Wohnhaus

Keupstraße 76 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8008
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Keupstraße 76, 51063 Köln
Baujahr1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.11.1996
Stadtteil Mülheim

Erbaut 1903 (inschriftlich datiert), viergeschossiges Vorderhaus mit ausgebautem Mansarddach und hofseitigem Flügelbau.

Straßenfassade: verputzt mit reichen Jugendstil-Ornamenten, vierachsig, linke Achse erkerartig vorspringend mit breiteren Fenstern und Dacherker, die übrigen drei Fensterachsen zusammengefaßt durch Rauhputzfläche (z. T. leicht vorspringend) mit geschwungener Umrißlinie, seitlichen Fruchtgehängen und eingerollten Stuckbändern;

EG-Öffnungen mit Korbbögen, 2 große Schaufenster mit mittiger Ladentür, breites, horizontales Stuckband in Kämpferhöhe, darüber florale Stuckornamente; seitliche Hofeinfahrt mit beidseitigen Kopfkonsolen in Kämpferhöhe, darüber Erker mit floral gerahmter Bauinschrift;

1. OG mit rechteckigen Fensteröffnungen, gerieftes, unteres Stuckband zwischen und seitlich den 3 rechten Fenstern, diese mit gerieften Fenstergewänden, oberes, gerieftes Stuckband auch auf dem Erker, Sturz mit Stuck-Schmuckband, am Erker reicher gestaltet;

2. OG mit segmentbogigen Fenstern, Gewände profiliert (Kehle-Wulst mit Blumenornament im Kämpferbereich);

3. OG mit rechteckigen Fenstern, vorhangartige Stuckrahmung, beim mittleren der drei rechten Fenster bis zur Sohlbank hinabreichend, Erkerfenster mit aufwendig gestalteter Sohlbank, reich profiliertes Traufgesims; Dacherker mit abgekanteten Ecken, Rauhputzfläche und rundbogigem Fenster, oberhalb und seitlich des Fensterbogens florale Stuckornamente, profiliertes Traufgesims, über der Fensterbekrönung bogenförmig.

Veränderungen: alle Tür- und Fensterverschlüsse neu, EG bis Kämpferhöhe modern verklinkert, ehemalige Balkone vor den mittleren der 3 rechten Fenster im 2. und 3. OG entfernt und Balkontüren zu Fenstern zugesetzt, Dach neu eingedeckt, 3 Dachhäuschen durch 2 moderne ersetzt und der ursprüngliche Zwiebelhelm über Dacherker fehlt.

Hoffassade des Vorderhauses: viergeschossig, roter Backstein, in den Obergeschossen jeweils drei segmentbogige Fenster und 1 Schlitzfenster (Fenster neu).

Flügelbau: in halber Grundstücksbreite, viergeschossig, der halb so breite Verbindungstrakt zum Vorderhaus fünfgeschossig;

Seitenfront des Flügelbaus: roter Backstein, segmentbogige Fensteröffnungen und Schlitzfenster zum Treppenhaus (Fenster- und Türverschlüsse modern, Badezimmerfenster und Lüftungsschlitze neu eingebrochen);

Rückfront des Flügelbaus: neu verputzte, geschlossene Wand ohne Fenster.

Innen original: Keller unter Vorderhaus und Flügelbau, Backsteinwände und Betonkappendecke, z. T. noch Backsteinboden, Lattenwände; im EG Ladenlokal und seitliche Hofeinfahrt, Einfahrt mit Fliesen bis zur halben Wandhöhe, Wandabschlußleiste und Stuckaturen in den beiden Deckenfeldern; Treppe mit Terazzoboden und Holzgeländer, verzierter Antrittspfosten, Treppenhaus (heute vom Flur des Nachbarhauses Nr. 74 erschlossen), straßenseitige Wohnungen in Obergeschossen mit altem Grundriß (z. T abgehängte Decken); erhalten blieben Toilettentür im 1. OG, von der hofseitigen Wohnungstür im 2. OG die Türblende und im 3. OG Blende und Türblatt erhalten, im Dachgeschoß weitere originale Türen.

Der eingeschossige Anbau (im Winkel zwischen Vorderhaus und Flügelbau) und der rückwärtig Anbau mit Garage sind nicht Teil des Denkmals.

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jh. aus einer gewerblichen Ansiedlung zu einer Industriestadt (Waggonfabrik Zypen & Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes entlang der Ausfallstraßen und in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

Das o. g. Haus hebt sich durch die aufwendig gestaltete Straßenfassade von den benachbarten, ebenfalls viergeschossigen Bauten ab. Trotz des Verlustes der beiden Balkone und des Zwiebelhelms über dem Erker hat sich hier eine ausgewogene Fassade erhalten: Dem Vertikalzug des seitlichen Erkers, der nach oben kleiner werdenden Fenster und der sich verengenden Rauhputzfläche steht das breitgelagerte EG, das durchlaufende Stuckband des 1. OG und die ausschweifende Begrenzung der Rauhputzfläche gegenüber. Hinzuweisen ist auch auf den Wechsel zwischen glatter und rauher Putzfläche und die bis ins Detail qualitätvolle Gestaltung der Stuckornamente. Diese individuelle Fassadengestaltung, dem zurückhaltenden Jugendstil verpflichtet, ist ohne Parallele in Köln. Städtebaulich reiht sich das o. g. Haus in die abwechslungsreiche Erscheinung der Keupstraße ein. Mit den Häusern 74 und 84 (und den 50er Jahre Bauten 78 bis 82) bildet das o. g. Haus ein Ensemble viergeschossiger Bauten, das aus der ansonsten vorherrschenden 2 1/2 bis 3 geschossigen Bauweise an der Keupstraße prägnant herausragt. Es zeigt die um die Jahrhundertwende einsetzende Verdichtung auch in Randzone Mülheims und ist damit ein Spiegel der Großstadtentwicklung. Über die zum Großteil erhaltenen Fassade hinaus weist das Haus noch bis zum DG die ursprüngliche Grundrißdisposition auf. Aus den oben genannten Gründen ist die Erhaltung des Hauses unbedingt notwendig.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0