Wohn- u. Geschäftshaus

Kasparstraße 17 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7869
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Kasparstraße 17, 50670 Köln
Baujahrum 1903 bis 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.05.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1903/05, Eckgebäude zur Balthasarstraße auf unregelmäßiger Grundfläche.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 4:4 Achsen, abgeschrägte Ecke, Stuckfassade in Formen des Klassizismus (Teile der Fassadendekoration entfernt), Erdgeschoßfassade verändert (Wandfliesenverblendung), an der abgeschrägten Ecke Erker auf rechteckiger Grundfläche im 1. und 2. Obergeschoß, Treppenhausachse mit versetzten Fenstern, Treppenhausfenster zwischen Erd- und 1. Obergeschoß verändert, Eingang linke Achse (Kasparstraße), Öffnung verändert, Haustür erneuert, separater Eingang zur Gaststätte an der abgeschrägten Ecke und zum Ladenlokal (Metall), Erdgeschoß: großflächige Schaufenster in Metall, Fenster der Gaststätte mit geradem oberen Abschluß, Holzfenster erneuert, Einscheiben mit Oberlicht, Öffnungen der Obergeschosse: mit geradem oberen Abschluß, Oberlichte zugemauert, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, Mittelteilung, Oberlicht), Eingang (Kasparstraße) mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür mit Oberlicht erneuert, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, im Erdgeschoß breite, dreigeteilte Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert in Holz (Zweiteilung, Oberlichte, eingelegte Horizontalsprossen).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, 4 Achsen, Hoftür erneuert, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Oberlichte z.T. zugemauert, alle rückwärtigen Fenster erneuert in Holz (Mittelteilung, Oberlicht).

Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: im Erdgeschoß Bodenfliesen und Wandfliesen bis halbe Höhe erneuert, Terrazzotreppe mit PVC-Belag, blau, Geländer in Metall, Handlauf Mipolam, Podeste mit Terrazzobelag, Treppenhausfenster erneuert, Wohnungseingangstüren und Gewände erneuert.

In den Wohnungen keine Originalsubstanz.

Der rückwärtig im Hof anstehende eingeschossige Anbau (Toilettengebäude der Gaststätte) ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohansprüchen entstehen.

Die Kasparstraße ist westlich der Riehler Straße unweit von Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich zum Krefelder Wall gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunders mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Den Abschnitt der Kasparstraße zum Krefelder Wall hin charakterisieren aufwendigere Mietwohnbauten, die sich eher am Wohngepräge des Walls orientieren, während die Gebäude im Kreuzungsbereich zur Balthasarstraße, unmittelbar gegenüber der ehemaligen Feuerwache gelegen, bescheidene Ansprüchen genügen. Typisch sind hier sparsam gestaltete Hausfassaden, z.T. mit Mittelbetonung und Ziergiebeln und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das Gebäude Kasparstr. 17 ist integraler Bestandteil der weitgehend geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist das Gebäude Kasparstr. 17 mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Balthasar-, Melchior- und Aquinostraße und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich vier- bis viereinhalbgeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner qualitätvollen Fassadenarchitektur (z.T. entfernte Schmuckformen) mit Mittel- und Eckbetonung (Schmuckformen: Stockwerkgesims, im 1. Obergeschoß rahmt eine flache Pilasterstellung die Öffnungen, profilierte Laibung der übrigen Fenster, flacher Erker auf rechteckiger Grundfläche an der abgeschrägten Ecke, profiliertes Stockwerkgesims, Konsoltraufgesims mit Volutendekoration, Gliederung der gesamten Fassade durch flach aufgelegte Lisenengliederung). Das Gebäude Kasparstr. 17 veranschaulicht mit den gegenüberliegenden Eckhäusern Nr. 19 und Balthasarstraße 25 das ursprüngliche Erscheinungsbild, wobei hier - wie so oft bei der Eckbereichsbebauung - besonders ausgeprägte Lösungen hervorgebracht werden. Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit Stuckdekor und der backsteinsichtigen Rückfassaden, sowie des Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit mit benachbarten und gegenüberliegenden Häusern (Balthasarstraße 16 und der Backsteinrohbau der Feuerwache) setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Kasparstraße und der gegenüberliegenden Häuserzeile im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden (Nrn. 9-15) oder als Neubauten entstanden, ist die äußere Gestalt des Gebäudes Nr. 17 weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.

Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustadt-Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0