzw. -türen, Treppenhaus: originale Holztreppe (unter Belag), dekorativer Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf (der Treppenabschnitt vom Erd- ins Obergeschoß ohne die originalen Stäbe), Podeste mit Holzdielen (unter Belag), Treppenhausabschluß zum Dachgeschoß durch verglaste Tür und Holz-/Glaseinbau, vom Dachgeschoß zum ausgebauten Spitzboden offene Holztreppe (erneuert), originale Parkettböden in der Diele und den Wohnräumen, in Ober- und Dachgeschoß Holzdielenböden, in der Küche originaler Fliesenboden schwarz/weiß, originale Türen, kassetiert und Gewände im ganzen Haus, in den Wohnräumen Wand- und Deckenstuck, straßenseitig Ovalspiegel, rückwärtig geometrische Flächen mit Mittelbetonung, im Obergeschoß z.T. einfache Stuckdekorationen.

Der große rückwärtige Ziergarten mit altem Baumbestand, ist Bestandteil des Denkmals.

Der straßenseitige Ziergarten, Einfriedung durch Bruchsteinmauer mit Pfeilern und Deckplatten sowie nachträglich erneuerter Vergitterung (= einheitliche Gestaltung der gesamten Baugruppe) ist Bestandteil des Denkmals.

Die eingeschossige Garage wurde nachträglich errichtet und ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 65 - 71 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 45/47, 49 a/b, 51 - 55, 59 - 63, 54 - 58, 66/68, 70 - 74, 49 und Johannes-Müller-Straße 27). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Kreuzungsbereich zum Riehler Gürtel gelegene Gruppengebäude Am Botanischen Garten 65 - 71 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Villenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 65 - 71 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden auf. Das Gebäude Nr. 65, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Rhythmisierung der symmetrisch gestalteten Gesamtanlage durch Vorbauten und Ziergiebel, deutliches Stockwerkgesims, scharriert, Fenstereinfassungen in Stuck, profiliert und scharriert, konsolgetragene Sohlbänke im Obergeschoß, konsolgetragenes Traufgesims in Holz, Ziergiebel mit von flachen Pilastern gerahmten Fenstern, konsolgetragene vorkragende Verdachung). Die Dachlandschaft faßt die unterschiedlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern 67 - 71 gestaltete Anlage Am Botanischen Garten fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, des Eingangsbereichs und Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Am Botanischen Garten 65 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0