Wohnhaus

Mathias-Schleiden-Straße 17 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7904
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Mathias-Schleiden-Straße 17, 50735 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.07.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1925, Architekt: Ernst Scheidt, mittleres Gebäude einer vierteiligen, symmetrisch gegliederten Reihenhauszeile, auf rechteckiger Grundfläche mit straßenseitigen und rückwärtigen Vorbauten.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardwalmdach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), dreiteilige Schleppgaupe, verschiefert, 2 Achsen, Putzfassade, Gliederungen in zeitgenössischen dekorativ-expressionistischen, gemäßigt modernen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des Gruppenbaus, Erdgeschoßerker auf rechteckiger Grundfläche rechts mit abschließendem Erkerbalkon, dekoratives, geschmiedetes Stahlgeländer, Sockelgesims, Fenster- und Türfassungen in Putz, scharriert, vorkragende Dachkante (Traufgesims verändert), Hauseingang mit Rundbogenabschluß, gekehlte Laibung, Haustür verglast, sprossengeteiltes Oberlicht, sechsstufige Freitreppe, Geländer beidseitig erneuert, Fenster und Balkontür mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoßerker Drillingsfenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster (Holz, Oberlichte, sprossengeteilt) original, im Obergeschoß originale Klappläden, Fenster der Schleppgaupe erneuert (Einscheibenfenster).

Rückseite: verputzt, 2 Achsen, Traufgesims, Erdgeschoßerker, Balkon im Obergeschoß über die gesamte Fassadenbreite, gemauerte und verputzte Brüstung, Glas/Metall-Windschutz, original, Gartentreppe mit originalen gemauerten und verputzten Brüstungen, Deckplatten, Souterrainfenster mit geschmiedetem Stahlgitter, Drillingsfenster des Erkers und gerade abschließende Fenster und Fenstertüren original (Holz, Oberlichte, Sprossenteilung).

Im Inneren original erhalten: Vestibul: Marmorbodenplatten und Marmorwandverkleidung bis halbe Höhe mit Sockel- und Wandbordure in rot, Holztür, verglast, sprossengeteilt gibt Zugang zu Treppenhaus/Diele: Parkettboden, Holztreppe, Antrittspfosten, Geländer und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielen belegt.

In den Wohnräumen: Erdgeschoß: Parkettboden, original, Obergeschoß und Dachgeschoß Fußböden erneuert, alle Türen und Gewände original erhalten, in den Wohnräumen Deckenstuck, z.T. sehr aufwendige Muster (Sterne, Rauten, Kassetten, Balken), im rückwärtigen Wohnraum Wand-/Pfeilerstuckdekoration, zwei originale Einbauschränke/Heizkörperverkleidungen in Holz, in der Küche im Souterrain originale Bodenfliesen, schwarz/weiß, originaler Speiseaufzug, im Obergeschoß ein dekoratives breitgelagertes Oberlicht nach Norden, Holz, Sprossenteilung.

Das Teehaus im rückwärtigen Ziergarten: pilasterartige Pfeiler, verputzt, gemauerte und verputzte Brüstungen, scharriert, Pyramidendach mit bekrönendem Metallaufsatz und Kugel, Fliesenboden erneuert, sowie das Gartenparterre nach Süden, Natursteintreppe, Brüstungen/Böschungen in Naturstein und die rückwärtige Einfriedungsmauer, verputzt, Wandpfeiler, sind Bestandteil des Denkmals.

Der straßenseitige Ziergarten mit ehemals einheitlicher Einfriedung der gesamten Gebäudegruppe bei der Nr. 17 in Teilen original erhalten: kniehohe verputzte Mauer, Pfeiler, scharriert mit Deckplatte, Vergitterung erneuert, ist Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden und stilistisch einheitlich gestalteten Wohnbauten der Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann- und Johannes-Müller-Straße an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 15-21 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Mathias-Schleiden-Straße 3/5, 7-13, Johannes-Müller-Straße 42/44, 46/48, Theodor-Schwann-Straße 1/3, 5/7, 11-13, 2-14, 16/18, 26-30). Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Kreuzungsbereich zur Amsterdamer Straße gelegene Hausgruppe Mathias-Schleiden-Straße 15-21 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude Nrn. 15-21 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden - die Eckgebäude treten risalitartig hervor - auf. Das beidseitig von Nachbarbebauung gerahmte Gebäude Nr. 17, in großzügigem Grünbereich gelegen, zeigt individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen expressionistischen Baudetails. Die optisch in der Horizontalen betonten Geschosse (Traufgesims, waagrecht gelagerte Dachschräge) zeigen dekorative und repräsentative Formen, die gestaltbildend ineinandergreifen. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine expressionistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Rhythmisierung der symmetrisch gestalteten Gesamtanlage durch die einheitliche Dachlandschaft und Vorbauten, Fensterfassungen in Stuck, profiliert und scharriert, z.T. mit eckig verkröpften Bogenansätzen, Horizontalscharrur, Ziererker von flachen Lisenen gerahmt). Städtebaulich wertvoll ist das Gebäude als Teil der gesamten Gruppe und als Bestandteil eines größeren Ensembles der Zwischenkriegszeit (Nrn. 13, 23, 6-18). Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind der Vorgarten mit aufwendiger Einfriedung und der rückwärtig gelegene große Ziergarten mit Pavillion und weitgehend ursprünglicher Gartengestaltung. Besonders sei auf das nach Süden das Grundstück abschließende Parterre hingewiesen. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern 15 und 19/21 gestaltete Anlage Mathias-Schleiden-Straße fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der fast vollständigen Erhaltung des Originalzustands, der Fassaden, des Treppenhauses, der Interieurs und der Gartenanlagen, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Wohnbereichs und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Mathias-Schleiden-Straße 17 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur zu Beginn unseres Jahrhunderts ein unverzichtbares Bauwerk im Ortsteil Riehl und wertvoller Bestandteil der städtisch geprägten Baukunst in Köln.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0