Wohn- u. Geschäftshaus
Venloer Straße 9 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8111 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Venloer Straße 9, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 12.06.1997 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Um 1905 erbaut; 4 Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß (Wiederaufbau mit 3 Gauben); 6 Achsen, Betonung der linken und der 2. Achse von rechts durch dreigeschossigen Erker auf rechteckigem Grundriß; Putzfassade mit Stuckgliederungen, Stilelemente der Gotik an Brüstungsfeldern der Fenster, rechteckige Fensteröffnungen verändert durch Schließung der ehemaligen Fensteroberlichter (neue Zierrosetten), Fenster erneuert; EG verändert (Verkleidung mit schwarzen Glasplatten), mittlere Toröffnung, Tor erneuert; Schaufensteranlagen erneuert.
Rückseite: 4 Geschosse und 2 veränderte Dachgeschosse (Wiederaufbau); gelbe Backsteinfassade (Dachgeschoßbereich verputzt); linke Achse auf polygonalem Grundriß vortretend, veränderte Balkone; stichbogige Fenster- und Türöffnungen, Fenster und Türen erneuert, rechteckige Toröffnung mit originalem zweiflügeligem Holztor (Bleiverglasung erneuert). Der rückwärtige seitliche Anbau (veränderter Wiederaufbau) ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Inneren original erhalten: In der Durchfahrt tonnengewölbte Stuckdecke, Fliesenbelag des Wandsockels; im angrenzenden Treppenhaus Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und hölzernem Handlauf; im linken Ladengeschäft (ursprünglich Metzgerei) unter der Deckenabhängung Fliesenbelag der Decke.
Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Josef Stübben als Stadtbaumeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard. Das sogenannte "Westend" zwischen Gladbacher und Zülpicher Straße entwickelte sich zu einem gut bürgerlichen Wohnviertel mit vornehmen Miethäusern von meist reicher Fassadengestaltung. Die Venloer Straße, bereits vor der Stadterweiterung alte Ausfallstraße nach Westen, wurde zum größten Teil um 1884/85 bebaut.
Das o. g. Gebäude Venloer Str. 9 entstand in der Endphase der gründerzeitlichen Straßenbebauung um 1905. Es ersetzte ein älteres Gebäude an gleicher Stelle. Von Beginn an befand sich im Erdgeschoß, in Hinterhaus und Keller eine Metzgerei. Das Haus Nr. 9 hebt sich gegenüber der älteren gründerzeitlichen Bebauung aus dem 19. Jahrhundert - vertreten durch das Nachbargebäude Nr. 11 - durch eine wesentlich breiter und um ein Geschoß höher angelegte Fassade ab. Die Reihung der sechs Fensterachsen wird durch die Betonung der linken und der zweiten Achse von rechts durch einen Erker optisch aufgebrochen. Dadurch wird die Fassade insgesamt in drei Teile strukturiert. Der Mittelteil mit den zurücktretenden Fensterachsen wird im Erdgeschoß akzentuiert durch die Toreinfahrt zwischen den beiden breit gelagerten seitlichen Ladengeschäften. Durch diese Variation der Achssymmetrien erfährt die gesamte Fassadengestaltung eine Belebung.
Trotz der Veränderungen des ursprünglichen Erscheinungsbildes durch das wiederaufgebaute Dachgeschoß und die in der Höhe eingeschränkten Fensteröffnungen durch Deckenabhängungen im Inneren und trotz der veränderten Läden im Erdgeschoß weist das Gebäude Venloer Str. 9 prägende Merkmale der Bauzeit auf, zu denen insbesondere auch die Stuckgliederungen der Fassade und die Eingangs- und Treppenhausanlage im Inneren gehören. Zeittypisch für den Beginn des 20. Jahrhunderts beschränkt sich der flächige Dekor auf der Gotik entlehnte Formen von Ranken und Maßwerk an den Brüstungsfeldern der Fenster. Als eines der wenigen von der ursprünglichen historischen Bebauung erhaltenen Gebäude - wie etwa Nr. 11, 17 und 19 - ist das o. g. Objekt unbedingt erhaltenswert und unverzichtbar, zumal es auch städtebaulich für den Anfang der Venloer Straße am Friesenplatz von Bedeutung ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0