Wohnhaus

Lohsestraße 48 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7972
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lohsestraße 48, 50733 Köln
Baujahrum 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1880, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, flaches Satteldach, 3 Achsen, Backsteinfassade, gelb in Formen des Historismus, Gliederungen in rotem Backstein, Sockel verputzt, scharriert, Eingang linke Achse mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür original, sprossengeteiltes Oberlicht, Buntglas-Bleiverglasung, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert, (Kunststoff, Oberlicht, Mittelteilung, Segmentbogen geschlossen).

Rückseite: verputzt (Anbau 2. Obergeschoß verkleidet), Vorderhaus einachsig, Anbau ehemals zweiachsig (ein Fenster im Obergeschoß zugemauert), Anbau Stirnseite einachsig, Hoftür erneuert (Kunststoff), Fenster des Vorderhauses mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster des Anbaus mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster, Segmentbogen geschlossen).

Im Inneren original erhalten: Vestibul: Deckenstuckprofile, Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, stuckiert, Treppenhaus: Erdgeschoß: zweifarbiger Fliesenboden schwarz/weiß, Holztreppe, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste und Zwischenpodeste mit Holzdielenboden (z.T. erneuert), Podestunterseite in Holz, kassetiert, nachträglicher Einbau einer Treppe zur Dachterrasse (Anbau), Metallkonstruktion, Stufen in Holz.

In den Wohnungen: Holzdielenböden (Obergeschoß hintere Räume, 2. Obergeschoß vordere Räume), im 1. Obergeschoß eine originale Tür mit Oberlicht, alle übrigen Türen und Gewände erneuert.

Das unterkellerte Vorderhaus mit kappengewölbter Decke.

Der rückwärtige Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein, in Teilen verputzt, ist Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung "Sechzig" für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck damals erworbene Gelände von 60 Morgen Größe hin. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereichs mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung vollzog sich auch die Bebauung der Lohsestraße. Angelegt um 1880, verbindet sie - wie die parallele Holbeinstraße - das SechzigViertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Auguststraße bis heute geprägt durch schlichte Dreifensterhäuser rheinischer Prägung aus der Zeit der Erstbebauung der 1880er und 1890er Jahren. Erhalten sind beidseitig stehende größere geschlossene Hausgruppen, die durch Zwei- bis Dreigeschossigkeit und dreiachsige Fassaden in einfacher, teils backsteinsichtiger Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die rechte Straßenseite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifensterhäuser (Nrn. 49-65) hat das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt. Das im Kreuzungsbereich zur Auguststraße gelegene Haus Nr. 48 ist Bestandteil eines Ensembles nahezu ähnlich gestalteter, bescheiden dimensionierter Wohngebäude. Das zweigeschossige Gebäude mit rückwärtigem Anbau gehört in die Reihe der für die Kölner industriell geprägten Außenbezirke charakteristischen kleinbürgerlichen, bescheidenen Wohnkomfort bietenden Gebäude mit teilweiser gewerblicher Nutzung in den Erdgeschossen auf rechteckiger Grundfläche.

Die schlichte Backsteinfassade, deren Besonderheit in der Pilasterstellung der Brüstungsbereiche liegt, zeigt dem benachbart anstehenden Gebäude Nr. 50 teilweise identische Formen. Sie gewinnt ihre Wirkung aus der strengen Fensteraxialität (Schmuckformen: verputzter Sockel, reich profiliertes Stockwerkgesims ("Deutsches Band"), Brüstungsnischen mit eingestellten Pilastern, durchgehende Sohlbank, Fries ("Deutsches Band") leitet über zum reich profilierten Traufgesims). Aufgrund der originalen Erhaltung der Schauseite, Teilen des Eingangsbereichs und Treppenhauses und mit Einschränkung der Interieurs ist das Gebäude Lohsestraße 48 sowohl in orts- wie bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang ein unverzichtbares Dokument der älteren städtisch geprägten gründerzeitlichen Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0