Wohnhaus

Mathias-Schleiden-Straße 21 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8101
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Mathias-Schleiden-Straße 21, 50735 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.06.1997
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1925, Architekt: Ernst Scheidt, westliches Gebäude (Eckhaus) einer vierteiligen, symmetrisch gegliederten Reihenhauszeile, auf rechteckiger Grundfläche mit straßenseitigen und rückwärtigen Vorbauten.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardwalmdach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), dreiteilige Schleppgaupe, verschiefert, 2:1 Achsen, Putzfassade, Gliederungen in zeitgenössischen dekorativ-expressionistischen, gemäßigt modernen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des Gruppenbaus, Erdgeschoßerker auf rechteckiger Grundfläche rechts mit abschließendem Erkerbalkon, dekoratives, geschmiedetes Stahlgeländer, Sockel- und Traufgesims, Fenster- und Türfassungen in Putz, scharriert, vorkragende Dachkante, Fenster und Balkontür mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoßerker Drillingsfenster mit Rundbogenoberlichten, Fenstergitter im unteren Bereich, alle straßenseitigen Fenster (Holz, Oberlichte, sprossengeteilt) original, im Obergeschoß Klappläden.

Westfassade (Seitenfront): verputzt, einachsig, Sockel- und Traufgesims in Putz, Hauseingang mit geradem oberen Abschluß, Keilstein, Blendoberlicht, konsolartiges geschmiedetes Stahlgitter trägt die Rundbogenwetterhaube, Haustür original, Holz, verglast, im Obergeschoß Drillingsfenster mit rundbogigem oberen Abschluß, Fenster der Westfassade (Holz, Oberlichte, sprossengeteilt) original, dreiteilige Schleppgaupe.

Rückseite: verputzt, 2 Achsen, Traufgesims, Erdgeschoßerker mit abschließendem Balkon, gemauerte und verputzte Brüstungen, Glas/Metall-Sichtschutz, original, Terrasse, gemauerte und verputzte Brüstungen, Terrassenfliesen erneuert, Gartentreppe mit originalem geschmiedeten Stahlgeländer, Souterrainfenster mit geschmiedetem Stahlgitter, Drillingsfenster des Erkers und gerade abschließende Fenster und Fenstertüren original (Holz, Oberlichte, Sprossenteilung), Souterrainfenster erneuert, dreiteilige Schleppgaupe, verschiefert.

Im Inneren original erhalten: Vestibul: Marmorboden und -treppe, Marmorwandverkleidung bis halbe Höhe, Treppenhaus: Holztreppe, Geländer und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielen belegt.

In den Wohnräumen: Grundriß des Obergeschosses in Teilen verändert; Erdgeschoß: Parkettboden, original, Obergeschoß Parkettboden erneuert, Dachgeschoß originale Holzdielenböden, Türen und Gewände im 1. Obergeschoß original erhalten, in allen Wohnräumen Deckenstuck, z.T. sehr aufwendige Muster (Sterne, Rauten, Kassetten, Profile), im rückwärtigen Wohnraum zwei holzverkleidete Pfeiler, originale Heizkörperverkleidungen in Holz, in der Küche originale Bodenfliesen schwarz/weiß, und Wandfliesen, weiß mit Bordure in schwarz (z.T. beschädigt), .

Der straßenseitige Ziergarten mit ehemals einheitlicher Einfriedung der gesamten Gebäudegruppe bei der Nr. 21 original erhalten: kniehohe verputzte Mauer, Pfeiler mit Deckplatte, geschwungene Einfassung am Gartentor, geschmiedetes Gitter und zweiteiliges Tor, barockisierend mit Initialen AC, sowie der rückwärtige Ziergarten mit verputzter Einfriedungsmauer nach Norden sind Bestandteil des Denkmals.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die nachträglich errichtete Garage im straßenseitigen Garten.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden und stilistisch einheitlich gestalteten Wohnbauten der Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann- und Johannes-Müller-Straße an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 15-21 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Mathias-Schleiden-Straße 3/5, 7-13, Johannes-MüllerStraße 42/44, 46/48, Theodor-Schwann-Straße 1/3, 5/7, 11-13, 2-14, 16/18, 26-30). Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Kreuzungsbereich zur Amsterdamer Straße gelegene Hausgruppe Mathias-Schleiden-Straße 15-21 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 15-21 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden auf. Das Eckgebäude Nr. 21, in großzügigem Grünbereich gelegen, zeigt individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen expressionistischen Baudetails. Die optisch in der Horizontalen betonten Geschosse (Querrechteckfenster, Traufgesims, waagrecht gelagerte Dachschräge) zeigen dekorative und repräsentative Formen, die gestaltbildend ineinandergreifen. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine expressionistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Rhythmisierung der symmetrisch gestalteten Gesamtanlage durch die einheitliche Dachlandschaft und Vorbauten, Fensterfassungen in Stuck, profiliert und scharriert, mit eckig verkröpften Bogenansätzen, Traufgesims in Stuck, Horizontalscharrur, Ziererker von flachen Lisenen gerahmt, stilisierte Keilsteine in Stuck). Städtebaulich wertvoll ist das Gebäude als Teil der gesamten Gruppe und als Bestandteil eines größeren Ensembles der Zwischenkriegszeit (Nrn. 13, 23, 6-18). Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind der Vorgarten mit aufwendiger Einfriedung und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern 15-19 gestaltete Anlage Mathias-Schleiden-Straße 21 fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, der Fassaden, des Treppenhauses und der Interieurs, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Wohnbereichs und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus MathiasSchleiden-Straße 21 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur zu Beginn unseres Jahrhunderts ein unverzichtbares Bauwerk im Ortsteil Riehl und wertvoller Bestandteil der städtisch geprägten Baukunst in Köln.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0