Wohnhaus

Schallstraße 45 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7918
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schallstraße 45, 50931 Köln
Baujahrum 1895 bis 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.07.1996
Stadtteil Lindenthal

Erbaut um 1895/1900; Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Satteldach (eine originale Gaube links); 4 Achsen (Eingang Mitte rechts); Putzfassade mit Stuckgliederung im Stil der NeoRenaissance (aufgeputzte Quaderstruktur im EG; profilierte Fensterrahmungen und -verdachungen im 1.OG); profilierte Gesimse; Mittenbetonung durch Zwerchhaus mit seitlichen Voluten; Eingangstür erneuert; Fenster mit Beschlägen original (Sprossierung in den Obergeschossen entfernt); originale Holzrolläden mit Verkleidungen.

Rückfront: 3 Achsen (Treppenhaus mit WCs mittig vorgestuft); komplett neu verputzt (vermutlich in den 50er Jahren infolge eines Kriegsschadens); Hoftür original; Fenster erneuert (großflächige Holzfenster mit Oberlicht); 2 vermutlich erneuerte Gauben.

Innen original: Treppenhaus: hölzerne Treppenanlage (Stufen bereits aufgearbeitet, neue Beläge): Antrittspfosten (durch Wurmfraß beschädigt), gedrehte Geländerstäbe, Zwischenpfosten, Handlauf (vermutlich erneuert); Kellerwange und -tür; WC-Türen im EG/1./2.OG (mit Beschlägen im 1./2.OG); alle Türrahmen der Abschlußtüren im 1.OG, 3 Türrahmen der Abschlußtüren im 2.OG; Wohnungen: Grundrisse; Decken abgehängt (kein Stuck mehr vorhanden); Keller: preußische Kappen (Betonguß).

Der schon 1888 eingemeindete Kölner Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem dörflichen Ursprung jedoch bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in den 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen. So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Bebauung ein, die ihren ersten Höhepunkt um die Jahrhundertwende hatte.

Die Bebauung Lindenthals orientierte sich hierbei sowohl in der stadtplanerischen Gestaltung, als auch in Bezug auf die architektonische Ausformung der neu errichteten Bauten deutlich an der Entwicklung der Kölner Neustadt. So gehört auch die Schallstraße, die die Dürener mit der Bachemer und Gleueler Straße verbindet, in eine Bebauungsphase, in der die epochale Neustadtplanung in den etwas weiter auswärts gelegenen Stadtteilen fortgesetzt wird. Unterstützend für diese Entwicklung war die Anlage des Stadtwaldes, der - heute Inbegriff der Grünen Lunge Kölns - 1895-98 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek als erster Kölner Großpark angelegt wurde.

Das o.g. Objekt dokumentiert als integraler Bestandteil der Erstbebauung Lindenthals den hier um die Jahrhundertwende parallel zur Bebauung mit großen Villen einsetzenden allgemeinen Trend, Wohnhäuser straßenzugsweise zu errichten. Im Verlauf der Schallstraße gehört das o.g. Gebäude zu den wenigen Bauten, die die verheerenden Kriegszerstörungen - Lindenthal lag in der Einflugschneise der Bomber - relativ unversehrt überstanden haben und noch eine Vorstellung der ursprünglichen Bebauung vermitteln können.

Die Fassade zeigt einen strengen axialen Aufbau, durch Geschoß- und Sohlbankgesimse klar gegliederte Geschoßeinteilungen und eine bis auf den Hauseingang symmetrische Ordnung. Die lasttragende Eigenschaft des Erdgeschosses charakterisiert eine deutlich profilierte Quaderstruktur. Als "bel etage" wird das 1.OG durch profilierte Fensterrahmungen auf konsolgestützter Sohlbank und unterschiedlich gestaltete Fensterverdachungen mit Giebelbekrönungen hervorgehoben. Diese hierarchische Gliederung der Fassade geht auf die Architektur neuzeitlicher Stadtpaläste zurück, deren hoher repräsentativer Anspruch auf das gründerzeitliche Bauen übertragen wird. Als besonderes straßenbildwirksames Gliederungselement sei noch auf den Volutengiebel verwiesen, der die ästhetischen Einheit der Fassade wirkungsvoll abrundet und den Stellenwert des Hauses als unverzichtbares bauliches Dokument, das die Geschichte Lindenthals überhaupt erst erlebbar macht, unterstreicht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0