Wohn- u. Geschäftshaus

Hittorfstraße 7 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7912
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Hittorfstraße 7, 50735 Köln
Baujahrum 1914
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.07.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1914, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach (im unteren Bereich Deckung mit Dachpappe), Dachgaupen in den Fensterachsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, erkerartiger Vorbau in der Mittelachse auf segmentförmiger Grundfläche mit abschließendem kleinen Balkon, originales Balkongeländer in geschmiedetem Stahl, hoher Ziergiebel in Fortführung der Erkerachse, Erdgeschoß verändert (Fliesenverblendung), Stockwerk- und Traufgesims verändert (Verblendung in Kunststoff), Eingang links mit geradem oberen Abschluß, Haustür und Oberlicht erneuert, rechts separater Eingang zum Ladenlokal, Eingangstür erneuert in Metall, Fenster mit geradem oberen Abschluß, am Erker zu Dreiergruppe zusammengefaßt, im Ziergiebel Hochovalfenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert, Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht.

Rückseite: verputzt, Traufgesims, 3 Achsen, Balkone auf Stahlstütze (Balkone nachträglich vergrößert und verändert), Gartentür mit segmentbogigem oberen Abschluß, Tür erneuert, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster des Erdgeschosses original, Holz, Oberlicht, Mittelteilung, Fenster der Obergeschosse erneuert, Treppenhausfenster original, Holz, Oberlicht, Mittelteilung.

Im Inneren: Eingangsbereich: Terrazzoboden, original, bis zu halber Höhe originale Wandfliesen, mehrfarbig, Durchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus Erdgeschoß mit originalem Terrazzoboden, Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz original, Podeste mit Terrazzoboden, Wohnungseingangstüren in Holz mit Oberlicht original erhalten.

In den Wohnungen: Holzdielenböden (z.T. unter Spanplatten), im 1. und 2. Obergeschoß originale Türen und Gewände, z.T. Zweiflügeltüren.

Der rückwärtige Garten mit originaler Einfriedungsmauer nach Südwest und Nordost (Backstein, Mauerverstärkung in regelmäßigen Abständen) ist Bestandteil des Denkmals. Nicht Bestandteil des Denkmals ist das eingeschossige Gebäude im Garten nach Nordwest.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende.

Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das ehemalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand in den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischem Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich im nördlichen Bereich (platzartige Straßenerweiterung Riehler Gürtel/Pionierstraße) bescheiden dimensionierte und dekorierte, meist dreigeschossige Wohnbauten an, in deren Zusammenhang auch die Bebauung an der Hittorfstraße steht. Das Gebäude Hittorfstraße 7, im Kreuzungsbereich zur Stammheimer Straße gelegen, entspricht aufgrund seiner ausgewogen gestalteten Fassadenkomposition, die mit den benachbart anstehenden Gebäuden mit Mittelbetonung durch Erker und Mansardgiebeldächer (Nrn. 3-11; Nrn. 9 und 11 purifiziert) korrespondiert, dem mittelständischen, städtisch geprägten Wohnhaus des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts (Schmuckformen: Stockwerkgesims (verblendet), an den Obergeschossen flach aufgelegte Lisenengliederung, Brüstungsbereiche mit Reliefschmuck, profilierte Sohlbänke, profiliertes Traufgesims (verblendet), hoher Ziergiebel mit Dreieckabschluß, eingefaßt durch Volutendekoration, Hochovalöffnung). Die qualitätvoll durch zeitgemäß moderne Formen in Gestalt des Jugendstils dekorierte Fassade (heute im Erdgeschoß verändert) läßt bereis eine neoklassizistische Strömung, die sich dem Vorrang der Architektur unterordnet und wenige Jahre später als großstädtische Variante einen Großteil der Neubauten bestimmt, in der Fassadenbehandlung erkennen. Die Fortführung der Hittorfstraße ist geprägt durch Nachkriegsneubauten und Gebäude aus jüngster Zeit. Den gegenüberliegenden Bereich charakterisieren von Grünanlagen und Parkflächen eingefaßte Pavillionbauten. Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz der Schauseite und der Rückfassade, des Eingangsbereiches und Treppenhauses sowie der Interieurs ist das Objekt Hittorfstraße 7 für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Architektur im Ortsbereich Riehl ein unbedingt erhaltenswertes Dokument der Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0