Wohnhaus
Mathias-Schleiden-Straße 23 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7893 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Mathias-Schleiden-Straße 23, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.06.1996 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1928, Eckhaus zur Amsterdamer Straße, Architekt: Ernst Scheidt, auf rechteckiger Grundfläche mit Treppenhausrisalit auf Halbrundgrundfläche.
Fassade: Souterrain, 3 Geschosse, Satteldach mit Fuß, 3:3 Achsen, Edelputzfassade in Formen der internationalen Moderne, Sockel mit Vertikalscharrur, Traufgesims, Risalit auf Halbrundgrundriß, bis über den Dachansatz geführt, flach gedeckt, im 2. Obergeschoß rechts Balkonausbau auf rechtekkiger Platte mit Halbrundaustritt, originale geschmiedete Stahlgeländer, originaler Windschutz Metall/Glas (beschädigt), Erdgeschoß nach Süden Terrasse auf der Garage, im 1. Obergeschoß Loggia nach Süden, gemauerte und verputzte Brüstungen, z. T. Blechabdeckung. Eingang im Treppenhausrisalit in der Mittelachse mit geradem oberen Abschluß, Haustür original, Treppenhausfensterband mit Rundbogenabschluß, rechts und links des Eingangs kleine Fenster in Holz, geschmiedete Stahlgitter, originales Fenster in Holz, Fenster und Balkontüren mit geradem oberen Abschluß, z. T. zu Gruppen zusammengefaßte Hochrechteckfenster, Fenster des Souterrain original in Holz, alle übrigen straßenseitigen Fenster erneuert in Kunststoff (Einscheibenfenster, zur Amsterdamer Straße z. T. asymmetrische Teilung), Fenster des Dachgeschosses erneuert (Kunststoff).
Fassade zur Amsterdamer Straße (Westfassade): 3 Achsen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster im 1. Obergeschoß, Mittelachse, kastenförmig vorkragend mit gerundeter Sohlbankkonsole, waagrechte Verdachung.
Ostfassade: weitgehend geschlossen.
Rückseite: 3 Achsen, verputzt, Erdgeschoßterrasse auf der Garage, Balkon- und Loggiaausbauten in den Obergeschossen, Gartenzugang, Balkontüren und Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Türen und Fenster erneuert in Kunststoff.
Im Inneren: Eingangsbereich und Erdgeschoß Treppenhaus: Terrazzoboden, bis zu halber Höhe originale Wandfliesen (z. T. ergänzt), Terrazzotreppe, zweiläufig (dem Halbrund des Risalits folgend), geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Wohnungseingangstüren in den Obergeschossen erneuert, Treppe zu Keller und Souterrain in Terrazzo, Handlauf in Holz an der Wand verankert, originale Wandfliesen bis halbe Höhe.
In den Wohnungen: Grundrisse im Erd- und 1. Obergeschoß verändert (Aufteilung in je zwei Wohnungen), Erdgeschoß: Fußböden in Estrich, Türen und Gewände z. T. original, in einer Wohnung Stuckdecken z. T. in expressionistischen Formen, in der Küche originaler Fliesenboden rot/weiß, originale Wandfliesen in weiß, originale Einbauschränke, originale Badezimmerbodenfliesen schwarz/weiß; im 1. Obergesschoß: PVC-Böden, Türen und Gewände z. T. original, Zweiflügeltür zwischen den Wohnräumen, Stuckdecken in den Wohnräumen; 2. Obergeschoß: Parkettböden in Diele und zwei Wohnräumen, originale Türen und Gewände, in der Küche originale Bodenfliesen rot/weiß, originale Wandfliesen in weiß, originale Einbauschränke, in allen Wohnungen Nischenwandgestaltung in den Wohnräumen.
Garage und Terrasse nach Süden, Gartentreppe mit originalem geschmiedetem Stahlgeländer sind Bestandteil des Denkmals. Der straßenseitige Ziergarten (zur Straßenecke entfernt) mit z. T. kniehoher, z. T. hüfthoher verputzter Mauer und Mauerpfeilern (in Teilen verändert) geschwungener Einfassung am Eingang, geschmiedeten Stahlgittern und Gartentor links aus geschmiedetem Stahl sowie der rückwärtige kleine Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jarhhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden und stilistisch einheitlich gestalteten Wohnbauten der Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann- und Johannes-Müller-Straße an. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das Eckhaus zur Amsterdamer Straße ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Villenbauten der 1920er Jahre. Das Gebäude Nr. 23 mit umgebenden straßenseitigen und rückwärtigen Gärten zeigt individuelle Gestaltungsdetails der zeitgenössischen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit expressionistischen Baudetails. Die nach individuellen Gestaltungsprinzipien differenzierten straßenseitigen Schauseiten vermitteln zur bereits bestehenden, anschließenden Bebauung beider Straßenzüge (zur Amsterdamer Straße dreigeschossig, zur Mathias-Schleiden-Straße zweigeschossig). Die optisch in der Horizontalen betonten Geschosse (mehrteilige Fensterbänder in allen Geschossen zur Mathias-Schleiden-Straße) zeigen dekorative und repräsentative Formen, die gestaltbildend ineinander greifen. Das in den 1920er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine expressionistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken, die sich dem Vorrag der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Treppenhausrisalit auf Halbrundgrundriß, flach gedeckt, im 2. Obergeschoß links Balkon vor zurückgesetztem Geschoß, rechts konsolgetragene Balkonplatte, rechteckig, mit zur Gebäudeecke hin halbrunder Auskragung, Traufgesims, zur Amsterdamer Straße Betonung der Mittelachse durch kastenartig vorkragendes Fenster im 1. Obergeschoß, gerundete Sohlbankkonsole, waagrechte Verdachung, Dreieckgiebelwand, profilierte und scharrierte Fassung des Eingangs, Hauseingang mit Keilsteinbekrönung, geschmiedetes Stahlgeländer des Treppenhausfensters im unteren Bereich). Städtebaulich wertvoll ist das Gebäude als Bestandteil eines größeren Ensembles der Zwischenkriegszeit (Nrn. 15 - 21, 6 - 18; Amsterdamer Str. 80 - 86). Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten (nachträglich verändert) und der rückwärtig gelegene kleine Ziergarten. Die breitgelagerten Schauseiten passen sich durch Vor- und Rücksprünge, mit dem an der Gebäudeecke gerundeten Balkonaustritt im 2. Obergeschoß, der eine markante Ecklösung als "point de vue" bildet, und der zur Amsterdamer Straße traditionell gestalteten, hoch aufragenden Giebelwand mit getreppten und profilierten seitlichen Abschlüssen und Dreieckgiebel der Situation an der Straßenkreuzung an und schließen die Zeilenbebauung beider Straßen ab. Das gegenüber den an der Mathias-Schleiden-Straße anschließenden Gruppenbauten aus der Bauflucht tretende Gebäude fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, der straßenseitigen Schauseiten und rückwärtigen Fassade, des Eingangsbereichs und Treppenhauses und der wertvollen Interieurs, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Wohnbereichs und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Mathias-SchleidenStr. 23 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur der Zwischenkriegszeit ein unverzichtbares Bauwerk im Ortsteil Riehl und wertvoller Bestandteil der städtisch geprägten Baukunst in Köln.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0