Wohnhaus

Jülicher Straße 24 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8152
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Jülicher Straße 24, 50674 Köln
Baujahr1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 01.09.1997
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut 1905, u-förmiger Grundriß, 4 Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß; straßenseitiger Bauteil: Satteldach, traufständig; rückwärtige Seitenflügel: Flachdächer, mansardartig abgeknickt.

Fassade: 4 Achsen, Putz/Stuckfassade mit Stilelementen der Neorenaissance und des Jugendstils, Hauseingang mittig (Tür erneuert). EG und 1. OG mit grobem Fugenschnitt und Rauhputz, darüber Feinputz. In den beiden äußeren Achsen ab dem 1. OG dreigeschossige Erker auf kräftigen Konsolen, im Bereich des DG aufsitzende Balkone und bekrönende Ziergiebel (verändert nach Kriegszerstörungen), die mittleren Achsen jeweils mit kleinen Austritten vor den Fenstern. Sehr großflächige, hochrechteckige Fenster (erneuert, Kunststoff), Fenster- bzw. Austrittbrüstungen mit Jugendstilornamenten hervorgehoben, optische Umklammerung der Fassade durch verkröpftes Geschoßband zwischen EG und 1. OG, sowie auffälligem Traufgesims mit Akanthusfries (verkröpfte Weiterführung über Balkonbrüstung im Krieg zerstört). Breite Gaube im DG.

Rückseite: drei Hofseiten mit je 3 Achsen, gelber Backstein, Sockel verputzt, hochrechteckige Fenster in Segmentbogenöffnungen (erneuert, Kunststoff), an den Seitenflügeln ab 2. OG Kamine vorspringend, Traufgesims mit Deutschem Band, im Dach des Mittelbaus 2 breite Gauben und seitlich je eine Tür auf Dächer der Seitenflügel, an Seitenflügeln je 3 Gauben.

Innen original: im Vestibül Marmorwandverkleidung, stuckierter Korbbogen, oberer Wandabschluß mit Akanthusfries, Hohlkehle (Bodenbelag: erneuerte Fliesen). Terrazzotreppe mit gedrechseltem Holzgeländer und geschwungenem Antrittspfosten, auf Treppenabsätzen schlichter Terrazzo mit Rahmung. Alle Wohnungstüren erneuert, (alle Wohnungsgrundrisse verändert, Wohnung EG links: verkleinerte, erneuerte Zimmertüren, kein Stuck, Decken teilweise abgehangen).

Zum Denkmal gehört auch die verputzte, alte Hofeinfriedung.

Die Kölner Neustadt entstand ab 1881 als große Kölner Stadterweiterung auf dem Gelände der mittelalterlichen Stadtmauer und des davor liegenden ehemaligen Rayon der preußischen Befestigung. Unter der Leitung von Stadtbaumeister Josef Stübben wurde nach dem Vorbild des spätklassizistischen Städtebaus und mit Hilfe der Fluchtlinienplanung ein auf die Ringstraßen ausgerichtetes System neuer Straßen entwickelt. Die Straßen wurden entweder gezielt auf die Ringstraßen ausgerichtet oder durchkreuzten die zwischen den historischen Ausfallstraßen entstehenden Bauflächen als große Diagonalen, wodurch viele Sternplätze und ständig wechselnde Blickperspektiven entstanden.

Der Verlauf der Jülicher Straße wurde erst spät, im Jahre 1898 von der Stadtverordneten Versammlung festgelegt. Obwohl im Viertel zwischen Aachener Straße und Zülpicher Straße gutbürgerliche Wohnhäuser entstanden, wurde besonders dieser Bereich sehr dicht bebaut, um eine möglichst gute Ausnutzung der teuren Grundstücke zu erzielen. Der Bauherr der Häuser Nr. 20, 22, und 24 war ein ehemaliger Mühlenbesitzer aus Efferen, der 1897 in die Stadt gezogen war.

Das oben beschriebene Objekt Jülicher Straße 24 ist ausdrucksvolles Zeugnis für diese bedeutende Phase der Kölner Stadtentwicklung. Die Fassade mit Schmuckformen der Neorenaissance und des Jugendstils zeigt die vielfältigen Gestaltungsmittel der Kölner Baukunst in der Mitte des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts. Die Betonung der beiden unteren Geschosse durch den groben Fugenschnitt, die Variation von Erkern und kleinen Balkonen sowie die reiche Ausstattung des Vestibüls bezeugen die hohe Wohnqualität auch in den kleineren Straßen des Viertels. Die vorspringenden Erker beleben die Reihe der Häuserfronten und korrespondieren mit den Erkern der beiden gegenüberliegenden historistischen Häuser.

Von ganz besonderer städtebaulicher Bedeutung ist darüberhinaus die Lage des Hauses an der großen fünfarmigen Kreuzung der Jülicher Straße mit Moltke-, Roon- und Lützowstraße. Hier zeichnet es trotz seiner kriegsbedingten Beeinträchtigung der Dachzone ein weit sichtbares lebendiges Bild der Kölner Geschichte und gehört daher zu den unverzichtbaren architektonischen Dokumenten dieser Stadt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0