Wohnhaus
Am Botanischen Garten 71 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7610 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Botanischen Garten 71, 50735 Köln |
| Baujahr | 1921 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.08.1995 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut 1921, nördliches Reihenhaus/Villengebäude einer vierteiligen Gebäudegruppe, auf annähernd quadratischer Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau (verändert durch einen Anbau von 1968), 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (rückwärtig nachträglicher Ausbau eines Dachbalkons), ausgebauter Spitzboden (1982), Walmdach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 3 Achsen, Rauhputzfassade, Sockelbereich glatt verputzt, scharriert, Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des Gruppenbaus, erkerartiger Vorbau links (in Einheit mit dem Nachbargebäude Nr. 69), dreieckig abschließender Ziergiebel mit eigenem Satteldach links (Fensteröffnungen im Ziergiebel nachträglich verändert), konsolgetragenes Traufgesims in Holz, vorkragende Dachkante, Dachgaupe rechts mit konsolgetragener Verdachung, Fenster mit geradem oberen Abschluß, zwei quergelagerte Fenster im Erdgeschoß rechts mit schmiedeeisernen Gittern, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz). Nordfassade (Seitenfront): verputzt, konsolgetragenes Traufgesims in Holz, risalitartiger Treppenhausvorbau mit versetzten Fenstern, im Obergeschoß mit Biberschwanz verkleidet, weiß gestrichen, abschließender Ziergiebel. Hauseingang verlegt (1958), dreistufige Treppe in Basalt, originale Haustür in Holz, verglast, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle Fenster der Nordfassade erneuert (Holz). Rückseite: Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoß mit rundbogigem Abschluß, z. T. original erhalten, Fenster und Balkontüren im Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, alle gartenseitigen Obergeschoßfenster und -türen erneuert (Holz mit Sprossenteilung, Balkontür in Kunststoff). Terrasse: originale Bodenfliesen, Gartentreppe in Basalt.
Im Inneren original erhalten: Grundriß in Teilen verändert, Vestibül und Diele mit Kunststeinbodenfliesen (vom ehemaligen Dielenbereich (nunmehr Küche) sind die schwarz/weißen Bodenfliesen original erhalten), Treppenhaus: originale bleiverglaste Buntglasfenster, Holztreppe, gerade, zweiläufig mit Richtungswechsel, volutengeschmückter Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden. In den Wohnräumen: Parkett in beiden Geschossen, im Erdgeschoß Deckenstuckprofile, in einem Wohnraum Stuckdecke hinter abgehängter Decke, originale Türen und Gewände.
Straßenseitiger Ziergarten, Einfriedung durch Bruchsteinmauer mit Pfeilern und Deckplatten sowie schmiedeeiserner Vergitterung original erhalten (= einheitliche Gestaltung der gesamten Baugruppe).
Der große rückwärtige Ziergarten ist Bestandteil des Denkmals. Die eingeschossige Garage wurde 1958 errichtet und ist einschließlich der aus dieser Zeit stammenden geschwungenen Wetterschutzverdachung des Hauseingangs nicht Bestandteil des Denkmals. Der rückwärtige Anbau von 1968 (Souterrain, Erdgeschoß) mit großer Terrasse im 1. Obergeschoß ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlangen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das ehemalige Kölner Vergnügungsviertel 'Goldene Ecke' entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweise Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietwohnblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späteren Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 65 - 71 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 45/47, 49 a/b, 51 - 55, 59 - 63, 54 - 58, 66/68, 70 - 74, 49 und Johannes-Müller-Straße 27). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zur Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Kreuzungsbereich zum Riehler Gürtel gelegene Hausgruppe Am Botanischen Garten 65 - 71 ist markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 65 - 71 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden auf. Das Gebäude Nr. 71, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in seiner Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Rhythmisierung der symmetrisch gestalteten Gesamtanlage durch Vorbauten und Ziergiebel, deutliches Stockwerkgesims, scharriert, Fenstereinfassungen in Stuck, profiliert und scharriert, konsolgetragene Sohlbänke im Obergeschoß, konsolgetragenes Traufgesims in Holz, Ziergiebel mit von flachen Pilastern gerahmten Fenstern, konsolgetragene vorkragende Verdachung). Die Dachlandschaft faßt die unterschiedlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern 65 - 69 gestaltete Anlage Am Botanischen Garten fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, des Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Am Botanischen Garten 71 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0