Villa

Gustav-Heinemann-Ufer 144 · Bayenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8339
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Gustav-Heinemann-Ufer 144, 50968 Köln
Baujahr1906 bis 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.07.1998
Stadtteil Bayenthal

Erbaut 1906-08; Achitekten Charles Mewès und Alfons Bischoff; Bauherr Bankier Dr. Emil Frh. v. Oppenheim; schloßartiger Werksteinbau (Savonnière-Kalksteine mit durchlaufenden Lagerfugen); breiter Bautrakt mit Mittelrisalit zum Rhein, daran anschließender Bauteil mit Freitreppe und Balkon zur Südseite, auf der Westseite weit vorspringender Treppenhaustrakt und Eingang mit Portikus; 2geschossiger Baukörper, mit hohem Souterrain und Mansardgeschoß (Fenster erneuert), Dachbereich nach Kriegszerstörung zum Teil verändert.

Rheintrakt: 9achsige Fassade mit halbrundem Mittelrisalit; vorgelagerte Terrasse mit Türen im sockelartigen Unterbau (teilweise zugesetzt bzw. zu Fenstern verkleinert, beidseitig vorgelagerte Freitreppen zum Teil zerstört), Hochparterre und Obergeschoß durch Kolossalordnung mit korinthischen Wandsäulen bzw. Eckpfeilern gegliedert, hohe Terrassentüren (zum Teil zu Fenstern verkleinert) mit geradem Sturzbogen und skulptiertem Scheitelstein bzw. am Risalit mit figuraler Plastik, hochrechteckige OG-Fenster mit festongeschmückten Brüstungsfeldern bzw. am Risalit mit Balkonen und mit originalen Gittern; auskragendes Hauptgesims, Balustrade und Mansarddach (Dach und Dachhäuschen erneuert, Kuppeldach über Risalit entfernt); diese Fassadengliederung auch an den Seitenfassaden des Rheintrakts, bei der südlichen Seitenfassade zusätzlich Weiterführung der Terrassenbalustrade, Relief über dem EG-Fenster und Balkon im OG.

Südseite: im Eck zum rheinseitigen Bautrakt Terrasse mit Freitreppe und säulengestütztem OG-Balkon (Balustraden durch Metallgitter ersetzt, Treppenstufen entfernt, segmentbogiges Fenster unter der Freitreppe zugemauert); Souterrain mit vergitterten Fenstern; OG-Fenster mit originalen Gittern und Sohlbänken auf Konsolen mit Feston, zwischen den Fenstern und Balkontüren Steintafeln mit Diamantquader und floraler Rahmung.

Eingangstrakt: 3 achsig, hoher Eingang mit profilierter Rahmung in Mittelachse (Tür verändert) und seitlich je 1 vergittertes Fenster, darüber querovale Tafeln; Portikus mit 4 attisch-ionisch Säulen auf Sockeln, darüber Balkon (Metallgitter nachträglich), auf der Süd- und Nordseite des Trakts Putzfläche mit geohrter Rahmung und hochovaler Tafel mit floraler Rahmung.

Nordseite: Sockel mit 4 Kellerfenstern und 1 Tür (verändert), darüber je Geschoß 4 Fenster (davon jeweils 1 vermauert).

Innen original: im Untergeschoß tonnengewölbter SO-Raum und 2geschossiger Heizungskeller mit Installationen, 1944 Bunkerbau unter der Terrasse und Fluchtweg zum Rhein (ansonsten Böden, Türen und Putz größtenteils erneuert); Foyer im Grundriß oval, Steinboden, Kellerzugang (Nebenräume zum Teil vermauert), zweiläufige geschwungene Treppe mit Steinstufen und schmiedeeisernem Geländer, 4 Nischen mit Muschelgewölben (NO-Nische mit erneuerter Tür), Durchgang zum Zentralsaal (Tür erneuert) und Spiegelgewölbedecke (Lampen erneuert); im Hochparterre repräsentative Räume mit reichen Stuckaturen: zentraler Saal mit Steinboden und offenem Kamin an N-Wand (Kamin-Stuck erneuert, Aufsätze fehlen), Durchgang (nachträglich verglast) zum Rundsaal säulengerahmt sowie seitliche Nischen (Türen zum Rundsaal zugesetzt), verglaste Spiegelgewölbedecke und 4 Kronleuchter (marmorverkleidete Heizung an W-Wand nachträglich); Verbindungsraum (seitliche Durchgänge zugesetzt) und ovaler Rundsaal mit Steinboden, großen Fenstertüren und rundbogiger Spalierdekoration; SWRaum (Mahagoniesaal) mit Holzboden, Holzvertäfelung, 2 Türen (O-Durchgang reversibel geschlossen) und 1 Kronleuchter (Fensterbänke nachträglich); S-Raum (Roter Saal) mit Marmorkamin und darüber großem Spiegel, Wandschrank und 1 Tür (Boden und Supraporten verändert); SO-Raum (Weißer Saal) mit großen, zum Teil verspiegelten Arkaden (Terrassentüren zu Fenstern verkleinert und Heizungseinbau) und abgeschrägten Ecken, darin Türen und Wandschränke, seitlich Vestalinnen in Stuck, oberhalb Grisaillemalerei (SO- und NW-Ecke original, SW-Ecke nachempfunden), darüber vorspringendes Wandabschlußgesims und adlergerahmte Wappen (2 Wandmalereien nachträglich); NO-Raum (Jagdzimmer) mit Steinboden (stellenweise beschädigt) und Marmor-Wandverkleidung, 1 Tür mit aufstukkierten Jagdtrophäen, große, zum Teil verspiegelte Arkaden (Terrassentüren zu Fenstern verkleinert und Heizungseinbau); weitere N-Räume verändert (2 Räume zusammengefaßt, ehemaliges Treppenhaus ausgebaut und durch Treppe und Fahrstuhl der 50er Jahre ersetzt); Lichthof im OG und DG über dem zentralen Saal mit Originalkonstruktion (Saaldecke mit Plexiglasscheiben sowie Glasdach erneuert), zweigeschossigem Umlauf mit Metallgeländer und ursprünglicher Zugangssituation (ansonsten OG und DG stark verändert).

