ehem. Brennerei, Brauerei
Hauptstraße 12 · Widdersdorf
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8120 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | ehem. Brennerei, Brauerei |
| Adresse | Hauptstraße 12, 50859 Köln |
| Baujahr | 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.07.1997 |
| Stadtteil | Widdersdorf |
Erbaut 1904; Firmengelände bestehend aus folgenden backsteinsichtigen Gebäuden: Wohnhaus, Kesselhaus, Gärhalle; Laden, 5 Lagerhallen, Garage und Schornstein, die blockrandartig aneinander gebaut um einen gepflasterten Hof gruppiert sind.
Wohnhaus: Straßen- u. Hoffront: 2-geschossig; Satteldach; traufständig; 7-achsig; Backsteinsockel mit Kellerfenstern; Stockwerks- und Traufgesims aus Backstein; Holzeingangstüren; Straßenfront: Eingangsrahmung aus Werkstein; teilweise originale Holzsprossenfenster mit Oberlicht auf der Hofseite, sonstige Holzfenster erneuert; Klappläden (Straßenfront); Fenstersohlbänke aus Werkstein (Straßenfront), aus Backstein (Hoffront);
Giebelseiten: Dachfenster; nordöstliche Seite: Schornsteinanbau; Teilbereich des Ladengebäudes mit Pultdach angebaut; nordwestliche Seite: vorgebauter Torpfosten
Im Inneren original erhalten: straßenseitiger Eingang: Terrazzoboden mit Bordüren; Obergeschoß: Parkett; kleine Volute; teilweise Tonnengewölbe und Backsteinboden im Keller, im Tiefkeller (Backsteintreppe mit seitlichen Schrägen) vollständig;
Kesselhaus: 4-geschossig; Zeltdach; unter der Traufe Lamellenfensterband; darunter Mauerfläche durch hellrote Backsteinlagen gerahmt; verputzter Sockel; Ecken (Ausnahme: südl. Ecke) durch hellrote Backsteinvorlagen, im oberen Bereich durch: eckwartenartigen Backsteinblenden mit Spiegel akzentuiert; verschieden große Metallsprossenfenster (teils mit Segmentbogen; teilweise zugesetzt); Fensterstürze durch hellroten Backstein hervorgehoben; Backsteinsohlbänke; Mauer im Erdgeschoßbereich teilweise verfugt;
nordöstl. Seite: zweiachsig; nordwestl. Seite: dreiachsig; kleiner Backsteinpodest vor backsteingerahmten, eingenischten Eingang; südwestl. Seite: zweiachsig; im Erdgeschoß: Brücke mit Satteldach und Dachgauben zum gegenüberliegenden Lager, auf der Brücke: alter Kessel; Erbauungsjahr 1904 in Metallzahlen im oberen Gebäudebereich angebracht; südöstl. Seite: zwei Fensterachsen; Treppen- und Aufzugsturm (mit vorgebauten Podest; oberer Teil neu gemauert; Aufzug nach 2. Weltkrieg eingebaut; unterer Bereich verputzt wie die Seiten des Gärraums und des anschließenden Lagers, dies spätere Veränderung) und zweigeschoßhoher Gärraum vor- bzw. angebaut
Im Inneren original erhalten: teilweise ältere, längsrechteckige, gelbe Wandfliesen; zwei Kellergeschosse unter Kesselhaus, Gärhalle u. anschließendem Lagergebäude; Rektifizieranlage und einige wenige Tanks im Keller; eigener Brunnen unter dem Kesselhaus;
Gärhalle: Satteldach; traufständig; Metallsprossenfenster mit Segmentbogen (teilweise zugesetzt); an der Front entlanglaufende Brücke zwischen anschließendem Lager und Aufzugsturm, deshalb erhöhter Eingang
Im Inneren original erhalten: teilweise ältere, längsrechteckige, gelbe Wandfliesen; Metallgalerie (nach Auskunft des Eigentümers: 50er Jahre);
an Gärraum anschließende Lagerhalle: einachsig; Flachdach; Eckwarten mit Spiegel; Metallsprossenfenster; Schiebeholztor;
Im Inneren original erhalten: ältere, längsrechteckige, weiße Wandfliesen;
die vier weiteren Lagerhallen: Flachdach (Ausnahme: Lager neben d. Schornstein hat teilweise Satteldach); Metallsprossenfenster verschiedener Größe; Holzschiebetore; Holz- oder Metalltüren;
Im Inneren original erhalten: teilweise ältere Wandfliesen;
Doppelgarage: Flachdach; zweiflügelige Holztore; auf der Rückseite erhöhte Einfriedungsmauer mit Eckpfosten;
Ladengebäude: zwischen Wohnhaus und einer Lagerhalle; zweigeschossig mit Giebel; Satteldach; um den Schornstein herumgebaut; südl. des Schornsteins: Holztür mit Oberlicht (erneuert), im 1. Obergeschoß: Holzfenster (erneuert); nördl. des Schornsteins: Laden im Erdgeschoß mit Metallsprossenfenster u. Holzeingangstür (erneuert), im Giebelbereich erneuertes Holzfenster;
Die Hofpflasterung sowie die Einfriedung (Hoftor erneuert) sind Bestandteil des Denkmals.
Widdersdorf (1975 zu Köln eingemeindet) war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein von Landwirtschaft geprägtes Dorf. Erst 1904 erhielt der Ort mit der Brauerei Sester (die 1896 in Ehrenfeld gegründete Brauerei Peter Zündorf wurde später in "Sester" umbenannt) einen größeren Gewerbebetrieb. Als die Brauerei 1922 nach Köln verlegt wurde, richteten die Kaufleute Michael Adams und Martin Schönau eine "Landwirtschaftliche Getreide-Brennerei" in den ehemaligen Brauereigebäuden ein und die zum Gelände gehörende Brauereigaststätte wurde zum Wohnhaus umfunktioniert. Als Martin Schönau 1930 aus der Brennerei ausschied, blieb der Betrieb im Besitz der Familie Adams, welche ihn noch heute führt. Von der ursprünglichen Bebauung sind sicher noch das Kesselhaus, die Halle mit den Eckwarten neben der Gärhalle und das heutige Wohnhaus sowie die Einfriedung und Hofpflasterung erhalten. In welchem Maße die übrigen Bauten noch Originalbausubstanz umfassen ist nicht eindeutig zu klären, da beim Wiederaufbau gleiche Materialien verwandt wurden (z.B. wurde das Obergeschoß des Ladengebäudes wieder neu aufgebaut).
Der Brennerei- bzw. ehemalige Brauereischornstein (heute um 5 Meter gekürzt) war lange Zeit der höchste seiner Art in Widdersdorf und wurde schnell zum Wahrzeichen. So war und ist die Brennerei (auch nach Einstellung der Produktion auf dem Betriebsgelände Hauptstr. 12 am Anfang der 1990er Jahre) Motiv zahlreicher Widdersdorfer Ansichtskarten. In Material und Gestaltung (z.B. historisierende Elemente wie die Eckwarten) folgt die Brennerei / ehemals Brauerei der zur damaligen Zeit gängigen Industriearchitektur. Als erster großer Gewerbebetrieb in Widdersdorf, als ortsbildprägender Baukomplex und als wichtiger Vertreter der ländlichen Industriearchitektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die ehemalige Brennerei "Hauptstr. 12" ein unbedingt zu erhaltenes Baudenkmal.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0