Wohn- u. Geschäftshaus

Merlostraße 4 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8121
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Merlostraße 4, 50668 Köln
Baujahrum 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.07.1997
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1906; Lage im Eckbereich zu Reichensperger Platz und Riehler Straße, verwinkelter Grundriß.

Fassade: Souterrain, 4 Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß; 2:2 Achsen und Betonung der stumpfwinkligen Ecke durch mehrachsigen Risalit mit bekrönendem Giebel über asymmetrisch gebrochenem, an den Ecken gerundeten Grundriß; Putzfassade mit Stuckgliederungen in stilistischen Anklängen an Klassizismus und Jugendstil; Sockelgeschoß und Hochparterre mit verschiedenartigem Fugenschnitt, zwei weitere Obergeschosse mit Rauhputz; Fensteröffnungen mit unterschiedlichen Abschlüssen - gerade, korbbogig, rundbogig und geschwungen -; Fenster großenteils erneuert, im Hochparterre und 1. OG im Erker original mit geschwungenen Kämpfern; Hauseingang an äußerster rechter Gebäudekante, Haustür erneuert; Schaufenster und Ladentüren erneuert.

Rückseite: Putzfassade; 6 Achsen, winklig gebrochen, rechte Achse vortretend; Balkone mit originalen Eisengeländern an 2. Achse von rechts; Hofzugang in 2. Achse von links, Hoftür erneuert; Fensteröffnungen mit stichbogigen Abschlüssen, an kleinen Badezimmerfenstern mit geradem Abschluß; Fenster teilweise erneuert, im Hochparterre abgesehen von einem Fenster original, Treppenhaus- und Badezimmerfenster weitgehend original; Hofeinfriedungsmauer mit Lisenen und gefirsteter Deckung (nachträglich verputzt).

Im Inneren original erhalten: Im Entrée mehrfarbig abgesetzter Terrazzoboden - grau/schwarz/sandsteinfarben -; Wandsokkel aus zweifarbigem Marmor - schwarz/weiß -, Wand- und Dekkenstuck; im Treppenhaus Terrazzoboden, Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und hölzernem Handlauf, Stuckprofile an Decken der Treppenabsätze, hölzerne Abschlußleiste des Wandsockels, Kellertür, Wohnungstür im 2. OG mit Oberlicht (Flügel erneuert); in den Wohnungen weitgehend Stuckdecken, alle Zimmertüren mit kassettierten Gewänden, Grundrißstruktur, in der Küche im Hochparterre zweifarbiger Tonfliesenboden - schwarz/weiß -, zweifarbige Keramikwandfliesen - weiß/hellblau.

Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Josef Stübben als Stadtbaumeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard. Im Norden der Neustadt entstand zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel", ein Wohngebiet für Bewohner mittlerer bis gehobener Wohnansprüche. Die Merlostraße wurde als Verbindung zwischen der Riehler Straße und dem Neusser Wall als Alleestraße angelegt. Ihre Bebauung mit repräsentativen Miethäusern mit Vorgärten erfolgte stufenweise zum Teil um 1898, zum größten Teil um 1906 - 12, im nördlichen Abschnitt zum Neusser Wall erst um 1922.

Das o. g. Haus Merlostr. 4 gehört zur Bebauungsphase am Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich im Anfangsabschnitt der Straße zum Teil noch geschlossen darstellt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstand 1907 - 11 unter der Bauleitung von Ahrens nach Plänen von Paul Thömer das Oberlandesgericht, das als markantes Gebäude im Eckbereich zwischen der Merlostraße und der ebenfalls schräg von der Riehler Straße abzweigenden Weißenburgstraße den architektonischen Rahmen und Hintergrund für den Reichensperger Platz mit seiner Grünanlage bildet. Innerhalb dieses städtebaulich bedeutenden Umfeldes besitzt das Haus Merlostr. 4 besondere Stellung, da es entscheidend die Ecksituation am Straßenanfang prägt, wo die Bebauung nur einseitig erfolgte und dadurch eine Öffnung zum Reichensperger Platz bewirkt wurde. Der Risalit an der Ecke des Gebäudes weist eine dem Fluchtlinienverlauf der Fassadenflächen entsprechende asymmetrische Brechung von 2:1 Fensterachsen auf. Durch die Anordnung des Giebels über den beiden zur Merlostraße gerichteten Risalitachsen erfährt das Gebäude eine deutliche Ausrichtung der Schaufront auf dieser Seite.

Mit weiteren Gebäuden der Merlostraße bildet das Haus Nr. 4 ein städtebauliches Ensemble vier- bis fünfgeschossiger Häuser, die den Formen der historistischen Fassadendekoration des ausgehenden 19. Jahrhunderts verhaftet sind und damit ein Gegengewicht zu dem das Erscheinungsbild der Straße wesentlich prägenden Gerichtsgebäude mit seinen prächtigen neobarocken Formen bildet. Stilistisch zeichnet sich die Fassade des Hauses durch eine für die Bauzeit um 1906 typische, aber sparsame und eher zurückhaltende Stuckornamentik aus, deren flach in Erscheinung tretende Gliederungselemente die Struktur des Baukörpers leicht akzentuierend unterstützt. Durch Variation der einzelnen Elemente wird eine Belebung der Fassadengestaltung erzielt, z. B. durch unterschiedliche Fensteröffnungsformen (mit rundbogigen, korbbogigen, rechteckigen oder geschwungenen oberen Abschlüssen) und durch unterschiedliche Oberflächenbehandlung (grob strukturierte Quaderlagen ohne Stoßfugen im Souterrain, glatter Fugenschnitt im Hochparterre, Rauhputz in den oberen Geschossen).

Das o. g. Objekt dokumentiert die ursprüngliche historische Bebauung der nördlichen Kölner Neustadt in städtebaulich herausragender Umgebung. Trotz einiger Einschränkungen hinsichtlich veränderter Fenster und Türen zeichnet es sich durch weitgehende Erhaltung der Originalsubstanz besonders auch der Innenausstattung in Entrée, Treppenhaus und Wohnungen aus und ist als Beispiel für die Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Charakteristikum für die Erstbebauung der Straße unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0