Wohnhaus

Keupstraße 74 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8007
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Keupstraße 74, 51063 Köln
Baujahr1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.11.1996
Stadtteil Mülheim

Erbaut um 1903, viergeschossiges Vorderhaus mit hofseitigem Flügelbau (neues Flachdach von 1951).

Straßenfassade: verputzt mit Lagerfugen im EG und 1. OG, dreiachsig, rechte Achse in den Obergeschossen leicht vorspringend mit breiteren Fenstern und aufwendigerer Putzgestaltung (alle Türen und Fenster modern); im EG seitlicher Haustürbereich mit stuckierter, geschweifter Türbekrönung (unterer Bereich modern verklinkert), 20er Jahre-Ladenfront mit neuer Tür, darüber Stuck-Rahmung für Ladenschild; 1.OG mit Sohlbank- und Stockgesims sowie Bogenquaderung über den Fenstern, oberhalb eines weiteren Solhbankgesims werden die Fenster des 2. und 3. OG jeweils durch Putzrahmen mit Stukkaturen zusammengefaßt, profiliertes Traufgesims.

Seitenfront: roter Backstein mit einzelnen gelben Backsteinen an den Fenstergewänden, gelbes Backsteinband über dem EG (Fenster und Türen neu).

Rückfront: ohne Fenster (modern verputzt).

Innen original: im Keller Backsteinwände, Zementestrichboden und Betondecke, Lattenwände; im EG Ladeneinbau und seitlicher Hausflur (erschließt Haus Nr. 74 und 76), im Flur 2 Türen mit Füllungen und Terrazzoboden mit Ornamenten, dieser Boden auch auf den Treppenabsätzen (teilweise beschädigt), Treppe mit Metallgeländer und hölzernem Handlauf; im 2.OG die Türblende der straßenseitigen Wohnungstür und im 3. OG ein Teil des Steinholzbodens zur straßenseitigen Wohnung erhalten; im Dachgeschoß Tür zur Wohnung im Flügelbau.

Hofbereich: seitlicher Bereich gepflastert, im rückwärtigen Teil Rasen.

Nicht Teil des Denkmals ist ein rückwärtiger, eingeschossiger Baukörper.

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jh. aus einer gewerblichen Ansiedlung zu einer Industriestadt (Waggonfabrik Zypen & Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes entlang der Ausfallstraßen und in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

Das o. g. Haus steht in der Tradition des Drei-Fenster-Hauses mit L-förmigem Grundriß, das für den Kölner Raum im 19. Jahrhunderts charakteristisch war. Durch die Betonung der rechten Fassadenachse, die auch nach Abriß des Giebels noch wirksam ist, und durch die reiche Putzgestaltung und die Viergeschossigkeit wird das veraltete Drei-Fenster-Schema zu einer großstädtischen Architektur weiterentwickelt. Städtebaulich reiht sich das o. g. Haus in die abwechslungsreiche Erscheinung der Keupstraße ein. Mit den Häusern 76 und 84 (und den 50er Jahre Bauten 78 bis 82) bildet das o. g. Haus ein Ensemble viergeschossiger Bauten, das aus der ansonsten vorherrschenden 2 1/2 bis 3 geschossigen Bauweise an der Keupstraße prägnant heraussticht. Es zeigt die um die Jahrhundertwende einsetzende Verdichtung auch in Randzone Mülheims und ist damit ein Spiegel der Großstadtentwicklung. Einen selbstständigen Akzent setzt die gut erhaltene Ladenfront der 30er Jahre, die das ursprüngliche Ladenlokal ersetzt. Aus den oben genannten Gründen ist die Erhaltung des Hauses samt des jüngeren Ladenumbaus unbedingt notwendig.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0