Wohn- u. Geschäftshaus
Brauweilerstraße 77 · Lövenich
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8026 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Brauweilerstraße 77, 50859 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.12.1996 |
| Stadtteil | Lövenich |
Erbaut um 1905 (erweitert um 1910), als Eckhaus zur Karl-Kaulen-Straße auf annähernd quadratischer Grundfläche mit seitlichem L-förmigen Anbau.
Fassade: 2 Geschosse, im Hauptbau ausgebautes Dachgeschoß, zur Ecke hin abgewalmtes Satteldach, zu jeder Straßenseite eine Gaupe mit holzverblendeter Giebelfläche; Anbau mit Pultdächern; 4:8 Achsen, abgeschrägte Achse mit konsolgetragenem Balkon (Brüstung der 50er Jahre) und Treppengiebel mit Rundbogenabschluß, Rundbogenfenster und aufgelegtes Ochsenaugenmotiv; Putzfassade mit Stuckgliederungen, EG mit Fugenschnitt; Eingänge in den beiden äußeren Achsen mit originalen Holztüren, an der Brauweilerstraße mit Terrazzostufen; hochrechteckige Schaufenster mit sprossierten Oberlichtern, z. T. mit grünem Glas (original), verglaste Ladenauslagebegrenzung zum Ladenlokal (original), Ladeneingang mit Terrazzostufen (Tür erneuert); Putzschilder entlang der gesamten Fassade; OG: Sohlbankgesims, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß und Rolläden, Fenster zur Brauweilerstraße original mit Buntglas-Bleiverglasung, zur Karl-Kaulen-Straße im Anbau original (im Haupthaus erneuert), in Höhe der Fensterkreuze umlaufende, die Fenster nach oben rahmende profilierte Putzleiste mit floralem Motiv in den angedeuteten Schlußsteinen, umlaufende Putzleiste als Stockwerkgesims, im Giebel verkröpftes, im Fensterbereich unterbrochenes profiliertes Dachgesims.
Rückseite: Backsteinfassaden.
Seitenansichten: Giebelseiten verputzt.
Das Objekt ist Eckhaus zur Durchfahrtstraße Brauweilerstraße und zur ehemaligen Dorfstraße Karl-Kaulen-Straße. Als repräsentativstes von insgesamt 7 Eckhäusern entlang der ehemaligen Dorfstraße markiert das o. g. Objekt den Höhepunkt der aufkommenden Vorortarchitektur im Bereich Lövenichs vor dem 1. Weltkrieg.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts löste das Backsteinhaus den seit Jahrhunderten üblichen Fachwerkstil des Wohnhauses der einfachen Dorfbevölkerung ab. Innerhalb des Dorfes Lövenich entstanden vereinzelt in der Regel giebelständige Wohnhäuser, deren traufständige Ställe und Scheunen den landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb dokumentieren. Als gegen Ende des Jahrhunderts in Köln beschäftigte Arbeiter und Handwerker die umliegenden, an die Eisenbahn angeschlossenen Dörfer als Wohnort entdeckten, setzte auch in Lövenich eine rege Bebauung ein.
Unter dem Einfluß der allgemeinen Einführung einer Baufluchtlinie um 1875 entwickelte sich zunächst das traufständige Wohnhaus, später führte die Verteuerung der Grundstückspreise und die Übernahme städtischer Wohnhausarchitektur ab etwa 1900 zu einer Reduzierung der Parzellenbreite zur Hausbreite und zu den Vorgängern der späteren Reihenbebauung. Bis etwa 1900 waren die Wohnhäuser immer eingeschossig und backsteinsichtig mit geringen, immer einfarbigen Gliederungen; Fenster- und Türöffnungen besitzen Stichbögen und das Dachgeschoß wurde nicht ausgebaut. Ein Stall sowie ein Abort mit Pultdächern im Anschluß an das Haus sowie ein Garten zum eigenen Anbau waren üblich. Die 1902 für die ganze Gemeinde Lövenich festgelegten Baufluchtlinien sowie die traufständige Ausrichtung der Häuser erlaubte nun auch die Ausnutzung der bisher unbebauten Eckgrundstücke entlang der Dorfstraße durch die Errichtung meist zweigeschossiger Eckhäuser mit abgeschrägter Ecke und Backstein- oder Putzfassaden, die nun keinen Garten mehr besaßen.
Bis zur Jahrhundertwende war der Eingang in die damalige Dorfstraße (die heutige Einmündung der Karl-Kaulen-Straße in die Brauweilerstraße) unbefestigtes und unbebautes Gelände mit stehendem Wasser. Erst nach Festlegung der Baufluchtlinie im Jahre 1902 wurde die Straße befestigt und in ihrem östlichem Bereich zur Bebauung freigegeben. Hier entstanden zumeist eingeschossige Wohnhäuser mit Backsteinfassaden.
Gleichzeitig wurde der gesamte Kreuzungsbereich von Brauweilerstraße-Dorfstraße-Zaunstraße, wo sich bis dahin auch das Regenwasser sammelnde "Maar" befand, befestigt und begradigt. Ab 1905 entstanden in jenem Kreuzungsbereich drei Eckgebäude mit bislang ortsunüblichen Putzfassaden als Wohn- und Geschäftshäuser (Brauweilerstr. 75, 77, 64) auf relativ quadratischen Grundflächen. Das Haus Brauweilerstr. 77 besaß einen eingeschossigen Anbau zur Karl-Kaulen-Straße hin, der um 1910 vom Kaufmann Husmann aufgestockt wurde, und ein gemeinsames Ladenlokal und eine einheitliche Fassadengestaltung mit dem Eckhaus erhielt. Es entstand ein in seiner Größe dominierendes Kaufhausgebäude. Das seitdem unveränderte, für Lövenich einzigartig repräsentative Erscheinungsbild (mit stuckverzierter Putzfassade, Balkon und Treppengiebel), mit den großdimensionierten ungeteilten historischen Schaufenstern, deren grüner Oberlichtverglasung und den äußerst seltenen Auslagebegrenzungen im Innern sowie den beschriebenen Putzschildern prägt seitdem, auch als Postkartenmotiv und für jeden Durchreisenden ein Blickfang, das Ortsbild Lövenichs an der zur Hauptstraße gewordenen Brauweilerstraße.
Das o. g. Objekt ist sowohl in orts- wie bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang ein unverzichtbares Dokument für die Vorortentwicklung Lövenichs zu Beginn des 20. Jahrhunderts und unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0