Wirtschafts- u. Saalgebäude
Wichheimer Straße 1 · Buchheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8141 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wirtschafts- u. Saalgebäude |
| Adresse | Wichheimer Straße 1, 51067 Köln |
| Baujahr | 1897 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.01.1998 |
| Stadtteil | Buchheim |
Erbaut 1897; dreigeschossiges, traufständiges Haus mit angedeutetem Mittelrisalit und ausgebautem Dachgeschoß.
Straßenfront: Stuckfassade im Stil des Neoklassizismus, 4 Achsen, links Eingang (Haustür erneuert), mittlere beiden Achsen risaltartig vorspringend und von übergiebeltem Dacherker bekrönt, rechts ehemaliger Kellerzugang vermauert (hier und in den beiden Kellerfenstern Glasbausteine, alle Fenster erneuert), Dachhäuschen zu beiden Seiten des "Risalits".
Rückseite: backsteinsichtige Hoffassade mit stichbogigen Tür- und Fensteröffnungen (Fenster erneuert außer 2 Kellerfenstern), 5 Achsen, rechte beiden Achsen leicht vorspringend, dort Hofzugang und Treppenhaus- bzw. Toilettenfenster, originale zweiflügelige Hoftür (nachträglich verglast) und Steintreppe zum Hof mit originalem Metallgeländer, in mittlerer Achse nachträglich verschiefertes Dachhäuschen, linke beiden Achsen um 1 Geschoß höher.
Innen original: Keller mit stellenweise originalem Backsteinboden, Wände und z. T. Tonnengewölbe aus Backstein, ansonsten Betonkappendecke, offener Kellerabgang mit Holztreppe und Stabgeländer, 3 unterste Stufen aus Stein, 4 Kellertüren; alle Räume im EG und 1. OG einschließlich Flur und Treppenhaus mit Stuck (Wandabschluß- und Deckenleiste sowie Mittelrosette, Decken teilweise abgehängt); EG mit Terrazzoboden im Flur und ansonsten Dielenboden (aufgedoppelt), 3 Zimmertüren (teilweise nachträglich verglast); Treppenhaus mit Holztreppe, Stufen auf Untersicht gearbeitet, hölzernes Stabgeländer und Handlauf sowie runder Antrittspfosten, 3 Toiletten- und 3 Wohnungstüren (im 1. und 2. OG versetzt); Tür und Holztreppe zum Spitzboden.
Der heutige Kölner Stadtteil Buchheim, schon im Mittelalter erwähnt, gehörte im 19. Jahrhundert zum Landkreis Mülheim und wurde mit diesem 1914 nach Köln eingemeindet. Aufgrund der industriellen Entwicklung Mülheims entstanden im benachbarten Buchheim kurz vor der Jahrhundertwende zahlreiche Arbeiterwohnhäuser, von denen ein sehr umfangreiches Ensemble in der Wichheimer Straße auf beiden Straßenseiten erhalten ist.
Der von der Bergisch-Gladbacher Straße abzweigende Beginn der Wichheimer Straße zeigt bis zur Hausnummer 27 bzw. 46 die vorzüglich erhaltene Bebauung der Jahrhundertwende und ist somit ein in seinem Umfang seltenes Zeugnis für die Geschichte der Menschen im rechtsrheinischen Köln. Das Objekt stellt mit seinen Nachbarhäusern (Nr. 3-27) und den gegenüberliegenden Bauten (Nr. 2-4 und 12-20) einen wichtigen städtebaulichen Akzent dar. Es ist ein typisches Beispiel für das städtische Wohnhaus mit historisierender Stuckfassade, wie sie auch beim Nachbarhaus Nr. 3, das vom selben Bauherrn zur gleichen Zeit errichtet wurde, und dem gegenüberliegenden Eckbau Nr 2-4 vorhanden ist. Allerdings ist das Nachbarhaus wesentlich schmaler und die Fassade zurückhaltender, während das o. g. Objekt durch den angedeuteten Mittelrisalit und die anspruchsvolle neoklassizistische Gestaltung der breiten Fassade einen repräsentativen Gesamteindruck erzielt. Entsprechend dem historistischen Geschmack ist die Fassade reich mit Stuck bedeckt, doch zeigt sie insgesamt einen ausgeglichenen, an den klassizistischen Vorbildern orientierten Aufbau. Dem Vertikalzug der 4 Achsen wird durch horizontale Gliederungselemente (Stock-, Sohlbank- und Traufgesimse) entgegengewirkt. Betont wird die Waagerechte auch durch die Putzquader im EG, die nur Lagerfugen aufweisen, durch die Balusterbrüstung und Dreiecksgiebel im 1. OG sowie die geschoßweise Anordnung der Lisenen im 1. und 2. OG und der Pilaster im 2. OG und 1. DG. Vielfältige Architekturzitate finden sich in der Fassade: So erinnern die Stuckaturen in den Seitenachsen des 2. OG (teilweise kannelierte Pilaster mit architravartigem Gesims) an antike Tempelarchitektur, das gequaderte EG entstammt der italienischen Renaissance und der vorspringende Mittelrisalit (mit angedeuteter Kolossalordnung in Form der Ecklisenen) ist ein wichtiges Element barocker Schloßbauten. Alles Elemente, die auch schon im Klassizismus zu Anfang des 19. Jahrhunderts aufgegriffen wurden, hier jedoch gemäß dem historistischen Geschmack additiv verwendet wurden. Zudem werden nun die einst dem herrschaftlichen Bauen vorbehaltenen Formen an ein städtisches Mietshaus übertragen, was dem Wunsch des Bauherrn bzw. der Mieter Ausdruck verleiht, sich von den ansonsten in der Wichheimer Straße vorherrschenden Arbeiterwohnhäusern abzugrenzen. Dementsprechend ist auch die größtenteils erhaltene Innenausstattung (Türen, reiche Deckenstuckaturen) auf bürgerliche Prachtentfaltung ausgerichtet. Das nahe der Hauptstraße, der Bergisch Gladbacher Straße, errichtete Haus diente der gehobenen Mittelschicht als Wohnsitz. Das Haus ist daher neben seiner architekturhistorischen Bedeutung ein wichtiges sozialhistorisches Zeugnis für die Wohnverhältnisse um die Jahrhundertwende.
Aus den o. g. Gründen ist das Haus Wichheimer Str. 46 ein unbedingt zu erhaltendes Baudenkmal.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0