Wohnheim
Dagobertstraße 32 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8148 |
|---|---|
| Typ | Kleindenkmal |
| Bezeichnung | Wohnheim |
| Adresse | Dagobertstraße 32, 50668 Köln |
| Baujahr | 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.09.1997 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut 1905 (inschr. dat. im Eingangsbereich), St. Antoniushaus, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigen Seitenflügeln entlang der Grundstücksgrenzen.
Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Satteldach, z. T. Biberschwanzdeckung, z. T. Dachziegel, die obere Reihe der Gaupen verschiefert, 9 Achsen Backsteinfassade mit Gliederungen in Werkstein und Putz in Formen des Jugendstils, gotisierende Fassadendetails, hoher Ziergiebel in der Mitte mit Dreieckabschluß (nach Kriegsschaden verändert, ehemals mit getreppten Rundbogenabschlüssen) und eigenem Satteldach, im Giebelbereich links konsolgetragener Treppenhauserker auf trapezförmiger Grundfläche (oberer Abschluß verändert, ehemals mit Haube), Sockelzone in Naturstein, verkröpft, profiliertes Sockelgesims. Öffnungen: in Naturstein gefaßter Eingang mit paarweise Rundbogenoberlicht in der Mittelachse, Haustür in Metall erneuert, zweiteilig mit Oberlicht, zwei Nebeneingänge mit korbbogigem oberen Abschluß (der linke Eingang nachträglich eingefügt), Türen in Metall erneuert, Fenster im 1. Obergeschoß mit segementbogigem oberen Abschluß, im 2. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, im 3. Obergeschoß mit Rundbogenabschluß, Fenster im Erdgeschoß z. T. original, Holz, sprossengeteilt, in den Obergeschossen Fenster erneuert (Holz, Sprossenteilung, Mittelteilung, Oberlicht).
Rückseite: Backstein, gestrichen, Vorderhaus siebenachsig, Seitenflügel je dreiachsig, Rücksprung, abgerundete Gebäudekanten, Mansarddächer, Hoftür und Erdgeschoßfenster mit Rundbogenabschluß , Fenster der Obergeschosse mit flach segementbogigem oberen Abschluß, die Erdgeschoßfenster des linken Seitenflügels original erhalten (Holz, Rundbogenoberlicht, sprossengeteilt, alle übrigen Fenster erneuert (Holz, Mittelteilung, Oberlicht), im Rücksprung des rechten Seitenflügels nachträglicher Anbau einer Aufzugsanlage, Sockel gemauert, Obergeschosse kunststoffverkleidet.
Im Inneren: Vestibul: Terrazzoboden mit Bordure original, bis zu halber Höhe Wandfliesen erneuert, Wandgliederung mit Öffnungen und Rundbogennischen, die mit der Gewölbedecke korrespondieren. Haupttreppenhaus: Terrazzotreppe, Geländer mit Metallstäben im unteren Bereich und Handlauf (im oberen Bereich in der Wand verankert) in Mipolam erneuert, z. T. durch nachträgliche Umbauten im Erdgeschoß verändert, alle Etagenzugangstüren erneuert.
Nebentreppenhaus im Seitenflügel: Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, bis zu halber Höhe originale Wandfliesen, gelb, Treppenpodeste mit PVC-Belag, Etagenzugangstüren bis zum 3. Obergeschoß original erhalten, Zweiflügeltüren in Holz, kassetiert, sprossengeteilte Oberlichte.
In den Räumen: zentraler Raum im Erdgeschoß (Kolpingraum): Gewölbedecke, Gurtbögen, Stichkappen, Fensternischen, Buntglas-Bleiverglasung (erneuert), PVC-Boden. In Räumen und Fluren PVC-Böden (ehemals Linoleum), z. T. unter Belag (Teppichboden), Türen und Gewände erneuert, in allen Räumen (außer Dachgeschoß und teilweise linker Seitenflügel) Kappendecken.
Die im rückwärtigen Hof installierte, etwa lebensgroße sandsteinerne Skulptur des Hl. Antonius ist Bestandteil des Denkmals.
Das nachträglich, im Rücksprung zwischen Vorderhaus und Seitenflügel angebaute Aufzuggehäuse ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt im Bereich Konrad-Adenauer-Ufer/Thürmchenswall/Niederich-/Dagobertstraße weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die Dagobertstraße als Ost-West-Verbindung zwischen Turiner Straße und Konrad-Adenauer-Ufer wurde im wesentlichen in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts bebaut. In diesem Bereich entstanden z. T. aufwendige, vier- bis viereinhalbgeschossige herrschaftliche Wohn- und Verwaltungsgebäude an breiten Parzellen mit Erkern, Risaliten und Ziergiebeln, deren Schauseiten z. T. mit Werkstein verkleidet und dekoriert, der Bebauung ihr charakteristisches Gepräge geben. Das Gebäude Dagobertstr. 32 im Kreuzungsbereich zur Domstraße gelegen, wurde 1905 als Kolping-Wohnheim (St. Antoniushaus) gebaut. Das Gebäude nimmt in der Straße eine auffallende, die Nachbarbebauung überragende Stellung ein (die Gebäude Nrn. 34 und 36 erscheinen als viergeschossige Wohnbauten mit purifizierten Fassaden, die Nr. 30 als historistischer Stuckbau). Gestaltungsmittel und Hoheitsformen sind die breitgelagerte neunachsige Fassade, der zentrierte und überhöhte, zweigeschossige Ziergiebel, der zentrale Eingang in der Mittelachse und das aufwendige, aus Werk- und Backstein, sowie Putzflächen bestehende Fassadenmaterial der Schauseite. Der spezifischen Nutzung entsprechend verfügt das Gebäude in den Obergeschossen des Haupthauses und der Seitenflügel über gereihte Wohn- und Schlafräume, die von langen Fluren erschlossen werden, in den Erdgeschossen befinden sich Aufenthalts- und Serviceräume. Dem Charakter der gestifteten, wohltätigen Anstalt, deren Architektur sich von der Umgebung absetzt, entspricht das Gebäude Dagobertstr. 32 mit seiner repräsentativen, aufwendigen Gestaltung (Schmuckformen: gekröpftes Sockelgesims, werksteingefaßtes Portal mit Konsoldekoration, Erd- und 1. Obergeschoß mit Horizontalschichtung Backstein - Werkstein, breites Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbank, im 2. und 3. Obergeschoß Gestaltung als Großordnung, Backsteinlisenen, gemauerte Rundbogenverblendung, Putzflächen, Ziergiebel mit Backsteinbrüstung, Backsteinlisenen mit getreppten Sockeln, ehemals Giebelabschluß durch getreppte Rundbogenstellung in Art der norddeutschen Backsteingotik). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit ihren an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Dekorationen, der backsteinsichtigen Rückfassade und der symmetrisch gestalteten Seitenflügel, sowie der Treppenhäuser und Teilen der Interieurs ist das Gebäude als Zeugnis des Gestaltungsaufwands charitativ-religiöser Anstalten dieser Zeit von hoher Bedeutung.
Das Gebäude Dagobertstr. 32 ist für das Erscheinungsbild des Stadtviertels, als Beispiel für die reiche Architektur der Neustadt und der Stadtkultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Denkmal.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0