Wohnhaus
Regentenstraße 74 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8252 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Regentenstraße 74, 51063 Köln |
| Baujahr | 1887 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.01.1998 |
| Stadtteil | Mülheim |
Erbaut 1887 (laut nachträglicher Inschrift), viergeschossiges Eckhaus mit abgeschrägter Ecke und niedrigem Mezzaningeschoß; je 3 Fassadenachsen zur Regenten- und zur Keupstraße; Backstein-Stuck-Fassade im Stil der Neogotik.
Straßenfassade: EG verändert; Obergeschosse: abgeschrägte Ecke mit Fugenschnitt, Stuck auf Brüstungsfeldern, Traufgesims und 1.OG-Nische zur Keupstr., Fensterrahmung und Sohlbankgesimse ebenfalls aufstuckiert, Wandflächen backsteinsichtig, zum Teil originale Fenster und im Mezzanin noch originale Fenstergitter; Dach nach Kriegsschaden erneuert.
Rückseite: backsteinsichtig, größtenteils durch jüngeren zweigeschossigen Anbau an der Keupstr. verdeckt, 3 Fensteröffnungen zum Teil zugemauert.
Innen original: Holztreppe mit Stabgeländer und Treppenabsätze mit Dielenboden (Treppenhaus nachträglich holzverkleidet und abgetrennt); Keller mit Holztreppe und preußischer Kappendecke; im EG Teil des Terrazzobodens (ehemalige Bäckerei/ Cafe zu 2 Wohnungen umgebaut); im 1.-3.OG Raumaufteilung, Dielenböden und Türen.
Nicht Bestandteil des Denkmals ist der zweigeschossige Anbau zur Keupstraße, der nach 1927 die eingeschossige Hofbebauung mit Backstube im Keller (um 1910) integriert.
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jh. aus einer gewerblichen Ansiedlung zu einer Industriestadt (Waggonfabrik Zypen & Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des Geländes um die Altstadt führte.
An der Regenten- und Keupstraße wurden Mietshäuser errichtet, meist in Form dreigeschossiger Dreifensterhäuser. Das Haus Regentenstr. 74 weist je Fassadenseite ebenfalls 3 Fensterachsen auf und ähnelt insofern den Nachbarbauten. Dagegen führte die besondere städtebauliche Situation (Eckgrundstück) zu einigen signifikanten Abänderungen des üblichen Schemas: So sind die beiden Fassaden gleichartig gestaltet, das Gebäude weist ein drittes Obergeschoß (als Mezzanin) auf und die Ecke ist wie beim gegenüberliegenden Haus Regentenstr. 85 abgeschrägt. Auch die aufwendigen, gotisierenden Stuckaturen in den Brüstungsfeldern, um die Fenster des 2.OG und im Traufbereich heben das Haus von seinen Nachbarn ab.
Das zusammen mit dem Haus Keupstr. 6 von Ferdinand Steinhaus errichtete Gebäude beherbergte zunächst eine Colonialwarenhandlung und seit Anfang dieses Jahrhunderts die Bäckerei Contzen, deren Backraum anfänglich im Keller des Anbaus und seit den 30er Jahren im EG des zugekauften Nachbarhauses Regentenstr. 72 lag. Die im Besitz der Familie Contzen befindlichen Häuser Regentenstr. 72-74 und Keupstr. 6 wurden zum Teil untereinander verbunden, so daß recht verschachtelte Wohnungen entstanden. Dennoch hat sich auch im Inneren ein Teil der Originalausstattung erhalten.
Trotz der Veränderung des EG und des Dachansatzes ist die Gesamtwirkung des Hauses authentisch und ein wichtiges Zeugnis für die Stadterweiterung Mülheims am Ende des 19. Jahrhunderts.
Aus den oben genannten Gründen ist die Erhaltung des Hauses samt des jüngeren Ladenumbaus unbedingt notwendig.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0