Wohnhaus

Bayenthalgürtel 7 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3704
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Bayenthalgürtel 7, 50968 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 20.08.1986
Stadtteil Marienburg

Die Villa ist 1906 von dem Architekten Heinrich Müller-Erkelenz für den Regierungsrat E. Best errichtet worden. Ein hoch aufgeführtes Souterraingeschoß, zwei weitere Hauptgeschosse und das vielfach durchgiebelte Dachgeschoß mit steilem Walmdach machen das Haus zu einem beherrschenden Denkmal am Bayenthalgürtel. In seinem malerischen Aufbau, der Vewendung verschiedener "natürlicher" Baumaterialien sowie dem der englischen Landhausarchitektur entlehnten Grundriß weist das Bauwerk unübersehbar auf die vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur nach der Jahrhundertwende mit zwei halbrunden, risalitartig vorspringenden Eckerkern mit Kegeldach, einer dazwischen gespannten Altane und einem dominanten, abgeschopften Fachwerkgiebel gestaltet. Die seitliche Eingangsfront ist ganz auf die Portalzone konzentriert. Kräftig vorspringende, geschliffene Werksteingewände tragen über profilierten Holzpfeilerstümpfen ein abgewalmtes Pultdach, die Tür selbst schneidet rundbogig in die umgebende Werksteinmauer. Ähnlich der Haupfront sind die beiden restlichen Fassaden lebendig durchgestaltet. Die Rückseite zeigt einen mittigen, übergiebelten Treppenturm, einen dazu seitlich angeordneten Erdgeschoßerker mit Altane sowie auf der anderen Seite einen malerischen überdachten Balkon in Holzwerk. Schließlich wird die linke Seitenfront von einer auf kräftigen Steinkonsolen auflagernden Loggia mit vorgelagertem Balkon und wiederum übergiebeltem Schopfwalmdach beherrscht. Rustikamauerwerk aus gelblichem Heilbronner Sandstein, Rahmungen aus Quadermauerwerk, helle Edelputze, Eichenholzfachwerk und Ziegeldeckung bilden die Materialien der differenziert gestalteten Fassaden. Entsprechend den inneren Funktionsabläufen sind die Fenster in verschiedenen Größen und Formen in die Fassaden eingelassen. Überwiegend als sogenannte Stumpfsche Reformschiebefenster ausgebildet, sind sie unterhalb des Kämpfers ohne Sprossenteilung. Die auffälligste Veränderung der Außenarchitektur ist die Überdeckung des ursprünglich sichtbaren Dachgeschoßfachwerks mit Biberschwänzen. An der rückwärtigen Fassade ist der Wintergarten erweitert sowie der Holzbalkon in einen Risaliten integriert worden.

Über ein mehrere Stufen aufsteigendes, marmorverkleidetes Entrée mit Tonnenwölbung erreicht man die zentrale Empfangsdiele, um die die Haupträume des Erdgeschosses, das Wohn-, Herren- und Speisezimmer, gruppiert sind. Die Räume des Obergeschosses sind vielfach mit Loggien und Terrassen nach außen verbunden; das Souterrain nimmt die Wirtschaftsräume einschließlich der gefliesten Küche auf. Die vom Architekten Müller-Erkelenz selbst entworfene Innengestaltung folgt in ihrer Formensprache den reichen Außenfassaden und ist mit verzierten Holzbalken, Deckenornamenten, integrierten Schränken, Paneelen, Parkettböden, Heizkörperverkleidungen usw. üppig ausgestattet gewesen. Diese Innenarchitektur ist abgesehen vom Entrée, dem Holztreppenhaus und einigen Türen verlorengegangen. Auch ist der ursprüngliche Grundriß vielfach verändert. Zwei kleine Zierbrunnen im Garten sowie die straßenseitige Einfriedung sind noch erhalten.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Bayenthalgürtel 7 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Bayenthalgürtel 7 ist in ihrer Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Sie gehört zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, in Abgrenzung zu den als unehrlich empfundenen Gründerzeitbauten sogenannte ehrliche Materialien, im Gegensatz zum Stuck, verwendete. Die neue Bewegung fordert "Wahrheit und Natürlichkeit" von der Baukunst, vor allem in Bezug auf das Material, das äußerlich in seinen Funktionen ablesbar sein sollte. Die Gliederung der Fassade wurde von Zweckmäßigkeit der Raumordnung bestimmt. Als integraler Bestandteil der Architektur wurde die Innengestaltung angesehen, so daß vielfach der Architekt selbst auch Wandverkleidungen, Beschläge, Heizkörper, Lampen und sogar das Mobiliar mit entwarf. Der Architekt Heinrich Müller-Erkelenz verstand es, diesem Anspruch in jeder Weise gerecht zu werden. In der Villa Bayenthalgürtel 7 hat er beispielhaft die Reformideen, die schließlich in der Moderne mündeten, bis in das letzte Innendetail umgesetzt. Geboren 1878 in Worms arbeitete der damals sehr bekannte Architekt ab 1904 in Köln, wo er, neben anderen Villen in Marienburg, das Deichmann-Haus, das Verlagshaus der Kölnischen Zeitung sowie andere Geschäftshäuser baute. Die mehrfach publizierte Villa Bayenthalgürtel 7 stellt innerhalb der Arbeit des Architekten Müller-Erkelenz einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Haus ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung zu Anfang des Jahrhunderts, an dessen weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0