Villa

Strundener Straße 57 · Dellbrück

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8110
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Strundener Straße 57, 51069 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 12.06.1997
Stadtteil Dellbrück

Erbaut um 1925 mit expressionistischen Stilanklängen.

Zweigeschossiger traufständiger Backsteinbau mit durchgängigen waagerechten Putzfugen und aufgeputzten Gliederungen mit ziegelgedecktem Zeltdach und Gauben. Hochrechteckige Fenster mit originalen Gliederungen, Beschlägen und Schlagläden. Der große Dachüberstand wird durch aufwendig gestaltete, geschwungene Fallrohre an den vier Gebäudeecken betont. Im Dachgeschoß holzverkleidete Gauben mit Sprossenfenstern und Schlagläden.

Straßenfassade: vierachsig; vor den beiden Mittelachsen auf verputzten Pfeilern aufgeständerter Balkon mit Gitterbrüstung. Originale Fenster und Türen. Im Dach zweiachsige Gaube.

Rechte Seitenansicht (Eingang): drei Achsen, Mittelbetonung durch Eingangsvorbau mit Ziegeldeckung und darüberliegendem rundbogigen, das Abschlußgesims überschneidenden Treppenhausfenster (im unteren Teil mit Glasbausteinen). Haustür original (waagerechte Holzkassetten, davon zwei neu in Glas ersetzt), ebenso die bleiverglasten Fenster, davon eins rund mit heraldischen Darstellungen und latein. Inschrift "DEO ET PATRIAE". Unter dem Windfang rückwärtig Kellerabgang.

Linke Seitenansicht: einachsig, obere Fensteröffnung mit Glasbausteinen zugesetzt; im Dach einachsige Gaube; im Erdgeschoß neuerer Garagenanbau.

Rückansicht: Erdgeschoß vorgezogen mit aufsitzendem Balkon mit geschlossener Brüstung, z.T. mit Glas-/Metall-Windschutz. Rückwärtige Fenster erneuert (ungeteilt) bzw. Fensteröffnungen durch Glasbausteine zugesetzt. Nachträgliche dreiachsige Gaube.

Innen original: Keller mit Betondecke und -treppe. Treppenhaus: Holztreppe (Geländer verändert). Grundrisse in allen Geschossen weitgehend erhalten, Flurabtrennungstüren neu bzw. versetzt. Im Eingangsbereich Bodenfliesen ( Windfang: schwarze Randleiste, rote Achtecke im Mittelfeld, sonst schwarzer Rand, Innenfeld schwarz/weiß). In den Wohnräumen größtenteils Dielenböden, Küche: rote Achteckfliesen. Zimmertüren mit Bakelitgriffen weitgehend erhalten. Dachgeschoß ausgebaut, dabei Balkenwerk sichtbar mit eingehängten Verkleidungen.

Gemauerte Einfriedung mit aufsitzendem Ziergitter und Metallgartentor; zur Straße neu verfliest, Rückseite: Putz. Der Vorgarten und das rückwärtige Grundstück mit Obstbäumen sind Teil des Denkmals. Die Garage ist nicht Bestandteil der Unterschutzstellung.

Der heutige Ortsbereich Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Alt Dellbrück und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort entwickelte sich auch durch den Einfluß der verkehrsmäßigen Anbindung an Köln mit Eisen- und Straßenbahnlinien. Der Bergisch-Gladbacher Straße kam dabei als Ost-West-Verbindung besondere Bedeutung zu. Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 entstanden um diese Zeit viele Wohngebäude von finanziell starken "Stadtflüchtlingen". Diese Entwicklung wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, ging aber ab 1920 nahtlos weiter. Es entstanden mit geschlossenen Villenvierteln (z. B. Thielenbruch) auch viele Einzelbauten, die auf vorhandenen Restgrundstücken entlang wichtiger Verkehrswege wie der Strundener Straße erbaut wurden. Sie spiegeln noch heute die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit und veranschaulichen das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen in städtischer Randlage .

Die Strundener Straße verläuft auf der Flußterrasse nördlich des Strunderbaches, der bei Herrenstrunden am Westrand der Bergischen Höhen entspringt. An seinem ca. 20 Kilometer langen Lauf befanden sich ehemals mindestens 51 Mühlen ( seit dem 14. Jh. belegt), denen auch die Ortschaft Strunden ihre Existenz verdankte. Zu den Mühlen gehörten oftmals Herrenhäuser wie Haus Thurn oder Isenburg - ehemalige Wasserburgen, deren Gräben von dem Bach gespeist wurden. Das um 1925 errichtete Haus Strundener Straße 57 steht in einer umfangreichen Reihe repräsentativer, mit unterschiedlichen Stilelementen gestalteten Villen auf beiden Straßenseiten. Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Haus als Dokument der stadtkölnisch beeinflußten Siedlungsentwicklung Dellbrücks in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts. Diese hat nicht nur den Siedlungsbau entlang der Bergisch Gladbacher Straße und der Dellbrücker Hauptstraße bewirkt, sondern auch zum Bau villenartiger Landhäuser an der Thurner- und Strundener Straße geführt. Das Gebäude, in seiner expressionistischen Formensprache, ist Teil dieser Landhausarchitektur. In der Strundener Straße ist dieser Typus einmalig und somit ein Beispiel für das charakteristische Nebeneinander von ländlich und städtisch beeinflußter Bebauung in dieser Straße.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0