Wohnhaus
Schwerinstraße 8 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8260 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schwerinstraße 8, 50733 Köln |
| Baujahr | 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.01.1998 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet 1904. Traufständiges Vorderhaus mit Hinterhofanbau; 3 Geschosse und Attikageschoß; Mansarddach.
Fassade: 2-achsig; links: Erker vom 1. OG bis zum Dachgeschoß, hier turmartig mit Pyramidendach. Reiche Putzfassade mit Gesimsen und Jugendstil-Stuckverzierungen: im EG Fugenschnitt, florale Motive an konkaver Erkerunterseite; Blumen-Band-Ornamentik in Feldern über Fenstern im 1. OG; den Übergang vom 2. OG zum DG vermittelnd breiter Stuckfries (vegetabile Dekormotive: links Distelblätter, rechts Kastanienblätter) mit 2 Schrifttafeln (Aufschriften "Anno Domini" und "1904"); Dacherker und angegliederte breite Gaupe durch Fachwerk zusammengefaßt. Haustür (rechts) erneuert; gemauerter Türsturz mit giebelartiger Verdachung und stichbogiger Supraporte. Fensterformen: EG und 1. OG segmentbogig, 2. OG gerader Sturz, Ochsenaugen über Erkerseitenfenstern im 1. OG. Originale Fenster, dunkelgrün, mit kleinteiliger Sprossengliederung im Oberlicht; im EG stichbogige Kämpfer.
Rückseite: backsteinsichtig; abgeschrägte Ecke zwischen Vorderhaus und Anbau. Variierende Fensterformen; Fensterrahmen original, segmentbogig. 2 Gaupen. Vorgarten Teil des Denkmals; Eisengitterzaun nicht original. Hinterhofmauer erneuert, Hof asphaltiert.
Im Innern original erhalten: im Vestibül grüne Wandfliesen mit Jugendstilornamentik, in Brusthöhe verziert mit roten Streifen und grüner Abschlußleiste; darüber Putz zwischen transversalen Stuckbögen; rotbraune kurvierte Terrakottabodenfliesen kombiniert mit kleinen schwarzen und weißen Fliesenquadraten. Terrazzotreppe und -podeste. Geländer und Antrittspfosten gedrechselt, hölzerner Handlauf. Keller- und Hoftür original, mit Glasscheiben neueren Datums. Alle Laibungen und Wohnungstüren erneuert, bis auf eine Laibung im EG. Türen in Wohnungen sowie Deckenstuck (Mittelrosetten und Hohlkehlen) zum Teil erhalten.
Das 1888 nach Köln eingemeindete Nippes entwickelte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von einer dörflich geprägten Ortschaft zu einem bedeutenden Industrieort. Das damit verbundene Bevölkerungswachstum und der somit vermehrte Wohnungsbedarf resultierten um 1895 in einem drastischen Anstieg der Bauaktivität, wobei auch erstmals Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch mit mehrgeschossigen Mietshäusern erschlossen wurden. Um das Zentrum Leipziger Platz, eine 1905 von F. Encke entworfene Grünanlage, entstand so ein komplett neues Straßennetz mit vorwiegend 3- bis 4-geschossigen Wohnhäusern, deren repräsentative und abwechselungsreich gestaltete Fassaden der Industrialisierung folgenden Wandel zum bürgerlichen Wohnort verdeutlichen. Gehobene Ansprüche der Bauherren um 1900 spiegeln sich auch in der durchdachten Planung des gesamten Umfeldes des Denkmals wider. Die Schwerinstraße mit ihrer im südlichen Abschnitt noch annähernd geschlossen erhaltenen Erstbebauung zeichnet sich aus durch einheitliche Gestaltung, die durch gleichförmige kleine Vorgärten und erkergegliederte Fassaden gleicher Höhe erreicht wird. Räumlich findet die Schwerinstraße ihren Blickfang in der 1913 errichteten katholischen Pfarrkirche St. Bonifatius, die den letzten Bauabschnitt darstellt. Nr. 8 muß somit als ein unerläßlicher integraler Bestandteil eines wertvollen städtebaulichen Ensembles mit stark sozialgeschichtlicher Bedeutung verstanden werden. Die aufwendige Jugendstilfassade mit mehrgeschossigem, vorspringenden Erker gliedert sich ein in das architektonische Gesamtbild ihrer unmittelbaren und weiteren Umgebung. Zugleich jedoch hebt sie sich durch ungewöhnliche Farbgebung, handwerklich hochwertige Stuckarbeiten und aufwendige Dachaufbauten in Fachwerk von ihrem Umfeld ab. Somit verdeutlicht Haus Nr. 8 das breite gestalterische Spektrum des Jugendstils in diesem Stadtteil, das auch an der sehr unterschiedlichen Ausprägung der Stuckarbeiten an den Fassaden der Schwerinstraße zu erkennen ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0