Villa

Kinkelstraße 14 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7914
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Kinkelstraße 14, 50935 Köln
Baujahr1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.07.1996
Stadtteil Lindenthal

Erbaut 1905; Architekt: W. Kurth (inschr. bez.); giebelständiger Bau mit steilem Satteldach auf bewegtem Grundriß; Putzfassaden mit backsteinsichtigem Kellersockel in Kombination von Jugend- (Asymmetrien, Fensteraufteilung) und Heimatstil (Dachformen, Fachwerkapplikationen).

Straßenfront: 2 Geschosse, ausgebautes Satteldach (Giebelfeld mit Fachwerkapplikationen; im Spitzbodenbereich über ein Pultdach zurückgestuft), Souterrain; 2 Achsen, rechts zweifach vorgestuft (im EG als Standerker mit separatem Pultdach); Keller- und EG-Fenster (Kellerfenster mit Vergitterungen) mit Beschlägen original (Sprossen im straßenseitigen Erkerfenster entfernt); Fenster im OG links erneuert, rechts original; Giebelfenster (mit Beschlägen; Sprossen des rechten großen Fensters entfernt) und Spitzbodenfenster original.

Seitenfront: Streuselputz (erneuert ?); Hauptgestaltungsmerkmale sind die durch die verspringende Firsthöhe und den vorspringenden Treppenhaustrakt (mit überdachter originaler Terrazzotreppe, originaler Eingangstür mit vier geschliffenen Scheiben und originalen Holzbriefkästen) entstehenden Asymmetrien; Kellerfenster (mit Vergitterungen und Beschlägen) und Kellerzugangstür (mit Metallgeländer) original; Treppenhausfenster (EG mit Sprossen und Schlagläden, OG Sprossenfenster); Fensteröffnungen im rückwärtigen Teil verlegt (ehemalige WC-Fenster auf den Zwischenpodesten geschlossen); Dachgaube straßenseitig um drei Fenster erweitert, Verkleidung erneuert.

Rückfront: 2 Achsen; links im EG leicht vorgestufter eingeschossiger Anbau mit Dachterrasse; darüber in der Dachzone Satteldach mit geringerer Firsthöhe als das Hauptdach (Giebelfeld mit Fachwerkapplikationen); rechts neue Wintergärten (EG, OG) und Dachterrasse (DG); Fenster/Fenstertüren erneuert (außer Giebelfenster mit Beschlag, 2 Wohnraumfenster im DG mit Beschlägen); originale Vergitterungen der Kellerfenster.

Innen original: Treppenhaus: Fachwerkapplikation im Eingangswandbereich; rote wabenförmige Bodenfliesen im Treppenhaus EG; hölzerne Treppe; Wohnungen: EG: Parkettböden in den beiden Straßen- und dem großen Gartenzimmer; DG: Dielenböden im Straßenzimmer und der Diele; Keller: 2 Türen mit Rahmen im seitlichen Zugangsbereich.

Veränderungen: Das ursprünglich als Einfamilienhaus genutzte Objekt wurde zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Mehrfamilienhaus umgenutzt, die Geschosse dementsprechend separiert. Hierbei scheint der unterste Treppenlauf (vom Hochparterre ins OG), der ursprünglich innerhalb der Hochparterrewohnung lag, nach aussen in den Bereich des seitlichen Vorbaus/Treppenhauses verlegt worden zu sein, was eine rückwärtige Erweiterung des Treppenhauses - am Außenbau deutlich ablesbar - notwendig machte. In der Substanz scheint der alte Treppenlauf dabei erhalten geblieben und wiederverwendet worden zu sein.

Durch diese Verlegung wurde die Separierung des OG ermöglicht, das durch eine zusätzlich errichtete Wand vom Treppenraum abgeteilt wurde. Diese Wand ist nachweislich nicht aus der Erbauungszeit, da sie auf dem durchgehenden Dielenboden steht, der ehemals zum offenen Treppenraum gehörte.

Aus der o.g. Umnutzung ergab sich u.a. auch eine Verlegung der WCs aus dem Treppenhaus in das Innere der Wohnungen (am Außenbau seitlich an der Veränderung der Fensteröffnungen erkennbar).

Grundrißveränderungen: Keller: Abtrennung eines Büroraumes gartenseitig; Lage der Kellertreppe (erneuert) verändert; Hochparterre: in der Diele, dem Wintergarten und am Wohnzimmr und Küchenzugang; nachträglicher Badezimmereinbau; OG: Bad, Treppenhaus, Dachterrasse; Spitzboden: nachträglich ausgebaut; Treppe erneuert.

Weitere Veränderungen: neue Dielenböden und Türen im OG; Zimmertüren im DG z.T. verändert; zweiläufige Gartentreppe erneuert.

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten und der rückwärtige Garten. Nicht Bestandteil des Denkmals ist die nachträglich errichtete Garage.

Der schon 1888 eingemeindete Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem dörflichen Ursprung jedoch bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebiets, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Thelen und Fühling zu verdanken, die in den 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen. So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Villenbebauung ein, die ihren ersten Höhepunkt kurz nach der Jahrhundertwende hatte.

Der Stadtwald - heute Inbegriff der Grünen Lunge Kölns - wurde 1895 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek als erster Kölner Großpark angelegt. Der älteste Teil des Stadtwalds war der Park der alten Kitschburg, am Beginn des Stadtwaldgürtels/Ecke Dürener Straße, also in unmittelbare Nähe des o.g. Objektes gelegen. Bis 1898 wurde der Stadtwald angelegt und bis 1910 sukzessive erweitert und umgestaltet.

Da der Vorort Lindenthal durch seine Lage in der Einflugschneise der Bomber im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört worden ist, gehört das Gebäude Kinkelstraße 14 zu den wenigen erhaltenen Villenbauten die die frühen Erschließungsphase Lindenthals zu einem vornehmen Wohngebiet Kölns in unmittelbarer Stadtwaldnähe dokumentieren.

Trotz der oben dokumentierten Veränderungen an dem Gebäude ist sein ursprünglicher Charakter als eine repräsentative Gründerzeitvilla erhalten geblieben. Der Architekt Wilhelm Kurth errichtete als "Mitglied der Vereinigung Kölner Architekten" außer dem o.g. Objekt u.a. auch die Bauten Kitschburger Straße 1 und 7. In der Nr. 1 wohnte er selbst seit dem 1. Juli 1904. Bekannt war zudem das von ihm entworfene Wohn- und Geschäftshaus Carl Schirp am Neumarkt (erbaut 1912, heute nicht mehr vorhanden).

Ebenso wie das Wohnhaus des Architekten an der Kitschburger Straße wird das o.g. Objekt durch eine hochaufragende Giebelfront mit Fachwerapplikationen, bewegte Umrißlinien und den Kontrast der Materialien Backstein, Putz und Fachwerk charakterisiert. Das Fachwerk, die wahrscheinlich einst vorhandenen Schlagläden und die teilweise noch vorhandenen Sprossenfenster unterstreichen die Bestimmung des Gebäudes als landhausartige Villa angelsächsischer Provenienz und lassen es stilistisch der damals aufkommenden Heimatschutzbewegung zuordnen.

Als integraler Bestandteil der Ursprungsbebauung Lindenthals ist das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument und unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0