Wohnhaus
Oberländer Wall 14 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8067 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Oberländer Wall 14, 50678 Köln |
| Baujahr | 1926 |
| Architekt / Planung | Clemens Klotz, Josef Fieth |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.03.1997 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Erbaut 1926; Architekten: Clemens Klotz und Josef Fieth; Bildhauer: Willy Meller; 5-geschossiges Wohnhaus mit vorkragendem Mansarddach.
Fassade: 6 Achsen (Eingang Mitte rechts); Putzfassade mit Backsteinsockel; Fassadenrhythmisierung durch seitliche, winkelförmig vorkragende Backsteinerker; markante Eingangsgestaltung durch Natursteinrahmung mit zwei Tierplastiken (Löwe links, Schwan rechts) und breitgelagertes Flachdach; originale Fenstervergitterungen im EG; Tordurchfahrt: originales zweiflügliges Tor; Durchfahrt innen backsteinsichtig.
Rückfront: 5-geschossig, gestaffeltes Dachgeschoß; 8 Achsen verputzt; mittiges Treppenhaus mit bis zum Boden reichenden schmalen Zwillingsfenstern (original); originale Hoftür; Fassadenrhythmisierung durch Loggien.
Innen original: Entree: zweifarbiger Bodenbelag; aufwendige Wandgestaltung (spitz zulaufende seitliche Stützen und brüstungshohes Backsteinornament); 4 sonnenblumenförmige Dekkenornamente (Werkstein); Entree und Treppenhaus backsteinsichtig; Treppe mit Solnhofener Platten, Metallgeländer und Holzhandlauf; Wohnungstüren mit Holzrahmen; Wandgliederung zwischen den Treppenhausfenstern in Werkstein; im DG ein Raum mit Balkendecke und Bodenbelag aus belgischem Granit.
Veränderungen: DG erstmals 1932 verändert; durch Kriegsschaden Teilzerstörungen; spätere Grundrißänderung; straßenseitig erneuerte Fenster (Zweischeibenfenster in Holz); hofseitig alle Fenster in Kunststoff erneuert.
Bestandteile des Denkmals sind auch die gemauerte Einfriedung (verändert; ursprünglich höher und gänzlich in Backstein ausgeführt), der Vorgarten, der Basaltbelag vor dem Eingang und der Tordurchfahrt und die rückwärtigen zwei Garagen mit originalen Holztoren.
Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Josef Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen ausgerichtet.
Die Breite dieser Bebauungszone wird in etwa durch das engere, vor der alten Stadtmauer liegende Schußfeld, dem inneren Rayon, bestimmt, der heute in der südlichen Neustadt durch den Oberländer Wall im Bereich des Fort I und des Friedensparks stadträumlich markiert wird.
Der Fluchtlinienplan des Oberländer Walls wurde erst relativ spät - 1911 - festgestellt (im Vergleich dazu: Mainzer Straße 1884, Titusstraße 1888). Die Bebauung wird daher auch nicht mehr durch eine gründerzeitliche Mietshausbebauung, sondern durch zeittypisch gestaltete, mehrteilige Wohnblocks der Architekten Clemens Klotz und Josef Fieth geprägt, die hier um die Mitte der 20er Jahre für die Wohnungsbaugesellschaft Bauring tätig wurden.
Clemens Klotz (31. Mai 1886 - 18. August 1969 in Köln), der ab 1910/11 als Privatarchitekt in Köln arbeitete, ist durch eine Vielzahl öffentlicher und privater Bauten im Köln der 10er und 20er Jahre bekannt geworden, bevor er - und dies ist ein zweiter Schwerpunkt seines Schaffens - eine ganze Reihe von Bauten für die Nationalsozialisten, speziell für die "Deutsche Arbeitsfront" errichtete.
Mit Regierungsbaumeister Josef Fieth, den Klotz 1921 bei der Planung dessen Privathauses in Marienburg kennengelernt hatte, kam es zu einer ausgesprochen intensiven Zusammenarbeit während der 20er Jahre. Fieth und Klotz planten u.a. mehrere Stockwerksmietshäuser für die von Fieth 1925 mitgegründete Wohnungsbaugesellschaft "Bauring", zu denen auch das o.g. Objekt gehört und das das erste Haus der Gesellschaft war, das 1926 am Oberländer Wall entstand und wohin Klotz und Fieth ihr gemeinsames Baubüro verlegten. Gleichzeitig wurde hier die Verwaltung der Wohnungsbaugesellschaft untergebracht.
Die Klotzsche Bauauffassung wurde bei den Häusern für den Bauring, die in einer gediegenen aber teilweise eigenwilligen Gestaltung zum Ausdruck kam, deutlich erkennbar. Besonders klar ließ sich hier eine unabhängigere Entwurfsarbeit und ein größerer finanzieller Spielraum, verglichen mit den sparsamer ausgestatteten Bauten wie z.B. in Ehrenfeld an der Fröbelstraße, konstatieren. Dies zeigte ich in der Fassadengliederung ebenso wie in der Grundrißdisposition und Ausstattung der Wohnungen. Die Fassaden waren in einem Rauhputz-, Ziegel-, Tuffstein- oder Werksteinwechsel gestaltet. Bauplastische Ornamente und Figuren des Bildhauers Willy Meller setzen Akzente und kennzeichnen die aufwendig angelegten Eingänge. Erkerarige Vorbauten rhythmisieren die Fassaden und verhindern so eine Gleichförmigkeit der Blockbebauung. Durch die Anlage von Mansardgiebeldächern wurde auch der Dachraum als Wohnraum nutzbar gemacht. Großzügigkeit, gediegene Eleganz in Verbindung mit einer durch Materialwechsel erreichten Farbigkeit und "moderne", zeitgemäße Details kennzeichnen die Wohnhäuser. Sie wiesen eine reiche, sorgfältig geplante Innenausstattung auf. Die Verwendung von Ziegelsteinverblendungen im Treppenhaus, Marmor- oder Terrazzoböden und -treppen, Eichenholzpaneelen, Parkettböden und schmiedeeiserne Gitter zeigen, daß die Wohnungen gehobenen Komfort aufweisen. Die für Klotz typische Farbigkeit der einzelnen verwendeten Baumaterialien sind auch ein Charaketistikum für die Häuser des Baurings.
Als integralem Bestandteil der Bebauung kommt dem o.g. Objekt als Beispiel einer qualitätvollen Architektur aus dem gestalterischem Formwillen der 20er Jahre eine straßenbildprägende Funktion zu die unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0