Wohnhaus

Am Botanischen Garten 69 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7836
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Am Botanischen Garten 69, 50735 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.04.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut 1921, mittleres Reihenhaus einer vierteiligen Gebäudegruppe, auf annähernd quadratischer Grundfläche (ehemaliger Besatzungsbau im Besitz der Reichsvermögensverwaltung), 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 3 Achsen, Putzfassade, Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des Gruppenbaus, erkerartiger konsolgetragener Vorbau rechts (in Einheit mit dem Nachbargebäude Nr. 71), dreieckig abschließender Ziergiebel mit eigenem Satteldach rechts, konsolgetragenes Traufgesims in Holz, vorkragende Dachkante. Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, zum Teil Einscheibenfenster), Hauseingang rechts, zweistufige Treppe in Basalt, verputzte Treppenwangen, Haustür erneuert. Rückseite: 2 Achsen, verputzt, Traufgsims in Holz, im Erdgeschoß nachträglicher Ausbau einer Terrasse, im Obergeschoß Balkon, originales Balkongitter, zweiteilige Terrassentür im Erdgeschoß mit rundbogigem Abschluß (Oberlicht geschlossen) und flankierenden Fenstern (Serlio-Motiv), im Obergeschoß zweiteilige Balkontür mit geradem oberen Abschluß, alle gartenseitigen Fenster und Türen erneuert (Kunststoff), flankierende Mauern der Terrasse getreppt, verputzt, Deckplatten. Im Inneren original erhalten: Vestibül und Diele mit Bodenfliesen schwarz/weiß, Stuckdekkenvouten, Wandbordure, gewölbte Stuckdecke, Treppenhaus: Bodenfliesen schwarz/weiß, Holztreppe, gerade, zweiläufig mit Richtungswechsel, gezogene Stufen, Antrittspfosten, Geländer und Handlauf in Holz. In den Wohnräumen: Parkett im Erdgeschoß, Holzdielenboden im Obergeschoß, Bodenfliesen in der Küche, Türen und Gewände im Erdgeschoß original, im Obergeschoß erneuert, in den Erdgeschoßwohnräumen Stuckdekken mit Wandbordure.

Straßenseitiger Ziergarten, Einfriedung durch Bruchsteinmauer mit Pfeilern und scharrierten Deckplatten sowie schmiedeeiserner Vergitterung original erhalten (= einheitliche Gestaltung der gesamten Baugruppe).

Der große rückwärtige Ziergarten ist Bestandteil des Denkmals.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche erricheten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 65 - 71 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 43/45 - 47, 49a/b, 51 - 55, 59 - 63, 54 - 58/Johanns-Müller-Str. 27). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Kreuzungsbereich zum Riehler Gürtel gelegene Hausgruppe Am Botanischen Garten 65 - 71 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 65 - 71 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden auf. Das Gebäude Nr. 69, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Rhythmisierung der symmetrisch gestalteten Gesamtanlage durch Vorbauten und Ziergiebel, deutliches Stockwerkgesims, scharriert, Fenstereinfassungen in Stuck, profiliert und scharriert, konsolgetragene Sohlbänke im Obergeschoß, Konsoltraufgesims in Holz, Ziergiebel mit von flachen Pilastern gerahmten Fenstern, konsolgetragene vorkragende Verdachung). Die Dachlandschaft faßt die unterschiedlich behandelden Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern 65/67 und 71 gestaltete Anlage Am Botanischen Garten fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, des Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Am Botanischen Garten 69 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0