Park: 2 Kandelaber mit 3 Lampen seitlich des Portikus; straßenseitige Einfriedung mit kandelabergerahmtem Südtor (Nordtor im Sockelbereich vermauert, Kandelaber entfernt); südliche Parkmauer aus Backstein (ansonsten Park durch neue Wegführung, Parkflächen und 2 neue Bürogebäude verändert).

Nicht Bestandteil des Denkmals sind die beiden Bürobauten an der Alteburger Straße sowie die nachträglich angelegten Verkehrsflächen auf dem Grundstück (Straßen, Parkplätze).

Das oben beschriebene Palais Oppenheim ist im Kölner Stadtbild ein einmaliges Beispiel für die Prachtarchitektur französischer Prägung um die Jahrhundertwende. Beauftragt wurde der damals in internationalen Bankierskreisen geschätzte Architekt Charlès Mewes, ein Schüler der École des Beaux-Arts in Paris, der den Bau mit seinem Partner in Deutschland, Alfons Bischoff, durchführte. Dabei orientierten sie sich an der repräsentativsten und dekorationsfreudigsten Stilepoche Frankreichs, dem "Louis seize", und errichteten ein der adeligen und gesellschaftlichen Stellung des Bauherrn angemessenes französisches Palais. Als Vorbilder sind u. a. zu nennen das Lustschloß ("Bagatelle") im Bois de Boulogne in Paris, das Schloß von Besancon und das Hotel de Salm-Kyrburg in Paris (vgl. W. Hagspiel, Köln: Marienburg, Köln 1996, S. 295-302). Trotz der für den Büro- und Seminarbetrieb durchgeführten Umbauten ist die ursprüngliche Funktion als eine der ersten Adressen in Köln u. a. im repräsentativen Hochparterre noch deutlich abzulesen: Von der geschwungenen Treppe gleichsam emporgehoben betritt man den im Inneren des Gebäudes gelegenen, aber dennoch mit Tageslicht ausgestatten zentralen Saal, dem sich zum Rhein hin der aus der Fassade vorspringende Rundsaal in Form eines Gartensaals anschließt. Nördlich grenzt an ihn der mit Kriegs- und Jagdmotiven geschmückte "Herrensalon", südliche der "feminine" Motive aufweisende "Damensalon". Weitere Gesellschafträume liegen südlich des Zentralsaals, während die kleineren Räume im Norden (Garderobe, Büffett, Treppenhaus) heute weitgehend verändert sind. Veränderungen betrafen leider auch die intimeren Wohnräume im Obergeschoß und die Personalräume im Dachgeschoß sowie die Wirtschaftsräume im Souterrain.

Weitgehend original erhalten blieben dagegen die Außenwirkung der Villa, da die Fassaden nur unwesentlich verändert und das Dach (abgesehen von der Kuppel) entsprechend dem Originalzustand wieder aufgebaut wurde. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, daß die Umgebung des Hauses als Freifläche erhalten blieb und so der weitläufige Schloßcharakter des Hauses nicht durch einengende Bebauung gestört wird.

Ein ortsgeschichtliches Zeugnis stellt die südliche Parkmauer dar als letztes Zeugnis der 1846/47 errichteten Vorgängerbebauung des Fabrikanten Paul Joseph Hagen, dessen Maschinenbaufabrik (später BAMAG) jenseits der Alteburgerstraße lag. Wesentlich für die Geschichte Köln sind auch die 1944 erfolgten Umbauten zum NSDAP-Kreishaus (v. a. im Kellergeschoß erhalten).

Das o.g. Objekt stellt neben der Boisserée-Villa (GustavHeinemann-Ufer 94) eines der letzen Zeugnisse der großbürgerlichen Bebauung des ehemaligen Oberländer Ufers dar.

Aufgrund dieser historischen und der künstlerischen sowie architekturgeschichtlichen Bedeutung ist das Haus mit umliegender Freifläche unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0