Ehem. Pferdebahnstation u. Begegnungsstätte

Krahnenstraße 1 · Müngersdorf

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8319
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungEhem. Pferdebahnstation u. Begegnungsstätte
Adresse Krahnenstraße 1, 51063 Köln
Baujahrum 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.07.1998
Stadtteil Müngersdorf

Um 1880 erbautes zweigeschossiges Eckhaus mit Stuckfassade und Satteldach (Inneres und Dachgeschoß 1957 ausgebaut); 1957 erbauter dreigeschossiger, teilunterkellerter Anbau mit Flachdach, bestehend aus Verbindungsbau und rheinseitigem Bautrakt, Architekt Heinz Grotjahn.

Altbau: Straßenfassade mit mittigem Tor (kleinteilige Verglasung mit Holzrahmen) und darüber 2 gekuppelte OG-Fenstern (erneuert), seitlich Medillions mit vollplastischen Pferdeköpfen, geschlämmte Backsteinwand und aufstuckierte Tor- und Fensterrahmungen, Sockel, Gesimse und Eckquaderung (Traufe höhergesetzt); südliche Seitenfront nachträglich verputzt, 2 OG-Fenster (erneuert, Schaukasten im EG und 2 Giebelfenster nachträglich, Giebelabschluß verändert); Innen: im hohen EG-Raum Einbau einer Empore mit geradläufiger Treppe, im OG Tieferlegung der Decke und Einbau einer OG/DG-Wohnung mit interner Treppe.

Anbau: Backstein- und Rasterfassade, alle Fenster erneuert; Verbindungsbau mit rückspringender Sichtbetonfassade, Eingang schräg zurückspringend (Glastür ersetzt und vergittert, Glasfront durch Glasbausteine ersetzt, Vordach erneuert), darüber 4 Fenster je Geschoß und farbige Putzfelder; rheinseitiger Bautrakt mit in die Backsteinmauer eingeschnittenen EG-Fenstern (auf Rheinseite verkleinert) und OG-Fenster mit Sichtbetongewänden, diese zum Rhein in schräg vorspringender Betonrahmung ; Innen weitgehend original erhalten, Eingangshalle mit Vitrinen und Kunststeinboden; Treppe zum 1.OG geschwungen, dann gerade zweiläufig.

Garten: zum Rhein abgestuft, Rasenfläche und Kellerabgang in Betoneinfassung (Einfriedung erneuert).

Das Eckhaus Krahnenstr. 1 liegt an der bis ins 20. Jahrhundert wichtigsten Straße Mülheims. Das Gebäude diente als Schirrhof der 1880 bis 1903 zwischen Mülheim und Deutz verkehrenden Pferdebahn. Auf diese Nutzung spielen die beiden Stuck-Pferdeköpfe im OG an. Dem Eckgebäude mit repräsentativer Straßenfassade schloß sich ein eingeschossiger, etwa 20 m langer Trakt mit weiteren Nutzräumen an, der nach der Aufnahmeskizze von 1957 vermutlich baueinheitlich mit dem Vorderhaus entstanden war. Dem erhaltenen Eckhaus kommt als letztes Zeugnis der ehemaligen Pferdebahn ein hoher orts- und wirtschaftsgeschichtlicher Wert zu. Städtebaulich bedeutsam ist das Haus als Relikt der architektonischen Rahmung der Straßengabelung, die durch den 1884 errichteten Mülheimia-Brunnen akzentuiert wird. Darüberhinaus steht die plastische Gestaltung der originellen Hausfassade (v. a. die Pferdeköpfe) im Einklang mit den von W. Albermann geschaffenen Brunnenskulpturen.

Das Nebengebäude des Schirrhofs wurde 1957/58 durch den heutigen, dreigeschossigen Bautrakt zum Rhein ersetzt, der als "Jugendheim der offenen Tür" für die Gruppen- und Sozialarbeit der Arbeiterwohlfahrt errichtet wurde. Der Architekt Grotjahn versuchte bei diesem Neubau "den Baukörper an die unmittelbar benachbarte Schule anzupassen und durch ihn den Schulplatz nach Norden hin optisch zu schließen" (Baubeschreibung 1957). Dementsprechend wurden wie bei dem ein Jahr zuvor von M. Felten erbauten Schulgebäude (Mülheimer Str. 99) eine Backstein-Fassade mit rasterförmiger Sichtbetongliederung gewählt. Dieser platzbildende Gestaltungswille ist trotz des nachträglich errichteten Nord-Querflügels der Schule noch ablesbar. Der Neubau wird durch einen etwa niedrigeren Zwischenbau bewußt abgesetzt vom älteren Eckhaus, ebenso wie die Schule weit hinter die ehemals an der Straße gelegene Bauflucht zurückspringt und damit dem Ideal der aufgelockerten Stadt der 50er Jahre verpflichtet ist. Die Rheinfront mit der an eine Kollossalordnung erinnernden Betonrahmung der Fenster setzt einen Akzent in der Uferbebauung, der aber hinter die Bauflucht der benachbarten Schule und des Flügelbaus Krahnenstr. 7-9 zurücktritt, damit "der Hang zur Rheinpromenade ... als Grünanlage erhalten" bleibt (Baubeschreibung 1957). Insofern bildet der zum Rhein abgestufte Grünbereich ein wesentliches Element des Neubaus. Die Sitation wird heute durch den großen Laubbaum vor der Fassade verunklärt. Dem weitgehend erhaltenen Äußerem entspricht die wenig veränderte Innengestaltung der 50er Jahre im Neu- und Altbau. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der neu errichtete Bauteil des Jugendheims und der zeitgleiche Innenumbau des Altbaus wesentliche Zeugnisse der ersten Phase des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg sind.

Aus den o. g. Gründen kommt beiden Bauteilen des Hauses Krahnenstr. 1 eine besondere orts- und städtebauliche Bedeutung zu. Das Haus ist daher unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0