Wohnhaus

Schaurtestraße 8 · Deutz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8369
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schaurtestraße 8, 50679 Köln
Baujahrum 1912
Architekt / PlanungKarl Franck
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.10.1998
Stadtteil Deutz

Erbaut um 1912, Architekt Karl Franck, Eckhaus mit 4 Geschossen und ausgebautem Dachgeschoß.

Straßenfassaden: Putzfassade mit zurückhaltenden Stuckgliederungen im Stil des Neoklassizismus, nur die Haustür und die beiden dreigeschossigen Erker reicher gestaltet, Fenster überwiegend original; hoher verputzter Sockel mit Fugenschnitt, hochrechteckige Kellerfensterschächte mit originalem Gitter, verkröpftes Gesims über dem 1. OG, Fensteröffnungen des 2. und 3. OG jeweils vertikal zusammengefaßt, 2. OG-Fenster mit vertieftem Brüstungsfeld und Eierstab am Sturz, Brüstung im 3. OG weist Stucktafeln mit mittigem Diamantquader auf, Erker-Fenster im 1. OG mit rahmenden Stuckkassetten, im 2. und 3. OG vertikal durch kannellierte Pilaster zusammengefaßt (Balkone erneuert);

Fassade zur Schaurtestr.: 4 Achsen, Haustür mit Oberlicht und profilierter Rahmung (Türblatt, 2 Keller- und 2 EG-Fenster erneuert), Erker im 1. OG nur leicht vorkragend, vierachsiges Dachhäuschen mit Lisenengliederung (oberes Dachhäuschen und liegende Dachfenster nachträglich eingebaut);

Fassade zur Hasertstr.: 7 Achsen (linke Achse abgeknickt), Austritte mit originalen Gittern im 2. OG des Erkers (Kellertür und 1 Fenster im 2. OG erneuert, Giebelfenster und 2 Dachhäuschen nachträglich, Giebelfeld verändert).

Rückseite: rechtwinklig geknickt, jeweils 4 Achsen, 5 Geschosse, Türen und Fenster größtenteils original (Balkone erneuert), große eiserne Treppenhausfenster.

Innen: jeweils 2 Wohnungen (Zweispänner) im Hochparterre bis 1. DG (2. und 3. DG nachträglich ausgebaut), zum Teil originale Fliesen- und Dielenböden, Wandvertäflungen, Türen (teilweise neue Beschläge und verglast), Deckenvouten und Stuckrosetten; Süd-Wohnung im 3. OG und 1. DG nach Brandschaden neu ausgestattet; Keller mit altem Grundriß straßenseitig (hofseitig umgebaut und Hof unterkellert), 3 originale Türen; EG-Flur mit Boden, Stufen und Wandverkleidung aus Marmor, Wellenfries unter der Decke im Eingangsbereich; Treppenhaus mit gelben Wandfliesen, grün abgesetzt (zum Teil erneuert), Treppe mit Terrazzostufen und Holzgeländer (Antrittspfosten, gedrechselte und Vierkant-Stäbe, Handlauf), Zwischen- und Geschoßpodeste mit Terrazzoboden.

Deutz ging aus dem um 310 n. Chr. gegründeten "Castellum Divitia", dem rechtsrheinischen Brückenkopf des römischen Kölns hervor. 1003 wurde die Benediktinerabtei St. Maria/ St. Heribert gegründet, um die sich die mittelalterliche "Freiheit Deutz" entwickelte. Die mehrfach verwüstete Siedlung wurde 1818-23 zur preußischen Befestigung ausgebaut, die mit Köln durch eine Schiffsbrücke verbunden war. Als Ausgangspunkt der rechtsrheinischen Bahnen (Eisenbahnbrücke 1855-59) wuchs Deutz überregionale Bedeutung zu, die 1856 zur Verleihung des Stadtrechts führte (1888 nach Köln eingemeindet). Die städtische und industrielle Entwicklung (1904-07 Bau des Industriehafens) wurde durch die preußischen Befestigungsanlagen eingeengt. Die Bebauung reichte damals bis zur Helenenwallstraße. 1907 wurden die militärischen Anlagen geschleift und die Stadt in den folgenden Jahren planmäßig erweitert und mit einer Ringstraße (Gotenring/ Justinianstr.) auf dem ehemaligen Glacis umgeben.

Im Bereich dieser Stadterweiterung liegt das o. g. Objekt, das als Eckhaus eine städtebauliche Schlüsselposition einnimmt. Dem wurde beim Bau des Hauses Rechnung getragen, indem die Fassade geknickt wurde und so die Hasertstr. im Kreuzungsbereich leicht platzartig erweitert werden konnte. An dieser Seite liegt auch der vollständig auskragende, vierachsige Erker. Sein Aufriß erinnert an den Mittelrisalit klassizistischer Schlösser mit massivem Unterstock (gequaderte und kassettierte Putzoberfläche) und Kollossalordnung (durchlaufende Pilaster) in den Obergeschossen (vgl. die ehem. Bundesbahndirektion an der Kostgasse). Die Kanneluren der Lisenen und die Andeutung von Basis und Abakus erinnern an Säulen. Lisenenartig sind auch die engen Zwischenräume zwischen den schmalen Fenstern an der Schaurtestr. behandelt. Mit Rücksicht auf die an dieser Seite schmalere Fassade und geringere Straßenbreite ist der Erker hier schmaler angelegt und springt im 1. OG nur leicht vor.

Die Etagen, die im Inneren alle ähnlich ausgestatett waren, weisen außen eine abgestufte Wertigkeit auf: Das Hochparterre ist zwar vom Straßenniveau abgehoben und als Vollgeschoß ausgebildet, weist ansonsten aber keinen besonderen architektonischen Schmuck auf, während die Obergeschosse durch die Erker ausgezeichnet werden. Darüber hinaus heben die Stuckarbeiten an Brüstungen und Fensterstürzen, die profilierten Lisenen und der Einbau von Balkonen das 2. und 3. OG besonders hervor. Das oberste Geschoß wurde zur Einhaltung der vorgeschriebenen Traufhöhe straßenseitig hinter die Trauflinie zurückgenommen (vgl. gegenüberliegendes Eckhaus Hasertstr. 1). Die Balkone belegen jedoch, daß es sich um ein vollwertiges Wohngeschoß handelt. Hofseitig ist es dementsprechend auch als 4. OG anzusprechen.

Die flächige, zurückhaltend mit Zierelementen ausgestatte Fassade ist durch die Fensterachsen streng vertikal gegliedert. Ein optisches Gegengewicht wird durch das um die Erker verkröpfte Stockgesims gebildet, das EG und 1. OG sowie 2. und 3. OG zu etwa gleichhohen horizontalen Einheiten zusammenfaßt. In den Einzelformen sind Anklänge an einen klassizistisch geprägten Jugendstil erkennbar (Stuckornamente, Balkongitter, Türrahmung und Putzsockel mit Quaderfugen). Dieser ausgewogenen und durchdachten Außengestaltung entspricht die aufwendige Innenausstattung mit Naturstein- und Terrazzoböden, Holzvertäflungen und Stuckarbeiten.

Das Haus ist damit ein typisches Beispiel für die kurz vor dem 1. Weltkrieg in der Deutzer Stadterweiterung errichteten Bauten, deren Zahl mittlerweile durch Kriegsschäden und Umbauten wesentlich reduziert ist. Daher ist das Haus trotz der Veränderungen im Dachbereich als wichtiges Zeugnis der städtebaulichen Entwicklung von Deutz anzusehen.

Aus den o. g. Gründen ist die das Haus Schaurtestr. 8 unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0