Wohnhaus
Schwerinstraße 5 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8268 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schwerinstraße 5, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 20.01.1998 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet um 1905. L-förmiger Grundriß, 3 1/2 Geschosse, 3 Achsen, traufständig, Mansarddach.
Fassade: mittlere Achse betont durch Risalit mit bekrönendem Ziergiebel, rechte Achse breiter als die linke; rechts originale, hölzerne Haustür; stark variierende Fensterformate mit Stichbogen, Rundbogen, Korbbogen und geradem Sturz, originale Holzfenster, Oberlichter mit Sprossen (Erkerfenster 1. OG und Dachgeschoßfenster erneuert, Kunststoff, im DG andere Teilungen, keine Sprossen in Oberlichtern); reiche Stuckgliederungen im Stil des floralen Jugendstils, der Ziergiebel mit Pseudofachwerk betont.
Rückseite: backsteinsichtig, alte Kellerlukenverschlüsse erhalten, Fenster erneuert (Kunststoff), breiter, originaler Balkon am 2. OG des Hinterhauses, Balkon des 1. OG abgerissen. Hoffläche ganz unterkellert, alte Einfriedungsmauer aus Backstein erhalten.
Im Inneren original erhalten: im Vestibül sechseckige Bodenfliesen, Wandfliesen: graue Relieffliesen mit Jugendstilornamenten und unterer und oberer grüner Abschlußkante; Stukkrahmen, Bogendurchgang zum Treppenhaus, Terrazzotreppe mit hölzernem Handlauf, gedrechselten Stäben und gedrechseltem, hölzernem Antrittspfosten (Spitze verloren). Alle Wohnungstüren erhalten, die Wohnungstüren der Vorderhauswohnungen als breite Türfront mit Glasfüllungen. Die straßenseitigen Zimmer des Vorderhauses teilweise mit reichem Deckenstuck, Erker durch geraden Sturz vom Raum getrennt, teilweise altes Parkett und Fußleisten, Zimmertüren erhalten, in Wohnung 1. OG Vorderhaus schlichte, weiß-grüne originale Küchenfliesen. In den Wohnungen des Hinterhauses einige Türlaibungen erhalten, Türblätter erneuert, teilweise Türen verkleinert, einige Decken abgehangen.
Zum Denkmal zugehörig ist auch der Vorgarten mit originaler Einfriedung (verputzte Pfeiler mit Eisengitter).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom.
Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein (überall nach Helden oder Schlachtorten der "Befreiungskriege" benanntes) Netz gänzlich neuer Straßen um das Zentrum der 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffenen großen rechteckigen Grünanlage Leipziger Platz. Die drei- oder viergeschossigen Privathäuser des neuen Viertels entsprachen mit ihren abwechslungsreich gestalteten repräsentativen Fassaden dem um die Jahrhundertwende sich vollziehenden Wandel des Industrieortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort. Gegenüber der Einmündung der 1903 erstmals erwähnten Schwerinstraße in die Gneisenaustraße liegt die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius (1913), der dominierende Sakralbau des Viertels. Der südliche Abschnitt der Schwerinstraße zeichnet sich durch eine bis heute gut erhaltene einheitliche Anlage mit kleinen Vorgärten aus, die Fassadenreihe der westlichen Straßenseite wurde durch jeweils mittig angeordnete Risalite bzw. Erker bewegt gestaltet.
Die aufwendige Gestaltung der Vorderhauswohnungen mit großen Eingangsfronten, reich ausgestalteten straßenseitigen Zimmern (Deckenstuck, Parkettboden, große Durchgangstüren, trennender Sturz zum Erker; reichgegliederte, große Fenster) sowie die äußere Hausgestaltung durch Vorgärten, anspruchsvolle Fassadengestaltung und die spätere Errichtung der Bonifatiuskirche im Fluchtpunkt der Straße legen noch heute Zeugnis für den gehobenen Anspruch der Planung und der sich ansiedelnden Bauherren ab.
Im Umfeld des hier behandelten Objektes ist im südlichen Bereich der Schwerinstraße auf beiden Straßenseiten ein umfangreiches Ensemble der Erstbebauung erhalten, innerhalb dessen das hier behandelte, weitgehend im Originalzustand erhaltene Haus Nr. 5 ein unverzichtbares Baudenkmal darstellt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0