Wohnhaus
Spichernstraße 65 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7921 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Spichernstraße 65, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.07.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Satteldach, 4 Achsen, Stuckfassade in historistischen Formen, gotisierende Fassadendetails, links Erker auf trapezförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, Ziergiebel in Fortführung der Erkerachse (im oberen Bereich verändert), in der rechten Achse Türbalkone auf Konsolen, originale Brüstungsgitter in geschmiedetem Stahl, Eingang links mit Rundbogenabschluß, Rundoberlicht mit Vierpaßmaßwerk, Haustür mit Oberlicht erneuert (Holz), im Vierpaßoberlicht Fenster erneuert, separater Eingang zum Souterrain, Tür in Holz mit Seitenlicht erneuert, Souterrainfenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, in Hochparterre und 3. Obergeschoß Fenster mit Rundbogenabschluß, im 1. und 2. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, Erkerfenster im 1. Obergeschoß mit spitzbogigen Fenstern, z.T. zu Gruppe zusammengefaßt, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Mahagoni, Mittelteilung, Oberlichte, Profilierung).
Rückseite: Backstein Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, Rücksprung, Seitenflügel flach gedeckt (Dachterrasse), Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert (Kunststoff), alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, z.T. Oberlichte durch Kunststoff verblendet).
Im Inneren: Vestibül: Fliesenboden schwarz/weiß, 12-stufige Marmortreppe (z.T. beschädigt), Marmorsockel, Handlauf in Holz rechts in der Wand verankert, reicher Wandstuck, kassetiert mit Rocailledekoration, Horizontalfries mit Stuckrelief beidseitig (Kinderzug), Gewölbedecke in Stuck, Stuckspiegel, stuckierter Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus: im Souterrain Reste von Bodenfliesen rot/weiß, im Erdgeschoß Bodenfliesen schwarz/weiß, Treppe (bis in das Souterrain) in Eiche, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Eiche, Podeste mit Parkettboden, im Dachgeschoß Holzdielenboden, Deckenstuck an den Podesten, alle Wohnungseingangstüren in Holz erneuert.
In den Wohnungen: Holzdielen- und Parkettböden unter Belag, Türen und Gewände, kassetiert z.T. original, Stuckdecken in allen Räumen, ausnahmslos hinter abgehängten Decken, vom Dachgeschoß zum Spitzboden Durchbruch mit gewendelter Treppe.
Die im rückwärtigen Hof nach Nordwesten anstehende Einfriedungsmauer ist Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Spichernstraße, die im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung), liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Werder- und Kamekestraße im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Venloer- und Gladbacher- bzw. Erftstraße, westlich des Stadtgartens und der Begrenzung durch die Bahnlinie mit anschließendem Grüngürtel und südöstlich des Neubaugebietes Mediapark. Das bürgerliche Mietwohngebäude Spichernstraße 65 ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit vorwiegend viergeschossigen Häusern mit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern (Nrn. 57-65) der Zeit des Historismus und des Jugendstils. Das Gebäude im Kreuzungsbereich zur Gladbacher Straße ist ein markantes Beispiel für die hochwertige Gestaltung der Fassaden in Stuckarchitektur dieses Wohnviertels und korrespondiert mit den sehr aufwendig in Werkstein gestalteten benachbarten Eckgebäuden Spichern-/Ekke Goebenstraße (Nrn. 9 und 16, 34a) mit auffallenden Erkern und Giebeln. Das in Nähe zum Stadtgarten gelegene Gebäude ist prägend für den gehobenen Standard des mit den Ringanlagen über die Goeben- und Gladbacher Straße verbundenen Wohnviertels. Das durch einen breiten Seitenerker hervorgehobene Gebäude gewinnt eine besonders markante Wirkung durch die annähernd einheitliche Gestaltung mit den Nachbargebäuden Nrn. 61 und 63. Die Baukörper erfahren darüber hinaus durch die gleichmäßige Gliederung der Stuckfassaden mittels Erkerachsen und Stockwerkgesimse eine plastische Struktur, die das Erscheinungsbild des Kreuzungsbereichs maßgeblich prägt (Schmuckformen: Souterrain: Bossenquaderimitation, Horizontalfugenschnitt in den Obergeschossen, dekoratives Vierpaßoberlicht, Erker mit Knaufkonsolen, Brüstungsbereich mit Maßwerkdekoration und Wappenschilden, im 1. Obergeschoß Gruppe von Spitzbogenfenstern, von Rundstäben gefaßt, in der rechten Achse Türbalkone auf Konsolen, geschmiedete Stahlbrüstungen, Ziergiebel mit Fialdekoration, Maßwerkfries leitet über zum profilierten Traufgesims, Ziergiebelabschluß verändert). Der Dekorationsaufwand an der Schauseite und der sehr wertvoll ausgestattete Eingangs- und Treppenhausbereich wenden sich an ein auf Repräsentation und Außenwirkung bedachtes wohlhabendes Bürgertum. Trotz teilweiser Veränderung in den Innenräumen ist das Gebäude ein wichtiges Dokument der historischen Bebauung. Städtebauliche Gründe und die baukünstlerisch qualitätvolle architektonische Gestaltung begründen den Denkmalwert. Strenge Axialität und die horizontale Breitenlagerung der Fassade sowie die aufwendige Materialausführung im Treppenhaus und besonders im Eingangsbereich sind charakteristisch für die großstädtisch geprägte Architektur der Kölner Neustadt. Das Gebäude Spichernstraße 65 stellt ein markantes Beispiel für die Architektur zur Zeit der Jahrhundertwende dar. Das Bauwerk ist sowohl aufgrund seiner städtebaulichen Bedeutung und der hochwertigen Gestaltung als Dokument der Architektur und als bedeutendes Denkmal der Baukunst im nördlichen Neustadtgebiet unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0